Zukunft der Arbeit
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Konzerne ernten Rekordgewinne - und streichen Stellen. Die 30 größten Aktiengesellschaften Deutschlands konnten ihre Gewinne im Jahr 2004 auf 35,7 Milliarden Euro nahezu verdoppeln, trotzdem wurden im vergangenen Jahr über 35.000 Stellen bundesweit gestrichen und die Konzerne sehen keinen Grund den weiteren Abbau zu stoppen. 25.03.05, dpa, stern, handelsblatt, RP Online, AFP, dpa, ap

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Staatliche Hilfe nur für Bedürftige?
Auch im Frühjahr 2010 zerbrechen sich Wirtschaftsvertreter, FDP- und CDUCSU-Politiker den Kopf wie das Geld der Besserverdiener vor dem gierigen Zugriff von "Hartz IV-Trinkern und -Rauchern" geschützt werden kann. Es gipfelt in Vorschlägen für deren bedürftigen "Hartz4-Kinder" Gutscheine auszugeben. Es scheint ein wesentlich wirksamerer Weg zu sein, den Kindern von Besserverdienern, Millionären und Milliardären aus grundrechtlicher Gleichbehandlungspflicht - so die Begründung für steuerliche Freibeträge und Kindergeld-Bezug für Reiche - ihren Gerechtigkeitsansprüchen auf ebenfalls staatlicher Hilfe mit ebensolchen Gutscheinen zu genügen: Gutscheine für Millionärskinder statt Steuer-Freibeträge.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Staat aber ist arm – gleichzeitig wächst der private Spitzenreichtum in horrender Weise. Die Diskrepanz wird immer krasser, mit allen Gefahren, die für den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft daraus erwachsen. Wer daher Überlegungen dazu, wie sich der Staat die Reichtumsexplosion nutzbar machen kann, als „Neiddebatte“ abtut, ist albern. Reichtum ist eine Annehmlichkeit, die jedem gegönnt sei; aber Reichtum wird unsozial, wenn er zum volkswirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Problem wird.  Zur Quelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

Armut durch Multis - Beispiel Nigeria
Nigeria ist der achtgrößte Erdöl-Produzent der Welt, gleichzeitig ist es eines der ärmsten Länder. Konzerne wie Shell, Texaco, Elf usw., die diese Riesenschätze ausbeuten, halten sich seit 1962 abwechselnde Militärdiktaturen. Die demokratische Fassade verdeckt die totale Korruption. Das Treiben der so genannten Elite in Nigeria, ob christlich oder muslimisch , ist unentschuldbar wegen ihrer Plünderung der Staatskassen, wegen ihrer zynischen, korrupten Herrschaftsausübung. Aber andererseits ist das Primärphänomen hinter der Korruption die Ausbeutung der afrikanischen Bodenschätze durch die multinationalen Unternehmen. Die funktionieren nach dem Profitmaximierungsprinzip; sie sind nicht dazu da, den Hunger in Nigeria zu bekämpfen. Letztes Jahr haben 500 der größten transkontinentalen Privatkonzerne zusammen 53,8 % des Welt-Bruttosozialproduktes kontrolliert. Das sind alle in einem Jahr auf der Welt produzierten Kapitalien einschließlich Dienstleistungen, Waren und Patente. Diese Konzerne verfügen über eine Macht, die kein Kaiser, König oder Papst jemals in der Geschichte zuvor gehabt hat. Und sie sind primär verantwortlich für die total kannibalistische Weltordnung. Nur die Weltgemeinschaft kann diese hemmungslose Ausbeutung unterbinden und muss endlich den Willen aufbringen zu handeln.  
Zur Quelle  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Billiglöhne und Lohnsenkungen
Politik und Wirtschaft wollen "hohe Löhne" senken, um "Arbeitsplätze zu schaffen".
Doch in Ländern mit niedrigeren Löhnen besteht ebenfalls hohe Arbeitslosigkeit. Und in den vielbeschworenen Billiglohnländern, auch im Osten: Zusätzlich zu bitterster Armut noch höhere Arbeitslosigkeit. Mit 1Euro-Jobs, oder mit "konkurrenzfähigen Einkommen auf dem Niveau von Billiglohnländern", kann in Deutschland niemand seinen Lebensunterhalt bestreiten und schon gar nicht seine Familie ernähren. Armut und der wirtchaftliche Kollaps Deutschlands mit noch höherer Arbeitslosigkeit wären zwangsläufig. Die typische Struktur, wie wir sie aus den armen Ländern kennen: Eine kleine Schicht der Superreichen, auf der anderen Seite ein Volk in tiefster Armut.

 

   

Lohnnebenkosten
Die Lohnnebenkosten seien zu hoch. Deutsche Produkte seien nicht mehr konkurrenzfähig, wenn die Lohn - Nebenkosten nicht gesenkt werden. So begründen das Wirtschaftsfunktionäre, Unternehmer, Politiker,allen voran Bundeskanzlerin Merkel, Horst Köhler und viele, viele mehr. Trotzdem ist es nicht richtig! Statt von Lohnnebenkosten sprechen wir lieber von Sozialkosten. Beiträge in die Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung dienen unserer Existenzsicherung, um Not und Armut zu vermeiden. Das sind bestimmt keine Nebenkosten, die mal eben gekürzt oder gestrichen werden können, wie der Begriff „Nebenkosten“ wohl suggerieren soll.
 Unser hoher Anteil belegt unsere hervorragende internationale Konkurrenzfähigkeit. Bei allem hinlänglich bekannten Gejammer der Unternehmer, besonders zu Zeiten auslaufender Tarifverträge, ist unübersehbar, dass heimische Produkte seit Jahrzehnten bis heute einen oberen Platz in der Export - Weltrangliste sichern. Wir sollten uns nicht Glauben machen lassen, der Weltuntergang sei nahe, wenn andere Länder auch einmal mit dem einen oder anderen Produkt bessere Geschäfte machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Arbeitsgesellschaft geht die Arbeit aus: Der Wahrheit ins Gesicht sehen  
Alle bisherigen Versuche, die seit fast zwei Generationen in unserem Lande herrschende Massenarbeitslosigkeit zu lindern oder gar zu beseitigen, sind mehr oder weniger deutlich gescheitert. Die herrschenden Eliten in Politik, Ökonomie und Ökonomik haben in fast 30 Jahren eine nahezu pathologische Fähigkeit entwickelt, statistische Realitäten über die Entwicklung des gesamten volkswirtschaftlichen Arbeitsvolumens und seine Beziehung zum wirtschaftlichen Wachstum und zur technologischen Rationalisierung zu ignorieren und aus allen Erwägungen zur Verringerung der Arbeitslosigkeit systematisch auszuklammern.  
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OECD: Zuwanderung gegen deutschen Arbeitskräftemangel     Nov.2010
Meinung von FAZ-Leser Rüdiger Noll:
Stimmt, es gibt den Fachkräftemangel, den man uns weismachen will ....
.. aber nur, wenn man z.B. Dipl.Ing´s sucht, mit 15 Jahren Berufserfahrung, die sich mit einem Bruttogehalt von max. 2.100 EUR zufrieden geben und nicht älter als 33 sind! Dies ist in anderen Branchen ähnlich. Wie einige Leser bereits richtig bemerkt haben, ist es tatsächlich so, dass der Fachkräftemangel nur ausgerufen wird, um die Löhne ebendieser Kräfte mittels "Arbeitsmigration" weiter zu drücken , verbunden mit der Ausgrenzung von Kräften die älter als 40 sind. Alleine in meinem Bekanntenkreis gibt es 5 wirklich hochqualifizierte Arbeitssuchende, sie haben allerdings einen grundsätzlichen Makel: Ihr Alter liegt zwischen 45 und 55 Jahren!! In den letzten Wochen hatte ein hessischer Energieversorger die Stelle des Personalleiters ausgeschrieben - eine hochqualifizierte Position also - und es haben sich 150 (in Worten: Einhundertfünfzig!) hochqualifizierte Bewerber gemeldet. So sieht heutzutage Fachkräftemangel aus! ...

 

 

Arbeit und Erwerbstätigkeit für alle  
Nachhaltige Lösungen für heute und morgen.

 

In den 20 größten Volkswirtschaften der Welt wurden zwischen 1995 und 2002 in der Produktion 31 Mio Stellen gestrichen. Im gleichen Zeitraum verlor China über 15 Millionen Fabrikarbeitsplätze.  "Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft" Jeremy Rifkin, 2005.

Wie lange es bis zum globalen "Ende der Arbeit" dauern kann, sei dahingestellt. Wir leben in der Zeit des Umbruches, der ständigen Abnahme der Erwerbstätigkeit.
Die Zukunft der Arbeit hat bereits begonnen. Für diese (Übergangs-) Phase brauchen wir zuallererst wirksame und nachhaltige Lösungen. Sie bereiten den sozialverträglichen Weg in eine Zukunft, in der Erwerbstätigkeit als Existenzgrundlage ihre heutige Bedeutung verloren hat.

 Neu 4.9.2 EU -Schuldenkrise   

 INHALTSVERZEICHNIS

Zusammenfassung der Dokumentation "Zukunft der Arbeit"       Druckversion (PDF)

1       Wir leben in einer Erwerbskrise, wie kann sie überwunden werden?
1.1      Massenarbeitslosigkeit ist das soziale Hauptproblem in Deutschland.
1.2      
Arbeitslosen-Statistik und tatsächliche Arbeitslosigkeit
1.3      
Zur Situation von Hartz IV Empfängern

2       Wir erwirtschaften genug für alle - es geht um Verteilung
2.1      Teilhabe für alle
2.2      Der Reichtum der Bundesrepublik

3       Maßnahmen zur Überwindung der Erwerbskrise - Notwendige Regelungseingriffe
3.1    
Steuer- und Finanzpolitik: Handlungsfähigkeit des Staates wieder herstellen
3.1.1      Angemessene Besteuerung von Unternehmensgewinnen und Vermögen
3.1.1.1     
Steuerreform - Steuergerechtigkeit herstellen
3.1.1.2     
Vollzugsdefizite beseitigen
3.1.1.3     
Steuerhinterziehung bekämpfen  
3.1.2      
Wirtschafts-Subventionen abbauen
3.1.3      
Einführung einer Wertschöpfungsabgabe   
3.1.4      
Finanzmärkte regulieren
3.2     
Arbeitszeitverkürzung
3.3     
Mindestlöhne flächendeckend - Arbeit muss sich wieder lohnen
3.4     
Staatliche Maßnahmen
3.4.1       Arbeitsplätze schaffen durch öffentliche Aufträge
3.4.2       Personalbedarf anpassen im öffentlichen Dienst
3.4.3       Unterbezahlte Arbeit  und private Leiharbeit minimieren
3.4.4       Staat als Miteigentümer
3.4.5       Staat als Vorreiter
3.5       
Soziale Sicherung zukunftssicher gestalten
3.6       
Internationale Regelungen

4       Ursachen der Massenarbeitslosigkeit - Was muss geändert werden
4.1     
Lohn und Lohnnebenkosten - Scheinlösung Billiglöhne
4.2     
Längere Arbeitszeit?
4.3     
Globalisierung
4.4     
Technischer Fortschritt - Steigende Produktivität
4.5     
Erwerbsbeteiligung von Ausländern - Zuwanderung
4.6     
Erwerbsbeteiligung von Frauen
4.7     
Schwarzarbeit
4.8     
Steuer- und Finanzpolitik
4.9      Finanzkrisen
4.9.1   
Internationale Finanzmarktkrise  -  Ursachen und Konsequenzen
4.9.2   EU-Schuldenkrise   Neu

5       Folgewirkungen der Massenarbeitslosigkeit  

6       Ausblick - Wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen  

7       Umsetzung - Ideen gibt es viele, aber wie realisieren  

 

 

 

 





Kap 1   Wir leben in einer Erwerbskrise, wie kann sie überwunden werden?
 

1.1  Massenarbeitslosigkeit ist das soziale Hauptproblem in Deutschland.
Die anhaltende und weiter steigende Massenarbeitslosigkeit ist die drängendste politische, wirtschaftliche und soziale Herausforderung in Deutschland.

Massenarbeitslosigkeit bedroht unsere Existenzgrundlage und hat bereits Millionen Menschen in die Armut getrieben. Seit über 30 Jahren verursacht sie millionenfache Einkommenseinbußen und gebrochene Erwerbsbiografien. Die Kinderarmut hat in unserem Land, einem der reichsten der Welt, stark zugenommen. Stark zunehmende Altersarmut ist vorprogrammiert. Erwerbstätigkeit ist Lebens- und Existenzgrundlage fast aller. Ihr Verlust lässt Menschen und Familien zerbrechen; bedroht und zerstört das Selbstwertgefühl von Millionen Menschen, die sich und ihren Familien ein angemessenes und gesichertes Leben erarbeiten wollen und nicht können, weil nicht genügend Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.

Massenarbeitslosigkeit untergräbt die finanziellen Grundlagen des Sozialstaats. Steuereinnahmen sinken oder fallen ganz weg. Die Kosten der sozialen Hilfe und staatliche Ersatzleistungen für die Sozialversicherung steigen. Sie führt bei der Sozialversicherung zu drastischen Einnahmeausfällen und verursacht zusätzliche Kosten für Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe. Geringere und ganz wegfallende Einnahmen und steigende Ausgaben führen zu Beitragserhöhungen. In Folge der millionenfachen Arbeitslosigkeit nehmen auch psychische Erkrankungen immer mehr zu und belasten die Krankenversicherungen zusätzlich. Ein weiteres Problem, das der Sozialversicherung - dem Sozialstaat - zu schaffen macht, ist die Tendenz zur Auflösung des Normalarbeitsverhältnisses, die mehr und mehr zu beobachten ist und die Beitragsbasis erodiert. Statt unbefristeter und dauerhafter Beschäftigung werden befristete Beschäftigungsverhältnisse gesucht, statt Vollzeitarbeit Teilzeitarbeit und statt Teilzeitarbeit geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, die nicht versicherungspflichtig sind.

Demographisches Renten-Problem?
In Wirklichkeit sind die Renten nicht sicher, weil in den letzten 30 Jahren Millionen Arbeitsplätze abgebaut wurden, deshalb zu wenig Rentenbeiträge gezahlt werden
 (und weil die gesetzliche Rentenversicherung, anders als die berufsständischen Rentenversicherungen , mit milliardenhohen versicherungsfremden Leistungen belastet wird). Wären weiterhin so viele Babys geboren worden wie bis zum "Pillenknick", hätten wir heute vielleicht 20 Millionen statt 8 Millionen Arbeitssuchende und keinen Cent mehr in der Rentenkasse. Erwerbsfähig im demographischen Sinne ist jeder Mensch zwischen 18 und 65, erwerbstätig oder gar sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist er damit noch lange nicht. Wir haben einen beträchtlichen Mangel an Steuer und Sozialbeiträge leistenden Erwerbstätigen. Wäre die rein biologische Betrachtungsweise richtig, müßten alle Entwicklungs- und Schwellenländer mit ihren phantastischen Geburtenzahlen und prächtigen Alterspyramiden glänzend finanzierte soziale Sicherungssysteme haben. Das ist offensichtlich nicht der Fall und widerlegt die Demographie-Debatte, der sich inzwischen fast alle Politiker virtuos bedienen.
In der "Demographie-Debatte" regelmäßig unterschlagen: Sobald die geburtenschwachen Jahrgänge ins Rentenalter kommen, wird der Anteil der alten Menschen wieder sinken.
Die Alterung der Gesellschaft kann bewältigt werden durch den Abbau der Arbeitslosigkeit, normaler Entlohnung und angemessener Teilhabe an den Produktivitätsgewinnen.
 Mehr
Hintergrund-Informationen.

Der zunehmende Abbau von Vollzeitarbeitsplätzen wird ebenso politisch gefördert wie die Belastung der Sozialsysteme durch Fremdleistungen, Aushöhlung des Solidarprinzips durch Bonusprämien, Kopfpauschale, Begrenzung der Arbeitgeberanteile und daraus resultierender höherer Arbeitnehmeranteile der Versicherten. Die zusätzlich erforderliche Privatversicherung (Riesterrente) zur gesetzlichen Rentenversicherung kann von Geringverdienern, bei prekärer Beschäftigung, häufiger Arbeitslosigkeit meist nicht erbracht werden. Über 600 Milliarden Euro betragen die  
versicherungsfremden Leistungen, die nicht durch Bundeszuschüsse ausgeglichen wurden, allein in der Rentenversicherung seit 1957 bis 2008.  Weil die  Finanzierung dieser "versicherungsfremden / nicht beitragsgedeckten Leistungen" durch Zuschüsse des Bundes nicht vollständig ausgeglichen wird, mussten die Beitragssätze zu den Sozialversicherungen mehrfach  angehoben werden. Mit all diesen, bisher gescheiterten und auch künftig zum Scheitern vorprogrammierten Maßnahmen will Politik und Wirtschaft die seit über 30 Jahren andauernde und  steigende Massenarbeitslosigkeit bezahlbar machen. Nicht der Sozialstaat ist zu teuer, sondern die Arbeitslosigkeit und ihre Folgekosten. Massenarbeitslosigkeit ist die teuerste Art der Arbeitszeitverkürzung.

Weltweit gehen Millionen von Arbeitsplätzen verloren. Auch in China gehen Millionen Arbeitsplätze in Fabriken verloren und werden nicht annähernd durch neugeschaffene Jobs kompensiert. Ergebnis: Über 360 Millionen chinesische Wanderarbeiter ringen um jeden Job, selbst wenn sie mit erbärmlichsten Bedingungen verknüpft sind. Die Weltwirtschaft befindet sich mitten in einer radikalen Veränderung der Natur der Arbeit selbst - mit tief greifenden Konsequenzen für die Zukunft der Gesellschaft. Die billigsten Arbeiter der Welt werden nicht so günstig sein wie die Technologie, die herankommt, um sie zu ersetzen.

Die hohe und andauernde Massenarbeitslosigkeit ist die Wurzel allen Übels. Nur mit diesem Hintergrund sind Belegschaften erpressbar, Löhne kürzbar, Arbeitszeitverlängerungen erzwingbar, der Abbau von Schutzregelungen und Sozialleistungen möglich.
Konnte in den über dreißig langen Jahren der Massenarbeitslosigkeit wirklich keine nachhaltige Lösung gefunden und realisiert werden? Kaum zu glauben! Fakt ist, alle bisherigen politischen Ansätze sind mehr oder weniger kläglich gescheitert. Ein nachhaltiger Ansatz unserer Regierung die katastrophale Massenarbeitslosigkeit zu überwinden ist auch derzeit nicht erkennbar.
Die Kenntnis der wesentlichen Ursachen der Massenarbeitslosigkeit ist Voraussetzung um zu wirksamen und nachhaltigen Lösungen zu gelangen. Wesentliche Ursachen der Massenarbeitslosigkeit werden in der öffentlichen Diskussion offensichtlich ausgeblendet. Kein Thema für Politiker? Selbst in den vielen TV-Shows, Dokumentationen und TV-Diskussionsrunden scheinen sie nicht wirklich ein Thema zu sein.

 Die Arbeit, genauer die Erwerbstätigkeit, mit der wir unseren Lebensunterhalt bestreiten, wird weniger. Die Einflüsse sind vielfältig, wie nachfolgend dargestellt. Hauptursache ist sicher der technische Fortschritt oder die "steigende Produktivität". Die zunehmende Substitution von menschlicher Erwerbsarbeit durch maschinelle Arbeit von Automaten und Computern wurde bereits 1995 für die letzten 20 Jahre von dem US-amerikanischen Soziologen und  Ökonomen Jeremy Rifkin* in Studien dargelegt und verstärkte Effekte für die Folgezeit extrapoliert. Bis zum "Ende der Arbeit", in dem die menschliche Arbeit nahezu vollständig durch technische Einrichtungen und Prozesse ersetzt ist, scheint es allerdings noch ein längerer Weg. Bis dahin sind noch viele Anpassungsprozesse erforderlich. Nicht nur in den industrialisierten Ländern, sondern auf der gesamten Welt. Und bis dahin gibt es noch viel zu tun. Wir leben jedoch bereits im Anpassungsprozess "mit immer weniger Arbeit zu leben". Die Zukunft hat bereits begonnen. Leider "it's not very amusing": Mit Maßnahmen gegen "zu hohe Lohn/Nebenkosten" und gegen einem "zu teueren sozialen Netz" glaubt Politik und Wirtschaft Arbeitslosigkeit  finanzierbar machen zu können.

 Wie kann die Erwerbskrise überwunden werden
Die hohe Massenarbeitslosigkeit wird gleichgesetzt mit schlechter Wirtschaftslage. Fälschlicherweise! Wir müssen unbedingt unterscheiden zwischen der Wirtschaftslage und der hohen Arbeitslosigkeit. In der öffentlichen Diskussion, in den Medien wird dies üblicherweise verwischt. Ganz bewusst und ganz gezielt: Wir sollen glauben, dass Firmen gar keine andere Wahl haben, als ihre Mitarbeiterinnen zu entlassen, Einkommen und Leistungen zu kürzen.

Es bleibt festzuhalten: Unserer Wirtschaft geht es blendend im internationalen Vergleich. Hohe Exportzahlen unserer Firmen belegen das nach wie vor überdeutlich. Natürlich gibt es auch wirtschaftliche Einbrüche, firmen- und branchenspezifische Probleme. Wenn wir auch 2010 wieder einmal in einer Wirtschaftskrise stecken, in den letzten dreißig Jahren ging es unserer Wirtschaft blendend. Die internationale Konkurrenzfähigkeit war in diesem Zeitraum hervorragend. Seit Jahrzehnten belegen wir bis heute einen Spitzenplatz in der Welt-Export-Rangliste, über viele Jahre als Export-Weltmeister. Selbst gegenüber den viel größeren Wirtschaftsgiganten USA, China und Japan.

Unübersehbar ist die Tatsache, dass Unternehmen in den letzten Jahren gigantische Gewinnzuwächse zu verzeichnen hatten. Verstärkt durch Unternehmens-Steuersenkungen und vielfach geduldete illegale Steuerhinterziehung. Das weltweite Finanzvermögen ist seit 1980 um das über 15fache, auf gigantische 150.800 000 000 000 (150,8 Billionen bzw. 150 800 Milliarden) Euro gewachsen. Statt die Arbeitnehmer an den gemeinsam erwirtschafteten Rationalisierungsgewinnen zu beteiligen, wurde das Finanzvermögen in die aus dem Ruder laufenden Finanzmärkte
gespeist. Und das in einer Zeit weltweit wachsender Massenarbeitslosigkeit. In der uns wg. „schlechter Wirtschaftslage aufgrund der Globalisierung" Sozialleistungen und Löhne gekürzt wurden. Der Anteil der Lohnsteuer am Gesamtsteueraufkommen von 1960 bis heute ist fast verdreifacht, während der Anteil der Steuern auf Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen - 1960 noch doppelt so hoch wie der Lohnsteueranteil - um mehr als die Hälfte gesunken ist.

Existenzgefährdungen oder Massenentlassungen durch strukturelle Veränderungen sind am ehesten vermeidbar. Strukturelle Veränderungen brechen nicht über Nacht herein. Sie sind frühzeitig abzusehen und erlauben es Unternehmern und Politikern, denen es Ernst ist mit ihrer sozialen Verantwortung, rechtzeitig sozialverträgliche Anpassungsprozesse einzuleiten.

Absatzmärkte bedingen Kaufkraft oder schlichter: Wer verkaufen will braucht Käufer.
Teilhabe an den Unternehmensgewinnen ermöglichte die Kaufkraft, die einen Binnenmarkt schafft, der ebenfalls Voraussetzung einer konkurrenzfähigen Industrie und Wirtschaft ist. Hier können Produkte entwickelt und gefertigt werden, hohe Anwendungsreife erlangen und die überzeugendsten Verkaufsreferenzen für den internationalen Markt geboten bekommen. Doch unser Binnenmarkt schwächelt seit den Jahren der Massenarbeitslosigkeit: Wer wenig hat, kann kein Auto kaufen. Und auch wer um seinen Arbeitsplatz bangen muss fährt sein Auto lieber solange wie möglich, bevor Schulden für ein neues gemacht werden. So einfach ist das; einseitige Einschnitte haben Folgen und vermeintliche Vorteile ziehen erhebliche Verschlechterungen nach sich.
Auf dem heimischen Markt sind die Lohn- und Sozialkosten für alle gleich und hier erst recht kein Konkurrenznachteil. Doch trotz billiger Importware schwächeln selbst große Handelsketten. Hier zeigt sich ebenfalls, dass nicht unser „zu hohes“ Gehalts- und Sozialkosten-Niveau Grund für die Binnen-Marktschwäche sein kann. Es ist auch nicht die „Kaufunlust“. Es ist schlicht und einfach die volkswirtschaftliche Folge von immer hemmungsloser werdender Profitmaximierung: Wer arbeitslos ist oder Angst um seinen Arbeitsplatz hat, wem der Lohn gekürzt wird und wer vom Staat immer mehr Kosten aufgebürdet bekommt, der kann nicht so viel ausgeben. Wenn Betriebswirtschaftler so kurzsichtig denken und handeln…  Politiker unserer Regierung, wie aller Parteien, die viel Geld erhalten um unabhängig und verantwortungsvoll auf volkswirtschaftliche Erfordernisse zu reagieren sind hier zu allererst gefordert.
Ist die heutige Entwicklung zwangsläufig und auch für die Zukunft unvermeidbar?
Um es vorweg zu nehmen: Ganz sicher nicht! Wie nachfolgend ausführlich begründet.

 

1.2  Arbeitslosen-Statistik und tatsächliche Arbeitslosigkeit  

Neulich erzählte eine Bekannte, die sich wegen drohender Entlassungen ihrer schwächelnden Firma vorsorglich bei einem anderen Betrieb bewarb, dass sie gar keine Antwort auf ihr Bewerbungsschreiben erhielt. Nach einer Weile erkundigte sie sich telefonisch nach den Gründen und erhielt von der Personalstelle die Antwort: "Wir haben auf unser Stellenangebot 850 Bewerbungsschreiben erhalten und sehen uns außerstande alle zu beantworten".

 Im Februar 2010 kommen nach offizieller Darstellung (3,6 Mio Arbeitslose, 267000 offene Stellen):
auf jede offene Stelle im Durchschnitt rund 13 arbeitslos Gemeldete.  

4,8 Millionen Arbeitslose im Februar 2010     
Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen, werden bereits seit längerem nicht als arbeitslos gezählt. Fast alle Arbeitslosen, die älter als 58 sind, erscheinen nicht in der offiziellen Statistik. Im Mai 2009 kam eine weitere Ausnahme hinzu: Wenn private Arbeitsvermittler tätig werden, zählt der von ihnen betreute Arbeitslose nicht mehr als arbeitslos, obwohl er keine Arbeit hat. Hier ist die tatsächliche Zahl, die allein auf amtlichen Daten beruht:
4.852.730 tatsächliche Arbeitslosigkeit im Februar 2010
3.643.381 offizielle Arbeitslosigkeit (davon 2,275 Mio arbeitslos gemeldete Hartz-IV-Bezieher)
1.209.349 nicht gezählte Arbeitslose    
Zur Quelle und zu den Zahlen des aktuellen Jahres      

Arbeitslosenzahlen 2011 - Schein und Wirklichkeit   11. November 2011
In der letzten Woche meldete die Bundesagentur für Arbeit (BA) erneut einen Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Mit der sozialen Realität haben diese Zahlen allerdings wenig zu tun.
Ein genauerer Blick in die Statistiken der BA belegt zudem, dass weit über eine Million Arbeitslose in der offiziellen Arbeitslosenzahl nicht enthalten sind.
Darüber hinaus sind jene hinzu zu rechnen, die aufgrund einer „kurzzeitigen Leistungsunterbrechung“ aus der Statistik verschwinden. Aktuelle Zahlen liegen nur für den Monat Juni vor. In diesem Monat wurden 317.000 Arbeitslosen Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung (ALG I) oder der Grundsicherung (ALG II) vorenthalten. Die Betroffenen sind Opfer der vielfach dokumentierten Schikanen der Arbeitsagenturen und Jobcenter. Meist werden sie wegen Nichteinhaltung eines Meldetermins, dem fehlenden Nachweis von Bewerbungsschreiben oder anderen Geringfügigkeiten sanktioniert.
Die Zahl der Sanktionen ist 2010 gegenüber 2009 bundesweit um 14 Prozent gestiegen. Im laufenden Jahr erwartet die BA fast eine Million Sanktionen. Sie treffen junge Arbeitslose unter 25 Jahre besonders häufig und rigoros. Ihnen kann der gesamte Lebensunterhalt und teilweise sogar die Mietzahlung gestrichen werden. Jeder zehnte junge Arbeitslose hat mindestens eine Sanktion erhalten. In der Statistik wirken sich die Schikanen positiv aus: Je mehr Sanktionen, desto weniger offizielle Arbeitslose.   
zur Quelle
 

Video  “Die sinkenden Arbeitslosenzahlen sind umstritten
ARD Tagesthemen 1.7.08, 22:25 Uhr,
 

Jobs, von denen niemand leben kann
Abgesehen von den Abweichungen der Arbeitslosen-Statistik zur tatsächlichen Arbeitslosigkeit, siehe oben, ist es "wenig realitätsbezogen" die Arbeitsmarktsituation auf den Extremfall Arbeitslosigkeit - also den völligen Verlust der Erwerbsarbeit - einzuschränken. Auch geringfügig Erwerbstätige bis zu Vollzeit-Erwerbstätige im Niedriglohnbereich suchen Arbeit. Eine Erwerbstätigkeit mit der ihre und die Existenz ihrer Familien gesichert ist. Dieser Arbeitsbedarf wird in der öffentlichen Darstellung der Arbeitslosigkeit völlig ignoriert.

Wachsende Zahl von Hartz-IV-Empfängern entgegen rückläufiger Arbeitslosenstatistik
Ein-Euro-Jobber mit mehr als 15 Wochenstunden, Kranke oder Ausbildungsplatzsuchende etwa fänden sich nicht in der Arbeitslosenstatistik wieder, obwohl deren Lage oft nicht besser sei. Gleiches gelte für Erwerbstätige im Niedriglohnbereich, die zusätzlich auf "Hartz IV" angewiesen seien, wird auch vom Landkreistag beanstandet.

Leiharbeit breitet sich in Deutschland erneut in rasendem Tempo aus  
28.7.2010. Der "Jubel" von Bundeswirtschaftsminister Brüderle (FDP) über statistisch sinkende Arbeitslosenzahlen ignoriert, dass diese wesentlich auf Leiharbeit beruhen und damit die Niedriglohnspirale weiter forciert wird. Unternehmen haben keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen, sondern sich der billigeren und flexibel einsetzbaren Leiharbeit bedient. Die Löhne liegen bis zu 50 Prozent unter dem, was Festangestellte für die gleiche Arbeit bekommen.
Leiharbeit - die Wirtschaft spricht von Zeitarbeit oder personal-leasing - nähert sich nach dem scharfen Einbruch in 2009 den alten Rekordwerten. Für mehr als jede dritte neue Stelle suchten die Unternehmen im Juni 2010 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) einen Zeitarbeiter. Nach dem aktuellen Stand waren im April 2010  bereits wieder 765 000 Menschen in der Branche tätig, fast 200 000 mehr als 2009, als in der Wirtschaftskrise viele Leiharbeiter entlassen wurden. Dies geht aus einer
Antwort der Bundesregierung
auf eine Anfrage der Linkspartei hervor. Leiharbeit vermehrt sich rasant und verdrängt mehr und mehr Stammbeschäftigung, so ist sie  von 178.000 (1996) auf 794.000 Stellen in 2008 (wikipedia) gestiegen. Besondere Brisanz entsteht mit Beginn der vollständigen Arbeitnehmerfreizügigkeit ab Mai 2011 für die Beitrittsländer aus Osteuropa, wenn das Lohn-Dumping hier zusätzlich verschärft  wird. Leiharbeit "als betriebliche Lohndumpingstrategie muss dringend ein Ende" gesetzt werden durch z. B. eine gesetzliche Regelung, die gleichen Lohn für gleiche Arbeit vom ersten Tag an sicherstellt.

Arm trotz Arbeit - Prekäre Beschäftigung in D
Immer mehr Beschäftigten reicht ihr Arbeitseinkommen nicht zum Leben. Lohndumping wird staatlich gestützt und gefördert. Die Politik hat mit der umfassenden Deregulierung der Leiharbeit und veränderten Rahmenbedingungen bei den Minijobs, die deren Ausweitung begünstigt haben, im Jahre 2003 sogar weitere Schleusen geöffnet, die das Lohnniveau weiter unter Druck gesetzt haben. Wenn es nicht zum Leben reicht, wird Hartz IV beantragt. Das ist staatlich sanktionierte Tarifflucht, die zur Absenkung des gesamten Lohnniveaus führt.
Wachsender Leistungsdruck und überzogene Qualifikationsanforderungen (Abitur oder mittlere Reife für kaufmännische Gehilfen- oder Facharbeiter- Ausbildung, Küchenhilfe mit "Führerschein und selbstständiger und eigenverantwortlicher Arbeitsweise", etc.) führen verstärkt dazu, dass für "Geringqualifizierte" immer weniger Arbeit verfügbar ist. Diese Arbeits- und Lehrstellen werden mit eigentlich Überqualifizierten besetzt.

10,5 Millionen - 32,4 Prozent der Erwerbstätigen - arbeiteten 2008 in atypischen (Leiharbeit, Teilzeit, geringfügige sowie befristete) Beschäftigungsformen.
Quelle Bundestag
„Atypisch Beschäftigte verdienen durchschnittlich weniger pro Stunde als
Normalbeschäftigte und bekommen deutlich häufiger einen Niedriglohn“, so das Statistische Bundesamt.
6,55 Millionen Arbeitnehmer (2008) müssen von Niedriglohn (unter 9,50 Euro pro Stunde, 6,87 Euro im Osten, nach OECD) leben. Ihre Zahl ist seit 1998 um rund 2,3 Millionen gestiegen.
80% dieser Niedriglöhner haben eine qualifizierte Ausbildung.
Im Durchschnitt verdienten die Niedriglohnbeschäftigten 2008  7,09 € (West) und 5,18 € (Ost) brutto pro Stunde, damit weniger als in den beiden Vorjahren.
3,6% der Beschäftigten (1,15 Mio) verdienten im Jahr 2008 weniger als 5 € und gut 2,1 Mio (6,7%) weniger als 6 €.

Aus Sicht des IAQ spricht vieles dafür, in Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn einzuführen, um eine verbindliche Lohnuntergrenze zu verankern, die für alle Branchen und alle Beschäftigungsformen gilt.
Dies könnte zahlreiche positive Effekte entfalten:
Die Kaufkraft der unteren Einkommensschichten würde gestärkt, Lohndumping-Konkurrenz würde unterbunden und die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede könnten verringert werden, wie das Beispiel Großbritanniens zeigt.
Und auch der Staat könnte in mehrfacher Hinsicht profitieren:
Eine Anhebung der unteren Löhne würde nicht nur die Einnahmen bei Steuern und Sozialabgaben erhöhen, sondern auch dazu beitragen, die enormen Kosten für aufstockende Leistungen (also Arbeitslosengeld II, das ergänzend zu eigenem Erwerbseinkommen bezahlt wird) deutlich zu reduzieren. Nach Angaben der Bundesregierung kostet dies derzeit knapp 11 Milliarden € pro Jahr (Deutscher Bundestag 2010).     
Quelle: IAQ-Uni Duisburg

8,6 Millionen Menschen wollen mehr Arbeit!
Ergebnis einer Arbeitskräfteerhebung in 2009 vom  Statistischen Bundesamt:
*4,2 Mio Unterbeschäftigte, 3,2 Mio Erwerbslose und 1,2 Mio Personen in Stiller Reserve.
Allerdings ist das Ergebnis aufgrund der Erhebungsbasis (Alter 15 bis 74 Jahre, Erwerbspersonen auch Beamte und alle Selbstständigen) nicht mit dem realen Arbeitsmarkt direkt vergleichbar.
*Im Jahr
2008 sogar 5,2 Mio: 4,6 Mio Unterbeschäftigte + 0,6 Mio unfreiwillig Teilzeitbeschäftigte.

Definitionen destatis: Erwerbstätige • Erwerbslose • Unterbeschäftigte • Stille Reserve      atypisch Beschäftigte

Glossar "Arbeitsmarkt" der
Bundesagentur für Arbeit        Glossar "Beschäftigung" der Bundesagentur für Arbeit  

 

Es fehlen derzeit 8 Millionen Vollerwerbsstellen in D.    
Rund 8 Mio Menschen suchen in D. Arbeit, gegenüber offiziell genannten 3,6 Mio Arbeitslosen:  
3.6 Mio offiziell registrierte Arbeitslose  (davon >2,3 Mio arbeitslos gemeldete Hartz-IV-Bezieher<)
1.2 Mio nicht gezählte offizielle Arbeitslose, siehe oben. (davon 0,6...0,8 Mio erwersfähige H-IV-Bez.
1.9 bis 2.1 Mio unterbeschäftigte Arbeitsuchende (
5 Mio -2,3 -0,6..0,8 erwerbsfähige H-IV-Bez.)   
1.2 Mio Erwerbsfähige (s.o.) der "
Stillen Reserve".

Das heisst in Wirklichkeit steht den 267.000* offenen Stellen
ein Bedarf von 8 Millionen sozialversicherungspflichtigen Vollerwerbsstellen gegenüber.

Im Februar 2010 kommen im wirklichen Leben
auf jede einzelne offene Stelle im Durchschnitt über 30 Arbeitsuchende.

Da nutzt es wenig die "Ärmel hochzukrempeln" (Kohl) oder sich von "spätrömischer Dekadenz" (Westerwelle) zu entwöhnen wenn gar nicht genügend Erwerbsstellen vorhanden sind.

 *Da die 267.000 offenen Stellen nicht nur Vollzeitbeschäftigung beinhalten, ist ihre reale Zahl noch kleiner, wenn sie in realistischen "Vollbeschäftigteneinheiten" bzw. "Vollzeitäquivalenten" angegeben würden.
 

 Seit Mitte der 1970er, haben wir zu wenig Arbeitsplätze in Deutschland für die Millionen Arbeitsuchenden!  Die hohe und andauernde Massenarbeitslosigkeit ist die Wurzel allen Übels.
Nur mit diesem Hintergrund sind Belegschaften erpressbar, Löhne kürzbar, Arbeitszeitverlängerungen erzwingbar, der Abbau von Schutzregelungen und Sozialleistungen möglich. Konnte in über dreißig langen Jahren wirklich keine nachhaltige Lösung gefunden und realisiert werden? Kaum zu glauben! Die wesentlichen Ursachen der Massenarbeitslosigkeit werden in der öffentlichen Diskussion offensichtlich ausgeblendet. Kein Thema für Politiker? Selbst in den vielen TV-Shows,  Dokumentationen und TV-Diskussionsrunden scheinen sie nicht wirklich ein Thema zu sein. Die Kenntnis der wesentlichen Ursachen der Massenarbeitslosigkeit ist aber Voraussetzung, um zu wirksamen und nachhaltigen Lösungen zu gelangen.

 
Trotzdem verfolgen die Bundesregierungen von Kohl bis Merkel mit Unterstützung führender Wirtschaftsvertreter seit Jahrzehnten unbeirrbar ihre Lösung: Arbeitslosigkeit muss durch die Senkung der Arbeitslosenunterstützung und durch Senkung von Lohn und Lohnnebenkosten bekämpft werden.

Dadurch sollen auch im Frühjahr 2010  
8 Mio Arbeitsuchende einen Anreiz bekommen, die 267.000 offenen Stellen zu besetzen
und Unternehmen einen Anreiz bekommen mehr einzustellen.

 

1.3  Zur Situation von Hartz IV Empfängern

Im Februar 2010 gab es 6,8 Millionen
Hartz IV Empfänger, davon 1,8 Millionen nicht erwerbsfähige, das sind fast ausschliesslich Kinder bis 16 Jahre. Von den 5,0 Millionen erwerbsfähigen sind 2,3 Millionen arbeitslos. Doch die restlichen erwerbsfähigen Hartz IV Empfänger sind neben Kranken oder Ausbildungsplatzsuchenden im wesentlichen Ein-Euro-Jobber mit mehr als 15 Wochenstunden und Erwerbstätige im Niedriglohnbereich deren Lage oft nicht besser als die der Arbeitslosen ist. Weil Hartz IV Empfänger nach einem Jahr noch immer keine Erwerbstätigkeit gefunden haben, glauben viele Menschen Hartz IV Empfänger sind überwiegend faul und wollen nicht arbeiten. Dieses Misstrauen wird von Scharfmachern der Politik, wie Koch und Westerwelle, ständig geschürt. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Einige aufklärende Fakten und Berichte:

Hartz IV  Vom Leben in Armut  
Alois Muth: "Bevor jemand Leistungen aus Hartz IV bezieht, muss er erst mal seine gesamten Vermögensverhältnisse offenlegen und alles bis zum Erreichen des Schonvermögens verbrauchen. So gehen Ersparnisse, manche Lebensversicherung, die Eigentumswohnung und das Auto zum Verwerten weg. Wer Hartz IV bezieht, muss sich unter Umständen erst viele Jahre selbst finanzieren, bevor er Anspruch auf Arbeitslosengeld II hat. Er muss einbringen, was er fürs Alter zurückgelegt hat. Das ist hart und auch ungerecht".         
Zum vollständigen Interview der Heilbronner Stimme vom 20.Nov.2010: Titel anklicken.

FDP-Chef will Hartz-IV-Empfänger für Schneeräumen einsetzen.  
So lägen doch beispielsweise in Berlin die Gehwege seit Wochen unter Eis und Schnee begraben. "Da könnte die Stadt doch junge Sozialempfänger zum Räumen der Bürgersteige einsetzen. Wer sich dem verweigere, dem müssten die Hartz-IV-Leistungen gekürzt werden". Dumm nur, dass die Arbeitsagenturen in der Hauptstadt genau dies schon geprüft haben – mit negativem Ergebnis. Zwar können Hartz-IV-Empfänger als Ein-Euro-Jobber seit 2005 prinzipiell für gemeinschaftsdienende Tätigkeiten herangezogen werden. Aber nur dann, wenn damit keine normalen Stellen gefährdet werden und Unternehmen dadurch keine Dumping-Konkurrenz erwächst. Beides wäre in Berlin jedoch der Fall.  

Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger - Wer wird wie bestraft?
Hier die wichtigsten Zahlen und Fakten zu Hartz IV und der Sanktionspraxis! Eine sehr informative Übersicht von ntv über Strafen, die von Scharfmachern in Politik und Wirtschaft ständig gefordert werden, obwohl sie schon längst bestehen.

Informationen des BMAS zu Sanktionsrecht und Leistungsrecht im SGB II (Hartz IV)

Nicht genügend Arbeitsplätze im gemeinnützigen Bereich   
Gemeinnützige Jobs dürfen nämlich keine regulären Arbeitsplätze verdrängen - eine schwierige Gratwanderung. Gerade die, oft der FDP nahe stehenden, Verbände aus Industrie und Handwerk warnen davor, gemeinnützige Arbeitsgelegenheiten noch weiter auszudehnen. So auch Erich Horbrügger von der Kreishandwerkerschaft Kassel: „Es darf zu keinem weiteren Ausbau der Ein-Euro-Jobs kommen, weil diese dann möglicherweise weitere Arbeitsplätze vernichten.“
Ein weiteres Problem: Die ARGE finanziert nur eine bestimmte Zahl von Ein-Euro-Jobs. Wenn die besetzt sind, werden keine weiteren Stellen genehmigt, auch wenn es mehr als genug Bewerber gibt, klagt Stefan Sigel-Schönig vom Diakonischen Werk Hofgeismar-Wolfhagen: „Die Menschen wollen gerne arbeiten, sie wollen in der großen Mehrheit auch gerne Arbeitsgelegenheiten bei uns machen. Für alle diese Menschen können wir gar keine Arbeitsgelegenheiten anbieten.“ Und auch Dr. Gerd Landberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund berichtet: „Es gibt nicht genügend Arbeitsplätze im gemeinnützigen Bereich, und die lassen sich auch nicht beliebig vermehren.“     

Kaum neue Jobs in den Kommunen - Beschäftigungsprogramm für Arbeitslose floppt  
Das kommunale Beschäftigungsprogramm für Langzeitarbeitslose hat die Erwartungen nicht erfüllt. Im Westen erwies sich das "Kommunal-Kombi" genannte Programm von 2008 sogar als totaler Flop. Das Bundesarbeitsministerium bestätigte dass nach diesem Modell nur 15.825 Langzeitarbeitslose für drei Jahre eingestellt wurden - und zwar 15.400 im Osten und 425 im Westen, statt der erwarteten Jobs für 100.000 Langzeitarbeitslose. Als Grund für die geringen Teilnehmer-Zahlen wird vermutet, dass die Kommunen nicht genügend Geld für die 50-prozentige Ko-Finanzierung hatten oder sich nicht genügend zusätzliche Aufgaben für Langzeitarbeitslose fanden.
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund setzt sich dafür ein, bezahlte Bürgerarbeit bundesweit einzuführen als Ansatz, um Jobs für ältere und wenig qualifizierte Erwerbslose zu schaffen. In Regionen mit extrem hoher Arbeitslosigkeit könnten Ein-Euro-Jobs, zurzeit seien dies 360.000, nicht beliebig ausgedehnt werden. Bezahlte Bürgerarbeit sollte sozialversicherungspflichtig sein und in gemeinnützigen Bereichen angeboten werden. Die Finanzierung müsse die Bundesagentur für Arbeit (BA) übernehmen. "Dabei geht es um weit mehr als Gelegenheitsjobs wie Schneeschippen" Ziel müsse sein, die Berufs- und Lebenserfahrung von Langzeitarbeitslosen sinnvoll zu nutzen. "Das kann in Museen, Bibliotheken und Altersheimen sein. Zu tun gibt es in unserer Gesellschaft genug."

Von der Leyens Beschäftigungsprogramm: 34.000 gemeinnützige Bürgerarbeitsplätze
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will 2011 ab Januar 34.000 gemeinnützige Bürgerarbeitsplätze für Langzeitarbeitslose schaffen. Bis zu drei Jahre lang erhalten sie dann 900 Euro Brutto (bei einer 30-Stunden-Woche). Der eigentlichen Beschäftigungsphase des Programms wird ab 15. Juli 2010 eine sechsmonatige "Aktivierungsphase" vorausgehen, in der 160.000 schwer vermittelbare Hartz-IV-Bezieher über gezielte Fördermaßnahmen in den regulären Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Das
Programm (Kosten 1,3 Milliarden Euro) folgt einem Pilotprojekt aus Sachsen-Anhalt, mit dem der dortige Wirtschafts- und Arbeitsminister Reiner Haseloff sehr zufrieden ist: "In den Modellgemeinden konnten wir die Arbeitslosigkeit um mehr als 50 Prozent senken".

Immer mehr Hochschulabsolventen leben von Hartz IV
Im Dezember 2009 seien 11,3 Prozent mehr Akademiker arbeitslos gewesen als im Januar desselben Jahres, berichtete die "Welt" unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. In absoluten Zahlen bedeute dies einen Anstieg um 17.000 auf 167.000 beschäftigungslose Hochschulabsolventen. Gleichzeitig gibt es dem Bericht zufolge immer mehr Hochqualifizierte, die von Hartz IV leben müssen. 2009 stieg ihre Zahl um zehn Prozent, inzwischen gelten 60.000 Akademiker als "arm".     

Studie Hartz-IV-Empfänger suchen nach Arbeit  08.02.2010
Fast alle Hartz-IV-Empfänger bemühen sich einer DIW-Studie zufolge ernsthaft um Arbeit. Von den Langzeitarbeitslosen unter 56 Jahre stünden 90 Prozent für eine Beschäftigung zur Verfügung. "Das Problem ist nicht die Arbeitsmoral". Die Hartz-Reformen haben, anders als von der Politik erhofft, nicht zu einer höheren Arbeitsbereitschaft geführt. Dies liege laut DIW daran, dass die Motivation schon vor der Reform "offenkundig kaum steigerungsfähig" gewesen sei. Dies gelte insbesondere für die neuen Bundesländer, wo noch weniger Erwerbslose auf einen Job verzichteten als im Westen. Demnach sinkt nur bei den Älteren die Bereitschaft zur Arbeitssuche dramatisch, offenbar weil sie keine berufliche Perspektive mehr für sich sehen. Von den 56-Jährigen und Älteren erklärten demnach 42 Prozent, keine Stelle mehr antreten zu wollen.

Existenzsichernde Arbeit für Langzeitarbeitslose 17.03.2010  
Experten gehen davon aus, dass etwa 400 000 Langzeitarbeitslose auch mit den Fördermitteln der Arbeitsmarktpolitik keinen Einstieg in den Ersten Arbeitsmarkt finden können. Die Schaffung existenzsichernder gemeinnütziger Tätigkeiten  könnte sowohl für die betroffenen Arbeitslosen, die Gesellschaft und die Wirtschaft einen wichtigen Beitrag leisten. Das Gesetz sieht hierzu mehrere Möglichkeiten vor:
o Arbeitsgelegenheiten mit Entgelt, Beschäftigungszuschüsse bis zu 75 Prozent des Lohnes über zwei Jahre mit der Möglichkeit der Verlängerung,
o Kommunalkombi mit Lohnkostenzuschüssen von grundsätzlich 500 Euro pro beschäftigten Langzeitarbeitslosen für Kommunen sowie
o Arbeitsgelegenheiten mit Aufwandsentschädigung (sog. Ein-Euro-Jobs).
Die Gewährung der Arbeitsgelegenheiten mit Entgelt, der Beschäftigungszuschüsse sowie des Kommunalkombi sind an die Bedingung gebunden, dass Arbeitsplätze mit tariflichen bzw. ortsüblichen Löhnen sowie Sozialversicherungspflicht  angeboten werden.
Das Gesetz sieht die Ein-Euro-Jobs sozusagen als letzte Möglichkeit -als „Ultima Ratio“- der Eingliederung Langzeitarbeitsloser vor.
Allerdings haben sie in der Praxis oberste Priorität, andere Maßnahmen werden nicht eingesetzt. Die betroffenen Arbeitslosen erhalten ihre Hartz IV Leistungen weiter. Für die von den Job Centern zugewiesene Tätigkeit zahlen ihnen die jeweiligen Träger der Beschäftigungsmaßnahmen zwischen 1 und 1,50 Euro in der Stunde. Die finanzielle Attraktivität für die jeweiligen Träger erhöht sich noch durch eine zusätzliche Pauschale von mehreren hundert Euro für sonstige Aufwendungen.
2009 wurden somit etwa 700 000 Langzeitarbeitslose in gemeinnützige Tätigkeiten lediglich mit einer Aufwandsentschädigung von im Allgemeinen 6 Monaten eingegliedert. Für die betroffenen Menschen hat dies zwar ermöglicht, dass sie für kurze Zeit aus der Arbeitslosigkeit herauskommen konnten, allerdings weitestgehend ohne eine berufliche Perspektive und häufig mit erheblicher beruflicher Herabstufung. Sie sind in der Abhängigkeit von Hartz IV geblieben und waren bis auf wenige Ausnahmen nach dem Auslaufen dieser Ein-Euro-Jobs wieder arbeitslos. Alarmierende Berichte des Bundesrechnungshofes haben deutlich gemacht, dass durch diese Maßnahmen reguläre Beschäftigung in bis zu 80 Prozent der Fälle ersetzt wurde.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert den Ausbau des sozialen Arbeitsmarktes  
Verband fordert den Ausbau öffentlich geförderter, dauerhafter, sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Vorrang habe die Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Da wo der reguläre Arbeitsmarkt verschlossen bleibt, muss der Staat Alternativen schaffen. Ohne einen Ausbau des sozialen Arbeitsmarktes lässt sich Langzeitarbeitslosigkeit nicht nachhaltig bekämpfen."    

Kritik an Hartz IV
Millionen Menschen sind immer noch ohne Arbeit, die Langzeitarbeitslosigkeit zu reduzieren ist bisher nicht erreicht. Auch konnten Langzeitarbeitslose bislang nicht effektiver vermittelt werden. Das Kürzen von Leistungen als "Anreiz zur Eigeninitiative" wurde umgesetzt, das "Fördern" bei weitem nicht. Hartz IV treibt breite Bevölkerungsschichten in  Armut, besonders Kinder und kinderreiche Familien. Arbeitssuchende, die im höheren Alter arbeitslos wurden und deswegen schlechter eine neue Stelle finden, erhalten - trotz jahrzehntelanger Beitragszahlung in die Arbeitslosenversicherung - gleich niedrige Leistungen wie, die nie oder nie längere Zeit gearbeitet haben.  
Mehr in den Quellen: 
Armut und Sozialstaatsentwicklung-butterwegge     Wikipedia-Hartz   Wikipedia-ALGII    Landeszentrale für politische Bildung B-W
 

 

 


Kap 2   Wir erwirtschaften genug für alle - es geht um die Verteilung  

2.1  Teilhabe für alle
Alle Menschen haben am technischen Fortschritt mitgewirkt, alle Menschen haben ein Anrecht bei der Verteilung der Fortschrittsgewinne beteiligt zu sein
(*. Der technische Fortschritt ermöglicht, dass wir alle weniger arbeiten müssen. Der gemeinsam erwirtschaftete Reichtum muss allen zugute kommen.
Es geht nicht um Verteilung zwischen Arm und Reich, Stark und Schwach, Besserverdiener und ALG2-Bezieher. Es geht um die Verteilung der gemeinsam erwirtschafteten Produktivitätsgewinne. Leistung muss sich für alle lohnen. Wir alle bringen unsere Leistungskraft zum Wohle unserer Firmen ein, wir alle haben auch ein Anrecht an den Ergebnissen entsprechend beteiligt zu werden. Technischer Fortschritt, der hochwertige Produkte mit immer weniger Arbeitsaufwand ermöglicht, darf nicht zum einseitigen Unternehmensvorteil missbraucht werden. Gutverdienende Unternehmen zahlen durch Arbeitsplatzabbau immer weniger in die Sozialkassen und entziehen sich ungehindert ihrer sozialstaatlichen Verpflichtung. Zur Teilhabe an den Produktivitätsgewinnen gehört auch die Einbeziehung der lohnextensiven Milliardengewinne der Finanzwirtschaft einschliesslich des wachsenden riesigen Vermögens, das sich zunehmend in Händen weniger Privatpersonen konzentriert.

Was gemeinsam erwirtschaftet wurde muss allen zugute kommen:

Die Wiederherstellung der Steuergerechtigkeit ist Voraussetzung damit unserer Staat volkswirtschaftlich notwendige wirksame Regelungseingriffe durchführen kann und Arbeit finanziert anstatt Arbeitslosigkeit und ihre Folgekosten.
Eine weitere Voraussetzung ist die angemessene Aufteilung der Produktivitätsgewinne für:
 - unternehmerischen Gewinn zum einen
 - Arbeitnehmer-Beteiligung zum andern in Form von
    o angemessener Entlohnung und Verkürzung der Arbeitszeit
    o Ausgleich (Wertschöpfungssteuer) für die mit den Arbeitsplätzen weg fallenenden Sozialbeiträge.
Ganz besonders gilt das für Unternehmen, die aufgrund von Rationalisierungen immer weniger Arbeitnehmer beschäftigen und dadurch immer ungenügender an den Sozialstaatskosten beteiligt sind. Eine Wertschöpfungssteuer entlastet auch alle lohnintensiven Unternehmen und Betriebe wie zum Beispiel das Handwerk. Entsprechende Regelungen belasten Firmen auch nicht anders als Lohnerhöhungen, deren Notwendigkeit allgemein akzeptiert wird. VW hat mit der Einführung der Vier-Tage-Woche, wie einige andere Unternehmen, vorgeführt und bewiesen, dass das möglich ist und die Konkurrenzfähigkeit nicht wirklich geschwächt hat. Diese notwendigen Schritte bewirken erhebliche Verbesserungen der Ertragslage von Wirtschaft und Staat. 

Eine andere wesentliche Voraussetzung sind internationale Regelungen. Soziale und ökologische Mindeststandards als Voraussetzung  für einen freien Welthandel. Der Abbau von Schutzzöllen für einen freien Welthandel ist richtig. Er setzt aber voraus das Produkte, die durch Ausbeutung von Mensch und Natur (Hungerlöhne ohne soziale Mindestabsicherung und Produktion ohne mindeste ökologische Rücksichtnahme) nicht zu konkurrenzlos niedrigen Preisen importiert  werden können. Eine solch ungezügelte Profitmaximierung hat selbst in Niedriglohnländern zu Produktionsverlagerungen in noch ärmere Länder geführt.  Da dies ein Problem aller Beschäftigten auf der ganzen Welt ist und die Volkswirtschaften aller Staaten schädigt, sind entsprechende internationale Schutzmaßnahmen längst überfällig. 


(*
Diese doch eigentlich selbstverständliche Erkenntnis ist keineswegs Gedankengut eines "überholten Sozialstaatsverständnisses" oder  "kommunistischer Ideologie". Um vorzubeugen in entsprechenden Schubladen ad acta gelegt zu werden möchte ich hierzu aus  "Über die menschliche Arbeit" Enzyklika Laborem exercens  von Papst Johannes Paul II aus dem Jahr 1981 zitieren (obwohl ich selbst weder katholisch noch besonders religiös bin). Papst und katholische Kirche sind sicher nicht "kommunistischer Umtriebe" verdächtig.

- Zitatanfang

12. Der Vorrang der Arbeit  
"...ein Prinzip in Erinnerung rufen, das die Kirche immer gelehrt hat: das Prinzip des Vorranges der Arbeit gegenüber dem Kapital. Dieses Prinzip betrifft direkt den Produktionsprozeß, für den die Arbeit immer eine der hauptsächlichen Wirkursachen ist, während das Kapital, das ja in der Gesamtheit der Produktionsmittel besteht, bloß Instrument oder instrumentale Ursache ist. Dieses Prinzip ist eine offensichtliche Wahrheit, die sich aus der ganzen geschichtlichen Erfahrung des Menschen ergibt.
Die folgenden Gedanken zu diesem Problem sollen uns bestärken in der Überzeugung vom Vorrang der menschlichen Arbeit gegenüber dem, was mit der Zeit allmählich als »Kapital« bezeichnet wurde. Wenn nämlich zum Bedeutungsbereich dieses Begriffes außer den uns zur Verfügung stehenden Naturschätzen auch das Gesamt all jener Mittel gehört, durch die der Mensch sie sich zu eigen macht und seinen Erfordernissen entsprechend umwandelt, wobei er sie so in gewissem Sinne »humanisiert«, dann muß man bereits hier feststellen, daß diese Gesamtheit der Mittel das geschichtlich gewachsene Erbe menschlicher Arbeit ist. Alle Produktionsmittel, von den primitivsten bis zu den ultramodernen, sind nach und nach vom Menschen erarbeitet worden, von seiner Erfahrung und seiner Intelligenz. Auf diese Weise entstanden nicht nur die einfacheren Werkzeuge, die zur Bebauung der Erde dienen, sondern - dank des entsprechenden Fortschritts der Wissenschaft und Technik - auch die moderneren und komplizierteren: Maschinen, Fabriken, Laboratorien und Computer. So ist alles, was zur Arbeit dient, alles, was beim heutigen Stand der Technik ihr immer vollkommeneres »Werkzeug« darstellt, eine Frucht der Arbeit.

Dieses gigantische und mächtige Werkzeug - die Gesamtheit der Produktionsmittel, die in gewissem Sinne mit dem »Kapital« gleichgesetzt werden - ist Frucht der menschlichen Arbeit und trägt deren Zeichen. Wenn der Mensch, das Subjekt der Arbeit, beim heutigen Ausmaß technischen Fortschritts, sich dieser Gesamtheit moderner Instrumente, der Produktionsmittel also, bedienen will, muß er sich zuerst die Frucht der Arbeit jener Menschen geistig aneignen, die diese Instrumente erfunden, geplant, konstruiert und vervollkommnet haben und dies noch weiterhin tun. Die Arbeitsfähigkeit, das heißt die Fähigkeit wirksamer Teilnahme am modernen Produktionsprozeß, erfordert eine immer bessere Vorbereitung und vor allem eine entsprechende Ausbildung. Natürlich bleibt bestehen, daß jeder Mensch, der am Produktionsprozeß teilnimmt - auch dann, wenn er nur eine solche Arbeit verrichtet, für die weder eine besondere Ausbildung noch spezielle Voraussetzungen erforderlich sind -, in diesem Prozeß als echtes Subjekt wirksam ist, während sämtliche Instrumente, seien sie als solche auch noch so vollkommen, einzig und allein dem menschlichen Tun untergeordnete Werkzeuge sind."
 - Ende des Zitats
 



2.2  Der Reichtum der Bundesrepublik

Deutschland ist – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – im weltweiten Vergleich ein sehr reiches Land.
Das  Bruttoinlandsprodukt stieg um 16 %, von 1710 Mrd € (1991) auf 1980 Mrd € in 2001.
Das private Geldvermögen stieg um 80 %, von 2000 Mrd € (1991) auf 3600 Mrd € in 2001.
Das private Geldvermögen in Deutschland Ende 2007 beträgt 4560 Milliarden Euro.
Der Zuwachs des privaten Geldvermögens allein in 2007: 150 Milliarden Euro (Bundesbank).        
 

Unübersehbar ist die Tatsache, dass Unternehmen seit vielen Jahren gigantische Gewinnzuwächse zu verzeichnen hatten. Verstärkt durch parteipolitisch motivierte Unternehmens-Steuersenkungen  und vielfach geduldete illegale Steuerhinterziehung. Das weltweite Finanzvermögen ist seit 1980  um das über 15fache,  auf gigantische 150.800 000 000 000 (150,8 Billionen) Euro gewachsen. Statt die Arbeitnehmer an den gemeinsam erwirtschafteten Rationalisierungsgewinnen anteilig zu beteiligen, wurde das Finanzvermögen in die aus dem Ruder laufenden Finanzmärkte gespeist. Und das in einer Zeit weltweit wachsender Massenarbeitslosigkeit. In der uns wg. „schlechter Wirtschaftslage aufgrund der Globalisierung" Sozialleistungen und Löhne gekürzt wurden.
Dem Staat gehen jährlich Milliarden durch Steuerhinterziehung, Subventionsbetrug, Schattenwirtschaft und Vollzugsdefizite verloren. "Deutschland ist eine Steueroase für Großunternehmen", urteilt der Wiesbadener Steuerexperte Lorenz Jarass. "Normalverdiener werden ausgeplündert." Kein vergleichbares Land in der Welt bietet so viele Möglichkeiten einer "legalen" Steuerflucht wie Deutschland. Steuerhinterziehung, ein Betrug an der Allgemeinheit, wird als Kavaliersdelikt heruntergespielt.


Das gesamte Privatvermögen (Brutto) in Deutschland im Jahr 2007 betrug rund 8 Billionen Euro oder 8000 Milliarden Euro, davon Grund und Immobilien 5,3 Billionen Euro.   
Wichtig ist auch ein Blick auf die Vermögensverteilung in Deutschland:
Die reichsten 10 % verfügten über 61,1 % des gesamten Vermögens.
Die reichsten 20 % verfügten über 80,1 % des gesamten Vermögens.
Die reichsten 30 % verfügten über 91,2 % des gesamten Vermögens.
Die unteren   70 % verfügten über 6,0 % des gesamten Vermögens (Differenz u.a. durch Verschuldung).
Quelle: bpb/DIW   

Anmerkungen:
Kritische Anmerkung zum "
Bruttogeldvermögen für Vermögensvergleiche"  
Die Ungleichheit wächst  
Es besteht ein hohes West-Ost-Gefälle der Vermögensverteilung.
Vermögen unterliegt z. B. in USA und Großbritannien einer Vermögensteuer.
In Deutschland wird die Vermögensteuer seit 1997 nicht mehr erhoben


Die Berechnungen der Reichtumsuhr wurden vom DGB Hessen-Thüringen und ver.di Hessen durchgeführt. Erläuterung dazu finden sie hier: Reichtumsuhr_Erlaeuterungen.pdf  

    
Reichtumsuhr



Große Vermögen besteuern jetzt, zur Unterschriften-Aktion:      Vermögensteuer jetzt!

Mehrere Hundert Milliarden Euro entgehen unserem Staat jährlich durch Steuerhinterziehung, Steuerschlupflöcher, Wirtschaftskriminalität und Vollzugsdefizite. Dazu kommt eine Politik, die seit vielen Jahren einseitig Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen steuerlich begünstigt.
Geld ist vorhanden - aber unsozial verteilt       Überlegungen zum Reichtum unseres Landes   

Dem gegenüber steht
  eine
Staatsverschuldung von 1.502 Mrd. €   2007. (1682,7 Mrd. €  März 2010)
  Milliarden hohe
Kosten der Arbeitslosigkeit.
  eine wachsende Verschuldung vieler Kommunen mangels Steueraufkommen.
  erheblicher Personal-Fehlbestand im öffentlichen Dienst (Schulen, Justiz, Sicherheit, Finanzen...)

Seit Jahren fordern Union und FDP Steuerentlastungen für Unternehmen und "Leistungsträger".
Wie aber sieht es aus mit der Steuerbelastung? Wer zahlt wieviel Steuern?   
Das gesamte
Steueraufkommen (Bund, Länder, Gemeinden) in Deutschland 2007 beträgt 538,2 Mrd. €
Eine detaillierte und neuere Aufstellung wie sich das Gesamtsteueraufkommen verteilt (wer zahlt wieviel Steuern), entsprechend der oben dargestellten Vermögensverteilung konnte nicht gefunden werden. Ersatzweise einige Meldungen zum Thema:

Wer Deutschland finanziert
Etwa ein Viertel der deutschen Steuerzahler  erbringen fast 80 Prozent der jährlichen Einkommensteuereinnahmen". So oder ähnlich wurde eine Studie in 2008 des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2004 in den Medien vielfach zitiert.
Beispiel focus  
Diesen Meldungen bedarf es einiger korrigierender Anmerkungen:
Obwohl vielfach unterstellt, sind es bei Monats-Einkünften über 3000 Euro längst nicht nur Spitzenverdiener und Vermögende. Millionäre erbringen lediglich 5% der jährlichen Einkommensteuereinnahmen.
Die Lohn- und Einkommenssteuer beträgt nur einen Teil der gesamten Steuereinnahmen. Einen noch größeren Anteil am Gesamtsteueraufkommen als die Einkommensteuer haben in Summe MWSt (Umsatzsteuer) und Bundessteuer (Energiesteuer,Tabaksteuer,..) Den erbringt als Endverbraucher die große Masse der Gering- und Durchschnittsverdiener, 73% der Steuerpflichtigen. Dabei werden gerade kleinere Einkommen proportional stärker belastet, da fast alles für den Lebensunterhalt weggeht.
Dass 73% der Steuerpflichtigen nur noch 20% der Lohn- und Einkommenssteuereinnahmen erbringen, ist eine direkte Folge der Steuerausfälle durch Arbeitslosigkeit, prekärer Arbeit und gesunkener Einkommen. 

Privater Reichtum und öffentliche Armut - Handlungsoptionen der deutschen Steuerpolitik
Hartnäckig wird von den Unternehmerverbänden und ihrer mächtigen Lobby in Wissenschaft, Medien und Politik von der hohen Steuerlast in Deutschland und von dem dramatischen Einbruch der Gewinne berichtet. Ein Blick auf die Realität, d.h. die Volkswirtschaftlichen Daten, die Steuerstatistik und die Konzernbilanzen zeigt, dass die Gewinne insgesamt auch von 2000 bis 2003 weiter gestiegen sind, die tatsächliche Steuerzahlung aber ...   Zur
Quelle   

OECD-Studie - Steuerlast in Deutschland besonders ungerecht verteilt.   Mai 2009

Auch das Handelsblatt berichtet am 17.10.2007: „Durch hohe Sozialabgaben werden Erwerbseinkommen und damit der Faktor Arbeit besonders stark zur Finanzierung staatlicher Aufgaben herangezogen. Gleichzeitig wird die Last auf mittlere und untere Erwerbseinkommen konzentriert“

Schön reich. Steuern zahlen die anderen
Wer zahlt in Deutschland eigentlich Steuern? Vor allem die Arbeitnehmer. Denen wird jeder Cent sofort vom Lohn abgezogen. Für Millionäre ist Deutschland eine Steueroase. Denn die Finanzämter können schon längst nicht mehr gründlich prüfen. Lasche Gesetze, zu wenig Personal. So haben die Politiker selbst die milliardenschwere Steuerflucht der Reichen organisiert. Die Parteien überschlagen sich mit Vorschlägen für Steuerreformen, was nicht diskutiert wird: Weil sich die Reichen so einfach der Besteuerung entziehen können, entgehen dem Staat jährlich rund 72 Milliarden Euro...
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Reiche wollen mehr Steuern zahlen   5. November 2005
In einem offenen Brief hat sich eine Gruppe von Vermögenden, Schriftstellern und Wirtschaftsexperten für eine Erhöhung der Vermögens- und Erbschaftssteuern ausgesprochen.
„Wenn Sie die Massenkaufkraft stärken wollen, wenn Sie Arbeitsplätze schaffen wollen, dann schaffen Sie das Steuerparadies für wirklich Reiche in Deutschland ab und sorgen Sie für eine gerechte Besteuerung“, heißt es in dem an die CDU-Vorsitzende Angela Merkel und den SPD-Chef Franz Müntefering gerichteten Schreiben. ...„belasten Sie die Vermögenden statt den Arbeitnehmern und Rentner weitere Opfer abzuverlangen“. Deutschland benötige bessere Schulen und eine gute Kinderbetreuung - „aber kein Steuerparadies für Reiche mitten in Europa“.  
Handelsblatt     Aufruf im Wortlaut  


Staatsverschuldung durch Sonder-Vermögensabgabe tilgen

Alexander Dill hat einen Plan, der mit dem Wort kühn eher niedlich umschrieben ist. Der Leiter des alternativen
Basler Instituts für Gemeingüter und Wirtschaftsforschung arbeitet an einer Entschuldung der Bundesrepublik. Er will einen Vorschlag machen, wie sich Deutschland seines 1,7 Billionen-Euro-Problems entledigen kann. Dabei schwebt dem studierten Soziologen und Philosophen eine radikale Soforttilgung vor: Der Staat soll sich mit einem Schlag von all seinen Krediten befreien. Und zwar per
Vermögensabgabe.
Weil das private Nettovermögen der Deutschen nach Dills Berechnungen bei 8,2 Billionen Euro liegt, kämen die 1,7 Billionen Euro durch eine Abgabe in Höhe von gut 20 % zusammen. Diese müsste auf jeglichen Besitz erhoben werden - vom Festgeldkonto über das Aktiendepot bis hin zur Immobilie. Weil den reichsten zehn % der Deutschen gut 60 %  des gesamten Vermögens gehören, würden sie die Hauptlast bei der Schulden-Weg-Aktion tragen.
Die Aussichten sind verlockend: Wären die Staatsschulden tatsächlich von jetzt auf gleich Geschichte, sparten Bund, Länder und Gemeinden mehr als 60 Milliarden Euro pro Jahr an Zinszahlungen. In der Folge könnten die Steuern und Sozialabgaben drastisch sinken. Bis auf Schweizer Niveau, hat Dill ausgerechnet.
Deutschland - eine Schweiz in groß? Dills Vorhaben klingt verwegen. Man hört schon den Aufschrei ("Enteignung!", "Kommunistische Umtriebe!") aus den Nobelvierteln von Blankenese bis Bogenhausen. Was Dills Plan aber erwähnenswert macht, ist sein
Vorbild: Konrad Adenauer.
Der erste Kanzler der Bundesrepublik, eher als Kommunistenfeind denn Sowjetfreund bekannt, führte Anfang der fünfziger Jahre zur Finanzierung des sogenannten Lastenausgleichs unter anderem eine Vermögensabgabe ein. Damit sollten die Menschen entschädigt werden, denen der Krieg die Existenzgrundlage entzogen hatte. Der Staat erhob die Abgabe bis in die siebziger Jahre. Weil es hohe Freibeträge gab, mussten gerade diejenigen zahlen, die trotz des Kriegs noch über große Vermögen verfügten. Es traf vor allem Eigentümer von Immobilien. Ein historisches Vorbild macht allerdings noch keinen realistischen Plan für die Gegenwart. Dabei wäre dieser dringend notwendig. Denn die Schuldenlast des Staates ist enorm. Derzeit muss allein der Bund bei einer Verschuldung von mehr als einer Billion Euro rund 40 Milliarden Euro jährlich an Zinsen zahlen. Macht im Schnitt vier Prozent...   
Quelle Spiegel     

Kritik von E. W. Kreutzer      auf
http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2010/35.html#Anker306664  
Auszug:
Offenbar hat sich bisher niemand der Mühe unterzogen, Herrn Dill zu erklären, dass zur Tilgung von Schulden Geld benötigt wird. Keine Aktien, keine Pfandbriefe, keine Villen, keine Wälder, keine Eigentumswohnungen, keine Kfz-Briefe. Wer tilgen muss, hat's auch mit dem Sparbuch schwer, denn der Gläubiger nimmt nur Bargeld, also Münzen, Banknoten und Sichtguthaben auf Girokonten. Bundesbanker und Bundesstatistiker fassen das gesamte vorhandene Geld dieser Art im sogenannten "Geldmengenaggregat M1" zusammen. Wie viel das gerade ist, wird monatlich einmal festgestellt und ausgewiesen. Diese Feststellung wird aber nicht nur für die Euro-Zone insgesamt getroffen, es wird auch der "deutsche Beitrag" ermittelt.   Wer will kann auf den Seiten der Deutschen Bundesbank monatlich herausfinden, wie viel Bargeld (M1) gerade so im Wirtschaftsraum der Bundesrepublik Deutschland unterwegs ist. Es ist mal mehr, mal weniger. Im Januar 2010 waren es 1,2 Billionen und ein paar Zerquetschte....
Fazit:   
Die von Alexander Dill vorgeschlagene 20 % ige Vermögensabgabe ist mangels Liquidität undurchführbar.
Der Versuch, wenigstens das Machbare (also etwa 15 %) auch zu machen, führt durch vollständigen Liquiditätsentzug direkt in den vollständigen Zusammbruch des Wirtschaftens.
Der Abbau von Staatsschulden erfordert - wenn Handel und Wandel nicht durch Deflation beschädigt werden sollen - den gleichzeitigen Aufbau neuer Schulden der privaten Haushalte und der Unternehmen.     
Eine Lösung des urkapitalistsichen Problems stetig steigender Verschuldung ist weder mit einer (von mir nach wie vor für vollkommen unsinnig gehaltenen) Schuldenbremse im Grundgesetz, noch mit nicht zu Ende gedachten Hau-Ruck-Aktionen á lá Alexander Dill zu schaffen. Dazu bedarf es einer grundlegenden Änderung unserer Geldverfassung.

Email an Egon W Kreutzer vom 18.9.2010
Hallo Herr Kreutzer,
jetzt bin ich aber enttäuscht. Erst vor kurzem bin ich auf den Spiegel-Artikel und Ihre Reaktion, Herr Kreutzer, auf die kühne Absicht "Deutschland durch eine Vermögensabgabe zu entschulden" gestoßen. Eine wunderschöne Idee von Alexander Dill, sprühend von sozialem Charm! Sollte sie nicht Anerkennung und vor allem - konstruktive - Kritik, gerade auch von anerkannten Querdenkern verdienen? Nutzniesser von Steuerschlupflöchern, ausgebremstem Steuervollzug, Spekulationsgewinnen, Steueroasen und und und, zu schonen ist wohl gängige Praxis aber nicht unbedingt sozial oder gar gerecht. Warum nicht auch mal diese Nutzniesser verstärkt, zumindest aber angemessen, sozial einbinden? "Entschuldung auf einen Schlag" ist doch ein attraktiver mediengerechter Aufmacher. Entsprechende Resonanz in unserer Presselandschaft ist vorsichtshalber (fast) ganz unterblieben. Ich vermute mal, auch Sie hat großes Mitleid erfasst mit unseren geplagten Besserverdienern, Millionären und Milliardären, die immer wieder geschockt und gebeutelt werden von solchen und anderen "kommunistischen" Ansinnen wie Steuergerechtigkeit oder Wertschöpfungssteuer oder gar Verteilungsgerechtigkeit (mehr auf zukunft--der--arbeit.de). Es wäre ja auch ganz schlimm für unsere bemitleidenswerten Superreichen, wenn öffentlich diskutiert würde, dass mit einigen kleinen Änderungen wie zum Beispiel Ergänzung der Vermögensabgabe mit entsprechenden Freibeträgen (die Normal- und Geringverdiener außen vor lassen), einer zeitlichen Streckung der Abgabensatz von gut 20 auf wenige Prozent sinkt und damit als höchst praktikables Konzept den letzten Ungläubigen/Medienkampagnen-Verwirrten von der realen Machbarkeit überzeugt...
Freundliche Grüße  Knut Albrecht

Antwort von Herrn Kreutzer per Email vom 18.9.2010
Sehr geehrter Herr Albrecht,
es dauert mich, dass Sie die Kritik an der undurchführbaren Idee des Herrn Dill als Zustimmung zu allen Fehljustierungen unserer Gesellschaft ansehen.
Ich hatte inzwischen Kontakt mit Alexander Dill, der sich weit weniger zynisch-sarkastisch äußerte, ja er stimmt mir sogar zu, dass seine Lösung nichts anderes darstellt, als eine gigantische Umschuldung - auch mit der Folge, dass die volkswirtschaftlich relevante Zinslast dadurch steigen wird, wenn der AAA-Schuldner Staat ausssteigt und sich neue Schuldner mit schlechterem Rating in die Bresche werfen müssen.
Dill sieht in der Entschuldung des Staates einen Wert an sich. Den kann ich nicht erkennen. Das ist der zentrale Punkt dieser Auseinandersetzung. 
Mit besten Grüßen  Egon W. Kreutzer

 

 

 




Kap 3  Maßnahmen zur Überwindung der Erwerbskrise - Notwendige Regelungseingriffe

Nachstehende sozialverträgliche und zukunftsweisende Lösungsansätze bieten Antworten zu:
o Lebensstandard sichernde Arbeitseinkommen in unserem Land und global.
o Existenzsicherung bei abnehmender Erwerbstätigkeit und zunehmender Ruhestandszeit.
Direkt damit zusammenhängende Veränderungspotenziale der Lebensgestaltung erfordern langfristig neue gesellschaftliche Förderstrukturen auf die im >
Kapitel 6 Ausblick< eingegangen wird:
o Lebensgestaltung bei zunehmender freier Zeit und abnehmender Erwerbstätigkeitszeit.


Dringend nötig ist eine entsprechende Weltwirtschaftsordnung. Immer engere internationale wirtschaftliche Verflechtungen machen weltweit gültige Regularien dringend, um Ausbeutung zu stoppen, unvertretbare Ungleichgewichte zu überwinden.


                   Wie lange es bis zum globalen "Ende der Arbeit" dauern kann, sei dahingestellt.
Wir leben in der Zeit des Umbruches, der ständigen Abnahme der Erwerbstätigkeit. Die Zukunft der Arbeit hat bereits begonnen. Für diese (Übergangs-) Phase brauchen wir zuallererst wirksame und nachhaltige Lösungen. Sie bereiten den sozialverträglichen Weg in eine Zukunft, in der Erwerbstätigkeit als Lebensgrundlage ihre heutige Bedeutung verloren hat.


Volkswirtschaftlich notwendige Weichenstellungen erfordern einen verstärkten Eingriff unseres Staates auf allen Handlungsebenen
Die bisherigen Rezepte und Maßnahmen unserer Regierung , insbesondere Regierungsprogramme von CDU/CSU und der FDP "zur Förderung der Wirtschaft", haben in den langen dreissig Jahren keine nachhaltige Überwindung der Massenarbeitslosigkeit erbracht. Sie sind mehr oder weniger kläglich gescheitert, das ist die traurige Realität. Unternehmer wollen Gewinne machen, darauf ist ihr Denken und Handeln begrenzt. Deshalb greifen betriebsswirtschaftliche Maßnahmen zu kurz. Auch die "Selbstregelungskräfte des Marktes" sind hier überfordert.
Durch die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen können Arbeitslosigkeit und Folgekosten entscheidend gesenkt werden. Doch auch die Ergänzung von staatlicher Erwerbstätigkeit, wie nachstehend erläutert, ändert nicht, dass durch die technische Entwicklung auch künftig immer mehr Arbeitsplätze wegfallen. Es geht um Entschärfung der Existenzbedrohung und um die sozialverträgliche Anpassung an ein Leben mit immer weniger Erwerbsarbeit. Eine offene, ehrliche öffentliche Diskussion ist auch Voraussetzung für effektive und nachhaltige Regelungseingriffe, die einen sanften Übergangsprozess realisieren.



3.1  Steuer- und Finanzpolitik: Handlungsfähigkeit des Staates wieder herstellen.

Unser Staat braucht hinreichende Finanzmittel, um seine Aufgaben erfüllen zu können.

Die Finanzkrise der öffentlichen Haushalte ist – ganz im Gegensatz zur herrschenden Meinung - nicht allein durch gestiegene Ausgaben, sondern wesentlich durch zu geringe Einnahmen verursacht.  Mehr unter Kap. 4.8

Nicht der Sozialstaat ist zu teuer, sondern die Arbeitslosigkeit und ihre Folgekosten. Rund 240 Mrd Euro entgehende Steuereinnahmen wg. fehlender oder ungenügende Besteuerung, Steuerflucht, Steuerbetrug, Wirtschaftskriminalität sowie Schwarzarbeit wurde von Becker für 2005 beziffert. Dazu addieren sich 86 Mrd Euro Kosten der Arbeitslosigkeit  (Basis 2004).
Die Massenarbeitslosigkeit muss endlich wirksam minimiert werden. Statt Arbeitslosigkeit muss Arbeit finanziert werden. Ein hoher Beschäftigungsgrad mit existenzsichernden Einkommen entlastet den Staatshaushalt durch entfallende soziale Folgekosten und zunehmende Steuereinnahmen und Sozialbeiträge.


3.1.1
 Angemessene Besteuerung von Unternehmensgewinnen und Vermögen


Besonderer Beachtung gebührt an dieser Stelle auch dem
Vorschlag des Alexander Dill:
Deutschlands Billionen hohe Staatsverschuldung mit einer Vermögensabgabe zu tilgen
Wurde bereits unter Adenauer praktiziert durch eine 50 prozentige Abgabe auf Vermögen, in 120 Raten gestreckt über 30 Jahre vom 1. April 1949 bis zum 31.März 1979.
Natürlich sind zuvor die Voraussetzungen -siehe nachfolgend - zu erfüllen, um nicht anschließend eine erneute Staatsverschuldung dieses völlig inakzeptablen Ausmaßes zu verursachen.


3.1.1.1
 Steuerreform - Steuergerechtigkeit herstellen

Eine umfassende Steuerreform, seit Jahren überfällig, muss endlich wieder Steuergerechtigkeit herstellen und ausreichende Staatseinnahmen sicherstellen. Jahr für Jahr wird mehr Steuergerechtigkeit von Steuerexperten wie vom Bundesrechnungshof angemahnt.

Prof. Dr. Jarass in der Börsen-Zeitung - Zeitung für die Finanzmärkte vom 05.05.2010:
Die tatsächlich bezahlte Steuerbelastung auf Unternehmens- und Vermögenseinkommen, u.a. durch Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer sowie durch Grund- und Erbschaftsteuer, betrug 2009 mit rund 20% nur knapp die Hälfte der Belastung von Lohneinkommen, die fast 50% betrug.
Eine Besteuerung von international tätigen Konzernen ist in den einzelnen Nationalstaaten möglich, wenn deren gesamte im Inland erwirtschaftete Wertschöpfung an der Quelle einem generellen Steuerabzug unterliegt, unabhängig vom Sitz des Betriebseigentümers.
Auf das Nettovermögen sollte eine Vermögensteuer von 1% entrichtet werden; dadurch wären je nach Ausgestaltung jährlich 10 Mrd. bis 40 Mrd. Euro zu erzielen.
Durch eine generelle Erbschaftssteuer von 15% wären jährlich über 20 Mrd. Euro Steuermehreinnahmen zu erzielen.            - Berichtsende

Zur Stabilisierung der bisher rein lohnbeitragsfinanzierten Sozialversicherung ist eine steuerfinanzierte  Wertschöpfungsabgabe ergänzend zu erheben.
In Bearbeitung.


3.1.1.2
 Vollzugsdefizite beseitigen.

Der Fiskus prüfe im Schnitt jährlich nur 15 Prozent der Einkunftsmillionäre, kritisiert der Bundesrechnungshof bereits 2006 und
2008. Dabei gebe es gravierende Unterschiede zwischen den Bundesländern. Eine konsequentere Prüfung sei „allemal lohnend“, denn jede Sonderprüfung habe Mehreinnahmen von durchschnittlich 135 000 Euro ergeben.
OECD fordert besseren Steuervollzug von Deutschland
Der Steuerexperte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung  (OECD), Jeffrey Owens, hat die Bundesregierung aufgefordert, die Steuerprüfung in Deutschland zu verschärfen und Banken strenger zu kontrollieren. Investitionen in die Steuerverwaltung seien Investitionen mit hohen Renditen. Den Banken sei es derzeit möglich, durch zahlreiche Umgehungsmöglichkeiten ihre Steuerlast zu reduzieren, so
Owens gegenüber der "Berliner Zeitung". Der Staat verliere so jedes Jahr mehrere Milliarden Euro an Einnahmen. "Effektiv zahlen die Banken weniger Steuern als andere Branchen". Indirekt forderte Owens die Bundesregierung auf, die Finanzverwaltung für große internationale Konzerne zu zentralisieren.
Der Bundesrechnungshof rügt in einem vertraulichen Prüfbericht für das Bundesfinanzministerium  
schwere Versäumnisse bei der Verbrechensbekämpfung. In Deutschland müssten Kriminelle, die von der Justiz erwischt werden, die nachträglich fälligen Abgaben auf illegale Geschäfte in Milliardenhöhe nur selten zahlen….
Aufgabe der Steuerfahndungsstellen der Finanzämter ist beispielsweise der Schwarzarbeit, der Geldwäsche oder dem verborgenen Internethandel auch außerhalb der Strafverfolgung nachzugehen. Nicht wenige Fahndungsstellen üben kaum oder keine Steueraufsicht aus. Eine behörden- und ressortübergreifende Zusammenarbeit findet nur selten statt bemängelt der
Bundesrechnungshof.
In Deutschland fehlten mindestens 6.000 Steuerprüfer/innen und über 300 Steuerfahnder/innen. Am schlechtesten ausgestattet seien die reichen Bundesländer im Süden.
Arbeitnehmern werden Monat für Monat ihre Steuern abgezogen. Bei den Unternehmen ist das anders: Unternehmen werden nur selten geprüft. Große im Durchschnitt alle fünf Jahre, mittlere sogar nur alle zwölf Jahre. Regelmäßig versuchen sie, Steuern in Milliardenhöhe „zu sparen“. 13 Milliarden Euro sammelten die 11.000 Betriebsprüfer 2002 insgesamt an zusätzlichen Einnahmen ein. Das sind 1,2 Millionen Euro Mehrsteuern je Prüfer.
Immer wieder wird bekannt, dass hohe zu versteuernde Einkommen verschont werden:   
Strafanzeige gegen Mappus und Goll - Baden-Württemberg soll keine Steueroase sein   
Steuerfahnder-Affäre Hessen -Liechtenstein-Fälle -FR-Recherchen  
Mit einer skandalösen Anweisung schützen hessische Behörden wohlhabende Steuerhinterzieher.
Steuerhinterziehung-Verfassungsrichterin K.Wolski - Hausfrauenregel - Urteil und Rücktritt  
Hessens Finanzminister Weimar: Abgang nach Steuervollzugs-Affären
Weimar stolperte von Affäre zu Affäre. Der Bundesrechnungshof bescheinigte Weimar 2006 das Versagen bei der Steuergerechtigkeit am Beispiel des Finanzamtes Bensheim, das für 100 Einkommensmillionäre zuständig ist, jahrelang aber keinen einzigen davon prüfte: "Die Prüfung unterblieb selbst in den Fällen, in denen die Notwendigkeit eindeutig erkennbar war", dies habe zu "erheblichen Steuerausfällen" geführt.
Maßnahmen zugunsten eines effektiven Steuervollzugs:
Länderspezif. Regelungen vermeiden durch Bundessteuerverwaltung -Kienbaum-Gutachten.
Einheitliche Verwaltungsgrundsätze und Vollzugsziele für Bund und Länder.
Zusammenarbeit und Informationsaustausch der Länder verbessern.
Weisungsrechte (§21a FVG) des BM Finanzen gegenüber Ländern konsequent anwenden.
Vor dem Länderfinanzausgleich Steuervollzugskosten abziehen (Motivierung der Länder).
Personelle Verstärkung von Betriebs- und Umsatzsteuerprüfung, Steuerfahndung.
Unternehmen und Steuerpflichtige mit hohen Einkünften oder Vermögen stärker kontrollieren
siehe auch           
Skandal-Steuervollzug          Zwei-Klassenrecht beim Steuervollzug


3.1.1.3
 Steuerhinterziehung bekämpfen
   
Der
Bundesfinanzminister im Mai 2009: "Der deutsche Staat wird durch Steuerhinterziehung jährlich um schätzungsweise 100 Milliarden Euro betrogen. Steuerbetrug und Steuerhinterziehung seien kriminell und müssten wirksam bekämpft werden." Die Steuerhinterziehungs-Bekämpfung ist zwar eine Angelegenheit von Bund und Ländern, doch für den Vollzug sind die Länder allein verantwortlich. Als in Nordrhein-Westfalen ein Zentralfinanzamt zur Steuerbetrugsbekämpfung  eingerichtet werden sollte, haben die meisten Länder eine zentrale Steuerfahndung vehement abgelehnt..  
Um Steuerhinterziehung systematisch zu bekämpfen schlägt der Steuerexperte Prof. Dr. L. Jarass vor:
Internationale Vereinbarungen sind nur zu erreichen, wenn man gegenüber den durch 13 Steueroasensysteme bisher begünstigten Staaten ein Drohpotenzial aufbaut, so dass diese Staaten dann ein Eigeninteresse entwicklen, konstruktiv zu kooperieren. Erreichbar ist das mit nationalen Maßnahmen, wie sie z.B. im Entwurf für ein Steuerhinterziehungsbekämpfungsgesetz niedergelegt sind...
Zur Quelle   
Ohne sich in die Details des Steuerrechts oder der Steuerfahndung vertiefen zu müssen, ist offensichtlich, dass das geradezu zu einem Grundrecht hochstilisierte
Steuer- und Bankgeheimnis der Schutzschild für Steuerhinterziehung und für die Verlagerung von Geld und Vermögen in Steueroasen ist: „Das Bankgeheimnis ist letztlich ein Steuerhinterziehungsgeheimnis“ Dabei wird unter dem Pathos des Schutzes der „Privatsphäre“ vertuscht, dass das Steuergeheimnis nur eine Einkommensform privilegiert, nämlich die aus Geld- und Kapitaleinkommen. Jeder normale Gehalts- und Lohnempfänger ist in seinen Einkommensverhältnissen bereits heute vor den autorisierten Steuerbehörden „gläsern“. zur Quelle
Bundestagsdrucksachen zum Thema
16/11389 - Antrag CDU/CSU und SPD: Steuerhinterziehung bekämpfen (
PDF)
16/11734 - Antrag FDP: Steuervollzug effektiver machen (
PDF)
16/9836 - Antrag FDP: Umstellung der Umsatzsteuer von der Soll- auf die Istbesteuerung (
PDF)
16/9479 - Antrag DIE LINKE:: Bundesverantwortung für den Steuervollzug wahrnehmen (
PDF)
16/9166 - Antrag DIE LINKE.: Steuermissbrauch wirksam bekämpfen - Vorhandene Steuerquellen                                                   erschließen (
PDF)
16/9168 - Antrag DIE LINKE.: Steuerhinterziehung bekämpfen - Steueroasen austrocknen (
PDF)
16/9421 - Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Keine Hintertür für Steuerhinterzieher (
PDF)   


3.1.2
 Wirtschafts-Subventionen abbauen
Zitat Bundesfinanzministerium: "Im Interesse einer transparenten, wettbewerbsneutralen und sozial gerechten Besteuerung ist es unerlässlich, dass der Wildwuchs ökonomisch und ökologisch fragwürdiger und ungerechter Steuersubventionen entschlossen und mit Nachdruck gelichtet wird, Gestaltungsanreize beseitigt und Besteuerungslücken geschlossen werden".
Im Jahr 2009 summierten sich die Unternehmens-Subventionen allein auf insgesamt 114,8 Milliarden Euro. Die vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) genannte Gesamtsumme von 164,7 Milliarden Euro beinhaltet allerdings "Subventionen in weiter Abgrenzung", darunter fallen z.B. Finanzhilfen und Steuervergünstigungen für Krankenhäuser, gesetzliche Krankenversicherungen, Kindertagesstätten und -krippen, Museen, oder Pflegeeinrichtungen. Es erfordert nicht allzuviel soziale Sensibilität hier nicht unter dem Schlagwort "Subventionsabbau" gerade Sozialausgaben zu kürzen. Die Widerstände gegen Abbau von Unternehmens-Subventionen sind verständlicherweise groß. Ein zeitlich gestreckter Abau lässt allen Nutzniessern ausreichend Zeit sich finanziell auf höhere angemessene Steuerbelastungen einzustellen, scheint mir ein akzeptabler Vorschlag: Noch ab 2010 jede Wirtschafts-Subvention jährlich um 10% kürzen. Dann sind 2019 alle Subventionen auf 0 reduziert. Ausnahme:
Steuerliche Subventionierung des Exports von Arbeitsplätzen sofort streichen.
Keine steuerliche Förderung von Fertigungsverlagerungen in EU-Länder und in das Ausland. Keine steuerliche Verrechnung von Verlusten im Ausland mit Gewinnen im Inland von internationalen Konzernen. "Unternehmen dürfen sämtliche Kosten, die bei der Auslandsinvestition anfallen, Kreditzinsen für die üblich hohe Fremdfinanzierung und den Bau von Fabriken, „Beraterhonorare“ etc hierzulande in ihrer Steuererklärung geltend machen. Im Gegenzug müssen sie im Ausland erzielte Gewinne in Deutschland mit 5% versteuern. Würde diese Subventionierung des Arbeitsplatzexports abgeschafft, brächte das dem Fiskus direkte Mehreinnahmen von fünf Mrd. Euro zusätzlich zu den Steuereinnahmen und Sozialbeiträgen aus den hier verbleibenden Arbeitsplätzen."
Wir erinnern uns, unter dem Schlagwort Subventionsabbau kam nach Angela Merkels Regierungsantritt zuallererst für alle Arbeitnehmer die Kürzung von Km-Pauschale, Sparerfreibetrag, Streichung der Absetzbarkeit des Arbeitszimmers und der Bergmannsprämie. Ein Abbau der Wirtschafts-Subventionen erfolgte nicht.
Siehe auch  UMWELTSCHÄDLICHE SUBVENTIONEN IN DEUTSCHLAND   


3.1.3  Einführung einer Wertschöpfungsabgabe
Eine Wertschöpfungsabgabe ist notwendig als Ausgleich für die mit den Arbeitsplätzen wegfallenden Sozialbeiträge. Ganz besonders gilt das für Unternehmen, die aufgrund von Rationalisierungen immer weniger Arbeitnehmer beschäftigen und dadurch immer ungenügender an den Sozialstaatskosten beteiligt sind. Sie nimmt den eigentlichen Verursacher, die wachsende Produktivität aufgrund des technischen Fortschrittes, in die Pflicht. Entsprechende Regelungen belasten Firmen auch nicht anders als Lohnerhöhungen, deren Notwendigkeit allgemein akzeptiert wird. Mit dem Vorteil, daß Kostenverzerrungen vermieden werden, die nicht nur zu einseitigen Belastungen der Versicherten führen, sondern auch bei lohnintensiven Betrieben von Handwerk, Kleingewerbe und Mittelstand.
So werden endlich wieder finanzkräftige Konzerne, Banken und Versicherungen, die bei ihrem Personalabbau hohe Kursgewinne an ihre vermögenden Aktionäre als Dividende ausgeschüttet haben, an den von Ihnen verursachten steigenden Sozialstaatskosten angemessen beteiligt. Wer mit immer weniger Personalaufwand - aufgrund des von allen erwirtschafteten technischen Fortschritts - Gewinne erzielt, muss davon auch einen Teil an die Gemeinschaft zurückgeben.
Erstaunlich die schon fanatisch anmutenden
Widerstandsergüsse von Wirtschaft  und Politik: Begriffe wie "wirtschaftsfeindlich, Fortschritt hemmend, Kapitalflucht, Technlogiefeindlichkeit" usw., werden sofort beschworen. Tatsächlich wird niemand über Gebühr belastet. Es geht doch nur um etwas soziale Gerechtigkeit, um die grundrechtlich verbriefte Sozialstaatlichkeit "Eigentum verpflichtet".

1983 rief Österreichs Sozialminister Dallinger mit Überlegungen über eine "Maschinen- Steuer"
         zur Finanzierung der Sozialabgaben umgehend in der Wirtschaft helle Empörung hervor.

2006 gab es einen Vorstoß des französischen Staatspräsidenten Jaques Chirac für eine grundlegende Reform der Finanzierung der Sozialversicherungen. Bemessungsgrundlage für die Unternehmerbeiträge sollen nicht länger die so genannten Lohnnebenkosten, sondern die gesamte Wertschöpfung der Unternehmen sein. Kapital- und technikintensive Unternehmen zahlen höhere Beiträge, während arbeitsintensive Unternehmen entlastet würden. Staatspräsident Chirac zog sich unverzüglich die Kritik der Arbeitgeber, Teilen der Wirtschaftswissenschaftler und sogar Teilen der Gewerkschaften zu, die vor den Folgen für innovative Firmen warnten. Im Unterschied zu Frankreich werden wir leider noch nicht Zeugen einer Auseinandersetzung um eine nachhaltige Reform der Finanzierung der Sozialversicherungssysteme.

2008 fordert der Ärztekammerpräsident in Österreich eine Wertschöpfungsabgabe
Wertschöpfungsabgabe: Sinnvolle Ergänzung oder Alternative zur Finanzierung der Sozialversicherung?
Diese Studie aus (dem vergleichbaren) Österreich von 2003 der Uni Linz und der Oberöstereichischen Gebietskrankenkasse kommt zu dem
Ergebnis:
Die Wertschöpfungsabgabe erscheint ein geeignetes Instrument zu sein, die langfristige Finanzierung der Sozialen Sicherheit in Österreich abzusichern. Die Verteilung der Finanzierungslast würde sinnvoller und leistungsgerechter auf arbeits- und kapitalintensive Branchen verteilt werden, was zu einer Entlastung des Faktors Arbeit führt.
Bedenken gegen eine Wertschöpfungsabgabe sind in aller Regel unspezifisch und ohne weitere Begründung: Für die Befürchtung einer Kapitalflucht bzw Technlogiefeindlichkeit fehlen nachvollziehbare Hinweise. Die Wertschöpfungs- Abgabe würde nur geringe Beschäftigungs- Effekte zeigen, ihr Kernmotiv ist aber auch die Finanzierungssicherung und –gerechtigkeit der Sozialsysteme. Die Einhebung dürfte aber – eine sinnvolle Umsetzung und enge Anlehnung an das Steuerrecht vorausgesetzt – keine besonderen Schwierigkeiten bereiten.



Wertschöpfungssteuer statt Demagogie

Plädoyer für eine Wertschöpfungsabgabe  

Die Wertschöpfungsabgabe - Zitate und Artikel     



3.1.4  Finanzmärkte regulieren  
Erklärung unterstützt von WirtschaftswissenschaftlerInnen.
Finanztransaktionssteuer jetzt! von Prof.Dr. Rudolf Hickel   

  

   

3.2  Arbeitszeitverkürzung

Weniger Arbeit für alle
Das ist eine effektive und schnellwirksame Lösung. Umverteilung der vorhandenen Arbeit auf mehr Arbeitsplätze durch generelle Arbeitszeitverkürzung. In der Wirtschaft wie im öffentlichen Dienst. Die 35-Stundenwoche wurde flächendeckend in Italien und Frankreich bereits vor Jahren eingeführt. Seinerzeit gab es Bestrebungen in der EU eine generelle Arbeitszeitverkürzung in Form der 35-Stundenwoche einzuführen. Trotz der wirtschaftlichen Stärke in der EU war die deutsche Regierung einer der stärksten Gegner.  
Aufruf Arbeit fair teilen      Diskussionsbeiträge
Bedarfsgerechte Begrenzung von Überstunden,
indem nur Überstunden zulässig sind, die ausschließlich durch Zeitausgleich mit entsprechenden Zuschlägen abgegolten werden. Durch gesetzliche Regelung sicherstellen. Gesetzliche Regelungen müssen bei Massenarbeitslosigkeitaufgrund ihrer immensen Auswirkung auf das soziale Gefüge und den Staatshaushalt Vorrang vor der "Tarifautonomie" erhalten, wenn keine Tariflösungen in bestimmter Frist erzielt werden.
Diese Regelung ermöglicht die (durch Überstunden-Ausbau) ausgedünnte Stammbelegschaft wieder auf ein gesundes Maß aufzustocken. Aus meiner Sicht der effektivere Weg (für Belegschaft und Unternehmen) als die Beibehaltung exzesssiver Überstunden-Praxis durch das Konzept "Beschäftigung von Arbeitslosen statt bezahlter Überstunden"
IAB-Studie
Lebensarbeitszeit begrenzen:
Das Renteneintrittsalter herabsetzen. Die beabsichtigte Heraufsetzung auf 67 Jahre verstärkt die Arbeitslosigkeit und belastet den Staat zusätzlich durch die steigenden Kosten der Arbeitslosigkeit und Altersarmut. Ein ganz anderes wichtiges Argument für die Herabsetzung des Renteneintrittsalter ist der ständig steigende Leistungsdruck und die Belastungen durch zunehmende Schicht- und Feiertags - Arbeit. Die stark zugenommenen psychosomatischen Erkrankungen und ihre Folgewirkungen belasten zusätzlich die Kosten der sozialen Sicherung.
In Frankreich gilt Rente ab 60. Geschätzte 2 Millionen Franzosen protestieren im Juni 2010
gegen Rentenpläne  des französische Präsidenten das Mindestalter für den Renteneintritt bis 2018 schrittweise von 60 auf 62 Jahre erhöhen.
Für die Finanzierung längerer Altersruhezeit sind nachhaltige Lösungen erforderlich; es gibt andere,  bessere Möglichkeiten als Rentenkürzungen, die Altersarmut erzeugen oder vergrößern. Siehe dort. 

 

3.3  Mindestlöhne flächendeckend - Arbeit muss sich wieder lohnen

Grundvoraussetzung für eine gesunde Volkswirtschaft ist ein Lohnniveau dass sicherstellt, dass von der Erwerbstätigkeit der Lebensunterhalt bestritten werden kann, Familien nicht in Armut leben.
Ein unverzichtbarer Schritt dahin ist die generelle Einführung des
Mindestlohnes. Union und FDP lehnen einen flächendeckenden Mindestlohn ab. Doch Mindestlöhne sind auf dem Vormarsch , verstärkt durch den nahenden Termin 1. Mai 2011. Ab dann gilt fast uneingeschränkte Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus den anderen EU-Staaten. Mindestlohn ist in anderen EU-Staaten längst Realität: Insgesamt gibt es in 20 der 27 EU-Staaten einen gesetzlichen Mindestlohn. In Westeuropa liegt er im Schnitt über acht Euro. Spitzenreiter bleibt Luxemburg.  
Siehe hierzu auch Kap. 3.4.3 Unterbezahlte Arbeit und private Leiharbeit minimieren.

   

3.4  Staatliche Maßnahmen
Der Staat selbst muss handeln! Wer sonst als der Staat ist in der Lage volkswirtschaftliche Erfordernisse umzusetzen, mit sozialverträglichen Regelungseingriffen auf Fehlentwicklungen und strukturellen Veränderungen zu reagieren und rechtzeitig gegenzusteuern. Eine der wichtigsten staatlichen Maßnahmen ist Arbeitsplätze schaffen. Bei dieser Thematik ist oft zu hören: "Der Staat kann keine Arbeitsplätze schaffen, das könne nur die Wirtschaft". Das wird von interessierter Seite immer wieder behauptet und von vielen unreflektiert übernommen. Es wirkt mittlerweile wie ein kein Widerspruch duldendes Dogma. Dem ist aber ganz und gar nicht so. Es kann durch viele Argumente widerlegt werden. Der Staat ist mit rund 4,6 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst im Jahre 2010 (1991: 6,7 Millionen) der
größte Arbeitgeber in Deutschland. Obwohl in der Vergangenheit viele staatliche Arbeitsstellen, vor allem durch die "Privatisierung", bereits abgebaut wurden. Obwohl in der Zwischenzeit durch Verlängerung der Arbeitszeit im öffentlichen Dienst die Arbeitslosigkeit vergrößert wurde. Obwohl mittlerweile in vielen Bereichen des ö. D. ein gravierender Mangel an Personal inakzeptable Nachteile zur Folge hat: Lehrermangel, Justiz, Sicherheit, Finanzämter.

 

3.4.1   Arbeitsplätze schaffen durch öffentliche Aufträge
Ausbau einer umweltfreundlichen, dezentralen Energieversorgung
ohne Atomstrom: Kraftwärmekopplung, lokale Fernwärmenetze, Energieeinsparung und Nutzung regenerativer Energieträger. Die Umwelttechnik mit Anlagen Schadstoff- und abfallarmer Kreislaufprozesse ist in der Bundesrepublik zu einem hohen Stand entwickelt worden und bietet entsprechend hohe Wettbewerbsvorteile. Förderung von Entwicklung und Anwendung regenerativer Energietechnik und Technik zur Energieeinsparung.
Ausbau des Schienenverkehrs für Personen und Güter. Ganz besonders in Hinblick auf die prognostizierte demographische Entwicklung und der prognostizierten Zunahme des Güterverkehrs. Der Ausbau des Schienenverkehrs, insbesondere des ÖPNV wie des Güterverkehrs, schafft hierzulande Arbeitsplätze und Verkaufsreferenzen sowie wirtschaftliche Stückzahlen als Basis für wettbewerbsfähigen Export. Das gleiche gilt für die Förderung energiesparender Kraftfahrzeugtechnik, der Umstellung auf Elektroantriebe, Aggregate zur Stromerzeugung (Brennstoffzellen, ...) wie elektrischer Speicherung und Solarzellen.

3.4.2   Personalbedarf anpassen im öffentlichen Dienst
Zum Beispiel zur Bekämpfung von Wirtschafts- und Umweltkriminalität, Steuerhinterziehung und Steuerflucht. Zur Verbesserung der Sicherheit im Straßenverkehr wie der öffentlichen Sicherheit. Im öffentlichen Bereich besonders gefährdeter Orte, im ÖPNV (in den Zügen, Bahnhöfen und Haltestellen) besonders gefährdeter Tages- bzw. Nachtzeiten. Erhöhter Schutzbedarf für Beschäftigte, insbesondere Frauen durch verlängerte Öffnungszeiten im Einzelhandel und Ausweitung der Schichtarbeit.
Das schafft nicht nur Arbeitsplätze und reduziert Kosten der Arbeitslosigkeit und soziale Folgekosten von Unfällen, Umweltschädigungen und Gewalttaten. Personelle Aufstockungen im Justiz- und Finanzbereich führen auch zu vielen Milliarden jährlicher Steuermehreinnahmen durch Abbau von Vollzugsdefiziten bei der Bekämpfung der hohen Steuerhinterziehung und Wirtschaftskriminalität.
Und ganz besonders positiv wirkt sich die verbesserte soziale Sicherheit durch Abbau der Arbeitslosigkeit auf die Kaufkraft und damit die Wirtschaftslage des Binnenmarkts und die Steuer-Mehreinnahmen aus. Weit stärker als der Finanzierungsbedarf zusätzlicher Stellen im gesamten öffentlichen Dienst erfordert.
Öffentliche Dienstleistung statt Privatisierung - Mehr statt weniger Staat.
Die
Privatisierung öffentlicher Einrichtungen ist inzwischen zu einem Desaster geworden und muss gestoppt und rückgängig gemacht werden.
Auch Unternehmen der öffentlichen Hand können bei der Produktion von Waren und Dienstleistungen gleich effizient arbeiten wie ein privates Unternehmen. Im Gegenteil: Liberalisierung kombiniert mit Privatisierungen führt - wie immer mehr Beispiele zeigen -  zu ineffizienten privaten, Markt beherrschenden Unternehmen und faktischen Kartellen, die für mehr Geld weniger Leistungen anbieten, da sie die renditehungrigen Shareholder durchfüttern müssen. Effiziente, öffentliche Betriebe müssen kein Geld in überflüssige Werbekampagnen und doppelte Infrastrukturen stecken. Anstatt zum Beispiel möglichst viel Strom und Gas teuer zu verkaufen, können staatliche Energieversorgungs- Unternehmen, zusätzlich zur Versorgung mit Strom und Gas, Beratung und Maßnahmen zur Energieeinsparung anbieten und entsprechende Geschäftsbereiche ausbauen und zusätzliche Vollerwerbsstellen mit Lebensstandard sichernden Einkommen schaffen.

3.4.3    Unterbezahlte Arbeit und private Leiharbeit minimieren
Seit Jahren wächst der Anteil prekärer Beschäftigung und unzureichender Entlohnung mit staatlicher Förderung. Keine Arbeit mehr für Niedrigqualifizierte? Unter den Millionen Arbeitsuchenden, den Arbeitslosen und Unterbeschäftigten, sind längst nicht nur Niedrigqualifizierte sondern zunehmend Fachkräfte mit solider beruflicher Ausbildung bis hin zum Hochschulabschluss. Eine Umkehr wieder hin zu einer gerechten Entlohnung, von der wir wieder unsere Existenz und die unserer Familien angemessen absichern können, muss und kann vom Staat sehr effektiv gefördert werden:
Staat als Arbeitgeber für Vermittlung und Beschäftigung
Neu zu schaffende staatliche Betriebe als Vermittler und zusätzlich als Anbieter von entsprechenden Dienstleistungen, sowie von Leiharbeitsvermittlung.
Übernahme aller Beschäftigungen, die auf dem freien Markt keine existenzsichernde Entlohnung ermöglichen.
Angebot und Ausführung von Arbeiten, die auf dem freien Markt häufig zu nicht existenzsichernder Entlohnung führen.
Allgemeines staatliches Zeitarbeits-Angebot (Leiharbeit) durch staatliche Betriebe für alle übrigen Berufe und Qualifikationen. Diese Leiharbeit intern und extern zu gleichen Löhnen und gleichen Sozialleistungen einschliesslich Betriebsrenten, bzw -Ersatzleistungen, etc. wie für Vollzeitarbeit bzw. für Stammbelegschaften plus "Leihkosten- Aufschlag".
Private Leiharbeit unter entsprechend gleichen Vorgaben gesetzlich regeln.
Das beinhaltet ganz erhebliche Vorteile: Vermeidung der Sozialkosten durch Arbeitslosigkeit oder prekärer Beschäftigung und Vermeidung von Mitnahmeeffekten staatlicher Zuschüsse durch die Privatwirtschaft. Und es ermöglicht eine gravierende Reduzierung der Arbeitslosigkeit mit allen weiteren Vorteilen für die Betroffenen und den Staat.     
 

Öffentliche Beschäftigung statt Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwand
 
Februar 2008. Derzeit finanziert die Bundesagentur für Arbeit (BA) 282.000 sogenannte „Arbeitsgelegenheiten“ für Bezieher von Arbeitslosengeld II, darunter 265.000 Ein-Euro-Jobs. Das sind Arbeiten, für die von der BA pro Stunde ein Euro oder etwas mehr zusätzlich zum Arbeitslosengeld II gezahlt wird. Mit diesem Antrag möchte das Erwerbslosen Forum Deutschland die Stadt Bonn und die ansässigen Wohlfahrtverbände, Vereine auffordern, dass sie auf die Arbeitsgelegenheiten verzichtet und stattdessen die Menschen regulär beschäftigen. Dies ist möglich, für die Träger der Arbeitsgelegenheiten entstehen nur geringe Mehrkosten.
Kosten für Ein-Euro-Job (Beispiel: Alleinstehender)
897,90 € Gesamtkosten für die Grundsicherung für Arbeitssuchende plus mind.300 € Euro Maßnahmenkostenpauschale plus 126 € Euro Mehraufwandsentschädigung für 126 Arbeits-Stunden/Monat ergibt
Gesamtkosten von 1.323 Euro für gemeinnützige, unproduktive Arbeit, ohne jegliche Wertschöpfung.
Würde man diesen Arbeitslosen für das gleiche Geld, also für 1.323 Euro, eine versicherungspflichtige Arbeit geben, würde sich folgendes ergeben:
Brutto-Lohn                                 1.323,00  (Kosten Arbeitgeber 1.600,00)
Steuer und Sozialabgaben            371,54
Vorteile:
1. 371,54 Euro würden in Form von Steuern und Sozialabgaben wieder an den Staat und in die Sozialkassen zurück fließen.
2. Der Arbeitslose hätte 145 Euro mehr im Monat und würde mit einem versicherungspflichtigen Job wieder zur Gesellschaft gehören und nicht ausgegrenzt werden.
3. Die Kaufkraft wird gestärkt und damit die Binnennachfrage angekurbelt
4. Langzeitarbeitslose würden wieder resozialisiert werden und integriert werden.
5. Die Motivation des Arbeitenden steigt, im Gegensatz zu einem 1 Euro Jobber der ohne Motivation ist.
6. Eine Produktive Arbeit bringt eine Wertschöpfung und damit auch Konjunktur.
7. Der Arbeitslose kann eine Lohnabrechnung nachweisen und ist bei einer Bank wieder kreditwürdig.
8. Der Arbeitgeber müsste nur eine geringen Zuschlag auf das Gehalt zahlen. Damit würden aber die Mitnahmeeffekte vieler professioneller Beschäftigungsträger sofort eingedämmt.
Bei dem Bruttolohn von 1.323 Euro ergibt sich bei 126 Arbeitsstunden ein Stundenlohn von 10,50 Euro. Damit würden wir gemäß der europäische Sozialcharta, zu der sich die Bundesrepublik Deutschland bereits 1964 (BGBl. 1964 II,1261), bekannt hat, gerecht werden. Nach der Spruchpraxis des Sachverständigenausschusses des Europarats muss das angemessene (Mindest) Entgelt 68% des nationalen Durchschnittslohns entsprechen. Gemäß dem Statistischen Bundesamt liegt der Durchschnittslohn für Arbeiter bei 15,89 Euro brutto, 68 % davon sind 10,80 Euro. Somit wäre in Deutschland ein Mindestlohn 10,80 Euro anzusetzen.

Paritätischer fordert sozialen Arbeitsmarkt     
18.03.2010. Knapp eine Million Menschen sind länger als ein Jahr ohne Arbeit. Ursache ist weniger ein Vermittlungsproblem, sondern fehlende Arbeitsplätze und fehlende passgenaue Hilfen. Der Verband fordert den Ausbau öffentlich geförderter, dauerhafter, sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Überfällig sei die gesetzliche Absicherung von Beschäftigungsunternehmen, die sich in der Praxis als erfolgreiches Modell zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen erwiesen haben. Ihre Leistung müsse anerkannt und auf eine solide gesetzliche und finanzielle Basis gestellt werden. Von den bundesweit ca. 1000 Beschäftigungsunternehmen gehören rund 350 zum Paritätischen. Insgesamt arbeiten in den Beschäftigungsunternehmen der Freien Wohlfahrtspflege mehr als 250.000 Menschen.   
Zur Quelle   

Leiharbeit in der AWO - Anspruch und Wirklichkeit. Nov.2010  

 

 3.4.4    Staat als Miteigentümer
Staatliche Beteiligung an Großkonzernen, insbesondere der gesellschaftlichen Grundversorgung und der Pharma-, Finanz- und Versicherungswirtschaft. Zur Kostendämpfung und wirksamen Umsetzung sozialer und ökologischer Standards.  

Mittel- bis langfristig nach fortgeschrittenem
Erwerbstätigkeitsrückgang wird der Schritt zur Umstellung von marktwirtschaftlicher zu ausschließlich staatlicher Daseinsvorsorge/Grundversorgung, Versorgung von Nahrung, Pharmaprodukten und Konsumgütern immer zwingender.
Rekommunalisierung und Verstaatlichung* (zumindest ethische Kontrolle und soziale Einflussnahme durch staatliche Unternehmensbeteiligung/Aktienmehrheit) von marktbeherrschenden, multinationalen Konzernen ist unabdingbar für eine sozialverträgliche Gestaltung der Zukunft
, in der Erwerbstätigkeit als Lebensgrundlage ihre heutige Bedeutung verloren hat.
*unter den Bedingungen einer absolut transparenten demokratischen Kontrolle
 >>>In Bearbeitung


 

 3.4.5    Staat als Vorreiter
AZV und Mindestlohn im öffentlichen Dienst und Berücksichtigung bei Vergabe öffentlicher Aufträge (Berücksichtigung der Sozialkostenbelastung). Der Staat setzt nicht nur die Rahmenbedingungen,  er kann auch als Arbeitgeber von über 6 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst eine höchst wirksame Vorreiterrolle übernehmen!

 

3.5  Soziale Sicherung zukunftssicher gestalten     

Die gesamte Gesellschaft ist in die Finanzierung durch entsprechende zweckgebundene Steuern einzubeziehen. Gutverdienende Unternehmen zahlen durch Arbeitsplatzabbau (Rationalisierung und Auslagerung) immer weniger in die Sozialkassen und entziehen sich ungehindert ihrer sozialstaatlichen Verpflichtung. Zur Finanzierung des Sozialhaushaltes sind auch Kapitaleinkünfte heranzuziehen, sowie hohe Einkommen ebenfalls angemessen zu beteiligen. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre wenig hilfreich, da Endverbraucher und damit die Versicherten hauptsächlich betroffen wären.
Einführung einer Wertschöpfungssteuer in D und EU-Ländern zur Kompensation der Mehrbelastung der Sozialversicherungen, insbesondere der Rentenkassen wegen der abnehmenden Beschäftigung wie auch längerer Ruhestandszeiten.     Siehe auch
Kap. 3.1 Einführung einer Wertschöpfungssteuer  
Ruhestand - Finanzierung
Finanzierung der Alterssicherung auf breitere Basis stellen: Entlastung von
versicherungsfremden Leistungen, Tobin- und Wertschöpfungssteuer, Erweiterung der Gesetzlichen Rentenversicherung   auf alle Beschäftigten. Einbeziehung aller Selbstständigen, Beamten, Politiker und abhängig Beschäftigten.
Staatliche Regelungseingriffe zur Überwindung der Erwerbskrise, siehe
Kapitel 3.
Kosten im Alter senken durch öffentlichen Ausbau oder Verstaatlichung von Dienstleistungen und Einrichtungen der Versorgung, Pflege und Betreuung. Kostenfreie bzw. kostengünstige Wohnungen, insbesondere kostengünstige Altenwohn- bzw. Pflegeheime, gebaut und verwaltet von staatlichen Betrieben ohne Gewinnerzielung. In Konkurrenz zu Privateinrichtungen, die gleichen Mindeststandards und Kontrollen bei Leistung und Kosten unterliegen. Organisation und Ausbau eines "Sozialen Jahres" oder ähnlichem zur Erbringung von anrechenbarer Eigenleistung der Altersvorsorge.
Bedarfsgerechte Regelungen für freie Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, Preisermäßigung bei Kleidungs- und Nahrungskauf und Besuch von Veranstaltungen (Kultur, Bildung, Hobby, Sport,..), usw.

Langfristig, wenn die Erwerbstätigkeit weiter zurückgegangen ist und die darauf basierende soziale Sicherung kaum noch aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Beiträgen finanziert wird, ist eine grundlegende Neuordnung für die Gesamtbevölkerung Deutschlands, oder dann gegebenenfalls als EU weite und letzlich global wirkende Lösung, zu gestalten. Dazu gehören aus meiner Sicht als weitere Voraussetzungen dass die Erwerbstätigkeitspotenziale global weitgehend ausgeschöpft sind und der globale Anpassungsprozess auf ein gemeinsames menschenwürdiges Sozialniveau weit vorangeschritten ist.
Utopien, utopische Modelle sind reichlich vorhanden. Vorerst brauchen wir uns nicht mit dem "bedingungslosen Grundeinkommen" und ähnlichem konkret beschäftigen. Im Moment scheint das eher eine Chimäre zur Installierung von allgemeinem Elend nach dem Motto "Armut für (fast) alle" zu sein. Realitätsbezogene Lösungen der Zukunft sind von der zwischenzeitlichen Entwicklung abhängig. Diese Entwicklung genau zu verfolgen ist Voraussetzung, damit wir alle die erforderlichen Weichenstellungen mitbestimmen und ihre korrekte Umsetzung kontrollieren. Aber bis dahin gilt es, die ganz profanen Lösungsschritte, wie insgesamt angesprochen, erst einmal umzusetzen. 

 

3.6    Internationale Regelungen

Regularien zum Schutz der Arbeitsplätze auf nationaler wie internationaler Ebene.
Der Abbau der globalen wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheit ist auch die Chance für uns alle. Der Abbau insbesondere von Auslandsschulden, Agrar-Dumping, Börsenspekulationen auf Grundnahrung, Korruptions - Duldung, Ausbeutung durch multinationale Konzerne wie auch durch korrupte nationale Herrschaftsausübung ist Voraussetzung zur Überwindung von Hunger und Armut in den Ländern des Südens. Gleichzeitig muss für die Opfer jegliche Hilfe, humanitärer und technischer Art, geleistet werden. Es geht nicht darum, den Völkern des Südens mehr zu geben, es geht darum, ihnen weniger zu stehlen.
Ein gewaltiges Potential an Arbeit und Produktion beinhaltet der Nachholbedarf in den "armen Ländern" zur Angleichung an den Lebensstandard in den Industrieländern. Das ist auch möglich ohne Zerstörung kultureller Identität. Wir dürfen uns nicht weiter glauben machen lassen, das sei nur möglich, wenn wir alle arm werden. Bzw. eine Zerstörung von Natur und Umwelt sei damit zwangsläufig. Die Mittel und Wege einer umweltverträglichen Energieversorgung und industriellen Wirtschaft sowie einer ökologischen Landwirtschaft stehen längst zur Verfügung und brauchen nur konsequent angewendet werden.

Soziale und ökologische Mindeststandards als Voraussetzung  für einen freien Welthandel. Wirtschaftshilfe ist nur unter entsprechenden Bedingungen zu gewähren. Keine öffentliche Förderung für Firmen, die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Der Abbau von Schutzzöllen für einen freien Welthandel ist richtig. Er setzt aber voraus das Produkte, die durch Ausbeutung von Mensch und Natur (Hungerlöhne ohne soziale Mindestabsicherung und Produktion ohne mindeste ökologische Rücksichtnahme) nicht zu konkurrenzlos niedrigen Preisen importiert werden können. Eine solch ungezügelte Profitmaximierung hat selbst in Niedriglohnländern zu Produktionsverlagerungen in noch ärmere Länder geführt.
Da dies ein Problem aller Beschäftigten auf der ganzen Welt ist und die Volkswirtschaften aller Staaten schädigt, sind entsprechende internationale Schutzmaßnahmen längst überfällig:
o  Besteuerung von Importen aus Ländern ohne verbindliche und nachkontrollierbare
    soziale und ökologische Mindeststandards.
Zur Einführung dieser Abkommen und Standards gegen erbitterte Widerstände sind entsprechende Strategien gefragt. Mögliche Ansätze:
1. Schritt Einführung in EU: Kennzeichnung der Produkte und Kontrollmöglichkeit der Lieferanten und der Produzenten vor Ort. Umsatzsteuer-Senkung für diese Produkte gemäß dieser Standards bzw. Umsatzsteuer-Erhöhung für Produkte ohne Berücksichtigung dieser Standards. Umsatzsteuer-Erhöhung gezielt verwendet für die soziale Sicherung. 2. Schritt: Einführung in beitretenden weiteren Staaten.
Begleitende Schritte:
o  Hilfeleistung und Entwicklungshilfe nur kontrolliert. Nachweispflicht eingesetzter Mittel durch Empfängerland
o  Internationale
Besteuerung von Kapital-Transaktionen zur Mitfinanzierung der sozialen Sicherung (attac).
 

 

 


Kap 4    Ursachen der Massenarbeitslosigkeit - Was muss geändert werden

Mitte der sechziger Jahre befürchteten immer mehr Fachleute, dass die voranschreitende Automatisierung der Produktion große Entlassungswellen und bisher nicht gekannte Brüche in den Erwerbsbiografien mit sich bringen wird. In den 90er Jahren beherrschte das Thema Arbeitsplatzverluste durch die Globalisierung bis heute die öffentliche Diskussion. Es entsteht heute leicht den Eindruck, "die Chinesen" seien an der deutschen Arbeitslosigkeit schuld. Tatsächlich gehen aber mehr Arbeitsplätze dadurch verloren, das z.B. große Automobilfirmen jährliche Produktivivtätszuwächse von 5% verzeichnen
Die dramatischen Veränderungen der Arbeitswelt betreffen alle Industrieländer. Nicht nur in ganz Europa sondern weltweit wurden Werke geschlossen, Arbeitsplätze abgebaut und Löhne reduziert. Japan erlebt Anfang der 1990er Jahre eine Talfahrt, einschließlich Werkschließungen: In 1992 und 1993 mussten 275 Präsidenten der 2114 börsennotierten Konzerne ihren Hut nehmen.
Seit den 1970er Jahren nimmt die Beschäftigung nicht mehr mit dem Wirtschaftswachstum zu. Steigende Umsätze bedeuten nicht automatisch zunehmende Beschäftigungszahlen.

Viele Einflüsse wirken auf den Arbeitsmarkt: Konjunkturschwankungen, Wirtschaftskrisen, Strukturveränderungen, Globalisierung, Arbeitskosten, steigende Frauen-Erwerbstätigkeit, Arbeitsmarktöffnung für Ausländer, Schwarzarbeit, Finanz/Steuerpolitik, der technische Fortschritt. Ihre Einflüsse werden im nachfolgenden beschrieben und gewertet.
Das zentrale Anliegen ist das Herausarbeiten der wesentlichen Ursache für die mittlerweile über 30 Jahre andauernde Massenarbeitslosigkeit als Voraussetzung nachhaltige Lösungen zu ihrer Überwindung zu finden und in einer breiten öffentliche Diskussion ihre politische Umsetzbarkeit zu erreichen.



4.1  Lohn und Lohnnebenkosten  - Scheinlösung Billiglöhne

Mit der Senkung der Lohnkosten könnten wieder wettbewerbsfähigere Preise gemacht, neue Aufträge hereingeholt und so Arbeitsplätze gesichert werden. Politiker fordern statt Lohnsenkungen lieber eine Senkung von „Lohnnebenkosten“. Das lässt sich leichter vermitteln. Tatsächlich ist es gleich, ob man die „Lohnnebenkosten“ oder gleich die Löhne senkt. Sobald man die gesamtwirtschaftlichen Folgen einbezieht wird klar: Löhne sind nicht nur Kosten. Sie bestimmen gleichzeitig die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Ebenso wie sinkende Löhne vermindern sinkende „Lohnnebenkosten“ die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Die Beiträge zur Sozialversicherung fließen über die Sozialversicherungen direkt in Form von Arbeitslosengeld oder Renten den Haushalten zu, die damit ihre Nachfrage finanzieren. Oder mit ihnen werden Sachleistungen wie Rollstühle oder Krankenhaus - Aufenthalte finanziert. Kürzungen führen also sofort zu Einschnitten bei der Binnennachfrage.

Der Niedriglohnsektor in Deutschland wächst. Nach Untersuchungen des IAB hat sich der Niedriglohnbereich seit 1997 kontinuierlich erhöht und umfasste 2001 bereits 17,4 % der Vollzeitbeschäftigten. Im europäischen Vergleich liegt der Niedriglohnsektor in Deutschland mit 0,7 % über dem europäischen Durchschnitt, allerdings ist jedoch die Möglichkeit, aus dem Niedriglohnsektor auszusteigen im Vergleich zu anderen EU-Staaten am niedrigsten. Die im Niedriglohnsektor Beschäftigten sind auch nicht nur gering qualifiziert (was die Ausgangsposition der Lohnsenkungsverfechter ist), sondern verfügen oft über eine Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss.
Zwei Drittel der Niedriglohnbeschäftigten haben eine abgeschlossene Berufsausbildung und nur ein Viertel übt tatsächlich eine einfache Tätigkeit aus. Der Anteil der ausländischen Beschäftigten im Niedriglohnbereich macht nur knapp neun Prozent aus. Zwei Drittel der Niedriglohnbeschäftigten sind älter als 30 Jahre. Vor allem entscheidet die Beschäftigung in bestimmten Wirtschaftsbereichen über die Einkommenshöhe. Gut 80 % der Niedriglohnbeschäftigten arbeitet in Klein- und Kleinstbetrieben, 63 % im Dienstleistungssektor, etwa 17 % in Privathaushalten.“  Zur
Quelle   

Kombilohn - Subventionierung des Niedriglohnsektors.
Der Kombilohn soll sicherstellen, dass einfache Arbeiten auch dann existenzsicherndes Einkommen abwerfen, wenn eine aus Arbeitgebersicht akzeptable (rentable) Entlohnung nicht ausreicht. Der Staat erhöht das Arbeitseinkommen durch einen Zuschuss. Vordergründig profitiert der Betroffene, weil er etwas mehr Lohn erhält. Dafür hat er kaum noch eine Chance, aus dem Niedriglohnsektor herauszukommen, weil Unternehmen diese Billigjobs gerne nutzen. Ein riesiger dauerhafter Subventionsbedarf würde entstehen. Hohe Anfälligkeit gegen Missbrauch (Entlassungen, um die Betroffenen mit Kombilohn wieder reinzuholen) und Mitnahmeeffekte. Die Gefahr ist groß, die Niedriglöhne noch mehr  abzusenken.Tariflandschaft gerät unter die Lohndrückerei.   
Zur Quelle  

Unser hoher Exportanteil belegt die hervorragende internationale Konkurrenzfähigkeit heimischer Produkte. Bei allem hinlänglich bekannten Gejammer unserer Unternehmer, besonders zu Zeiten auslaufender Tarifverträge, dürfen wir nicht übersehen, dass heimische Produkte immer noch hervorragende konkurrenzfähige Verkaufschancen bieten und seit Jahrzehnten bis heute einen oberen Platz in der Export-Weltrangliste sichern. Wir sollten uns nicht Glauben machen lassen, der Weltuntergang sei nahe, wenn andere Länder auch einmal mit dem einen oder anderen Produkt bessere Geschäfte machen.

Lohnnebenkosten - maßlose Überschätzung des Einflusses auf die Arbeitslosigkeit.
Es ist mittlerweile zum Schlagwort geworden, daß die Lohn- und Lohnzusatzkosten in Deutschland die Beschäftigung beeinträchtigen. Die Fakten sehen anders aus:
Seit 1995 nehmen die Lohnstückkosten - der Maßstab für die Arbeitskostenbelastung der Unternehmen - in Deutschland deutlich weniger zu als in allen führenden Industrieländern mit Ausnahme des krisengeschüttelten Japans. Durch die hohe Arbeitsproduktivität waren Lohnstückkosten in D immer niedriger als im EU-Schnitt und in vielen konkurrierenden Industrie-Staaten. Trotzdem wurde die Lohnhöhe in Deutschland stark abgesenkt in den letzten Jahren, siehe OECD-Vergleich. Nachbarländer wie Frankreich beanstanden mittlerweile Wettbewerbsverzerrungen durch das niedrige Lohnniveau in D. Zudem haben wir in Deutschland ein hohes Preisniveau. Viele Produkte, auch Mieten, Immobilien sind im Ausland preisgünstiger. Auch wird die Qualität des Standortes Deutschland neben den Lohnkosten vor allem von den vorteilhaften Infrastrukturgegebenheiten und dem hohen Qualifikationsstand der Arbeitnehmer bestimmt.

Lohnnebenkosten könnten um 7 bis 8 Beitragssatzpunkte sinken
Merkwürdige politische Zurückhaltung.
Die Größenordnung der als versicherungsfremd angesehenen Leistungen beziffert Schmähl* für 1995 im Gesamtvolumen auf 135 Mrd. DM...   
mehr  
*Winfried Schmähl, Wirtschaftsprofessor, 1986 bis 2000 Vorsitzender des Sozialbeirates der Bundesregierung.

Warum 2% Senkung der Lohnnebenkosten die Wettbewerbsfähigkeit verbessern sollen, eine Verteuerung des Euro um 29% trotzdem einen Exportrekord zulässt?
Aus Nachdenkseiten.de,  erstellt am 19.04.2005
Der gesamte Personalaufwand aller deutschen Unternehmen betrug 2001 17,4% des Umsatzes. Eine 2%-ige Senkung der Lohnebenkosten schlüge mit 0,35% der unternehmerischen Kostenrechnung zu Buche. Die Senkung der Lohnnebenkosten wird in der politischen Debatte und in der Agenda 2010 als eines der wichtigsten Ziele zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit behandelt. Der Euro hatte von 2002 auf 2003 einen Wertzuwachs gegenüber dem US-Dollar um 29% . Trotz der verteuerten Exporte war das Jahr 2004 für die deutsche Exportwirtschaft dennoch ein absolutes Rekordjahr. Offenbar wird bei der Wettbewerbsfähigkeit mit zweierlei Maßstäben gemessen....     

Die Handwerkskammern in Bayern veranschlagten 2003 die Kosten für eine Handwerkerstunde auf 43 Euro. Würde man die Sozialabgaben, wie von der Union gewollt, um 2 Prozentpunkte senken, würde dies die Kosten einer Handwerkerstunde um ganze 25 Cent senken. Die Nachfrage nach Handwerkerleistungen würde das kaum erhöhen.    zur Quelle  

Billigwaren zerstören unsere Existenzgrundlage.
Heimische wie Importprodukte, die zu Hungerlöhnen, ohne vergleichbare soziale Leistungen, hergestellt wurden, können in Billiglohnländer wegen dadurch fehlender Kaufkraft kaum abgesetzt werden. Bei uns zerstören sie unsere Erwerbsgrundlage und die Existenzgrundlage unserer Firmen, die nicht mit solchen Preisen konkurrieren können. Billiglöhne sind keine Lösung. Nicht für Menschen, die aus der Erwerbstätigkeit ihr Dasein zu bestreiten haben und auch nicht für funktionierende Volkswirtschaften. Solche volkswirtschaftlich schädlichen Verhaltensweisen gehören in die öffentliche Kritik. Wenn alle Unternehmer sich so volkswirtschaftlich schädlich verhielten, wäre der heimische Binnenmarkt bald zerstört. Im Billiglohnland müssten dann entweder vergleichbare Löhne und Gehälter gezahlt werden oder die Existenzgrundlage geht verloren. Ein langsamer Prozess neuer Ausbeutung der, zugegeben, etliche Zeit saftige Profite ermöglicht. Da dies alle Länder und nicht nur Deutschland betrifft, bestehen eigentlich gute Gründe solchen Versuchungen einen für alle geltenden Riegel vorzuschieben. Konzerne oder der Markt sind hier überfordert. Es ist müßig auszumalen welches Elend und Not mit oben genannten ungebremsten Prozessen über alle Länder käme und die letztlich auch zu (dann aber vielleicht blutigen) Korrekturen führten. Volkswirtschaftliche Vernunft sollte zu gemeinsamen Lösungen von Politik und Wirtschaft über alle Grenzen hinweg gegen dieses Fehlentwicklung fähig sein. Lösungen können nur von einer verantwortungsvollen gemeinsamen Politik geleistet werden.

 

4.2  Längere Arbeitszeit?  

Verlängerung der Wochen-Arbeitszeit
Arbeitszeitverlängerung erhöht die Arbeitslosigkeit und senkt die Einkommen. Bei längerer Arbeitszeit wird für die gleiche Arbeit weniger Personal benötigt.
Arbeitszeitverlängerung dient im Wesentlichen dazu, die Arbeitskosten zu senken, denn für die Verlängerung der Arbeitszeit soll es ja keinen Lohnausgleich geben. Das heißt, die Stundenlöhne oder auch die Lohnstückkosten sinken.
Verlängerung der Lebens-Arbeitszeit - Rente ab 67
Ab dem Jahre 2012 soll die Regelaltersgrenze von heute 65 Jahre in Stufen auf 67 Jahre (ab 2029) angehoben werden. Wer früher in Rente geht (in der Regel wird dies frühestens nach Vollendung des 63. Lebensjahres möglich sein), erhält pro Monat vorverlegten Rentenbezugs eine dauerhafte Kürzung der Altersbezüge um 0,3% - maximal also 14,4%.
Es geht nicht darum, bis 67 zu arbeiten, es geht darum erst mit 67 Rente zu bekommen. Millionen von Menschen erreichen nicht mal das bisherige Renteneintrittsalter ...  Die erwartete Entlastung von 0,25 % für Arbeitnehmer steht in keinem Verhältnis zu den resultierenden Nachteilen. Was in der Rentenkasse eingespart werden soll, wird von den höheren Arbeitslosenkosten und Beschäftigungsfördermassnahmen wieder "aufgefressen", letzlich Kostenschieberei "von der linken in die rechte Tasche" des Sozialbudgets.
Mehr   

Überstunden
Laut
DIW  sank der Anteil der voll bezahlten an allen geleisteten Überstunden von rund 50 Prozent Anfang der 90er Jahre auf 15 Prozent im Jahr 2005. Ein Drittel der Mehrarbeit wurde überhaupt nicht kompensiert, sondern durch unbezahlte Überstunden erbracht.
Ähnlich rechnete im Februar 2009 auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das IAB bezifferte das Volumen der pro Jahr geleisteten Überstunden auf 1,32 Milliarden Stunden: "Dazu kommen unbezahlte Überstunden in ungefähr der gleichen Größenordnung." WSI-Leiter Hartmut Seifert kam im April 2008 zu dem Schluss, dass der Trend zu längeren Arbeitszeiten "seit gut fünf Jahren ungebrochen" anhält und im Durchschnitt "jeder Beschäftigte pro Woche 0,7 Überstunden leistet, die nicht vergütet werden". Aus: "
Arbeit zum Nulltarif"  Thorsten Stegemann 16.03.2009  
Welt, 3.März 2008.
Die Zahl der Überstunden in Deutschland ist nach Berechnungen des Nürnberger Arbeitsmarkt-Instituts IAB im Jahr 2007 auf rund drei Milliarden Überstunden, den höchsten Stand seit fünf Jahren, gestiegen. Laut der Erhebung ist die Zahl der bezahlten Überstunden um rund fünf Prozent auf 1,477 Milliarden gestiegen. Dazu kommen den IAB-Experten zufolge unbezahlte Zusatzstunden in mindestens der gleichen Größenordnung. Jede zweite Überstunde leisten die Arbeitnehmer demnach, ohne dafür bezahlt zu werden. Unbezahlte Überstunden fallen nach Angaben von DIW-Experten vor allem in Handel, Gastronomie, Banken und Versicherungen an. Rechnerisch leiste damit jeder Vollzeitbeschäftigte zwei Überstunden pro Woche.Doch liegt die tatsächliche Belastung von Vollzeitbeschäftigten mit Mehrarbeit eher bei sechs Stunden in der Woche. Denn nicht jeder Beschäftigte leistet überhaupt Überstunden.  zur Quelle

Welt 4.Oktober 2009. Immer weniger bezahlte Überstunden  
Achtung: Hier wird Verwirrung gestiftet
Die Zahl der bezahlten Überstunden in Deutschland fällt 2009 auf einen historischen Tiefstand. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet mit einem Rückgang um 27 Prozent auf 999,4 Millionen. Pro Arbeitnehmer fällt die Zahl der Überstunden so von 48,3 auf 35,4 im Jahr. „Ausschlaggebend ist in diesem Jahr die schlechte Konjunktur“. Generell gehe die Zahl der (bezahlten oder welche??) Überstunden im langfristigen Trend zurück. Seit der Wiedervereinigung hat sich die Zahl der (bezahlten oder welche??) Überstunden halbiert. „Mit dem Vormarsch der Arbeitszeitkonten ist die Bedeutung der bezahlten Überstunden gesunken.“   zur Quelle

  

Kap 4.3  Globalisierung       

Der weltweit intensivierte Waren- und Wirtschaftsverkehr ist grundsätzlich ein notwendiger und zwangsläufiger weltweiter Anpassungsprozess. Die Kritik richtet sich nicht gegen das "ob" sondern gegen das "wie". Der Export-Weltmeister Deutschland ist einer der Gewinner der Globalisierung. Er ist auf ausländische Kunden angewiesen. Wer Märkte erweitern oder neue erschließen will, muss gegebenenfalls auch vor Ort investieren, um kundennah agieren zu können. Damit stärkt ein Unternehmen seine internationale Wettbewerbsfähigkeit und sichert auch Arbeitsplätze. Die Gründung ausländischer Töchter kann zum Abbau von Arbeitsplätzen in Produktion oder Verarbeitung im Inland führen. Auf der anderen Seite braucht man bei einer Expansion über die Grenzen mehr gut ausgebildete Manager im Mutterhaus. In den 90er Jahren hat die deutsche Wirtschaft zwei Millionen Arbeitsplätze im Ausland geschaffen.
Entscheidend ist, warum sich ein Unternehmen im Ausland engagiert. Geht es darum, mehr Produkte überall auf der Welt abzusetzen, dann hat das meist keine nachteiligen Folgen für den hiesigen Arbeitsmarkt. Im Gegenteil.
Die Drohung von Wirtschaftsfunktionären aber, Firmen gingen weg, wenn die Lohnkosten nicht noch weiter gedrückt würden, hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking jüngst so kommentiert: "Wir verarmen, wenn wir asiatisch werden wollen." Soll heißen: Es ist volkswirtschaftlicher Unsinn, hierzulande Niedriglöhne zu zahlen, weil dann die Kaufkraft sinkt und die Hersteller ihre Waren nicht loskriegen.
Für transnationale Unternehmen mit Sitz in Deutschland oder in einem anderen Industrie- Land ist die Verlagerung der gesamten Herstellung nach Osteuropa oder in Entwicklungsländer (vornehmlich nach China) sehr vorteilhaft: Der Rückgriff auf Subunternehmer ermöglicht eine Senkung der Kosten und eine Steigerung der Flexibilität, weil viele Risiken auf die abhängigen Zulieferer abgewälzt werden können. Zugleich ist das "out-contracting" ein geeignetes Mittel, um sich der rechtlichen Verpflichtungen und der Verantwortung für all jene Arbeitskräfte zu entledigen, die zwar ökonomisch von den "Führungsfirmen" abhängig, in einem rechtlichen Sinne jedoch als unabhängig gelten. Die Verletzung von international geltenden "Kernarbeitsnormen" und von national geltendem Arbeits- und Sozialrecht bei Zuliefererbetrieben kann dann dem unterentwickelten Rechtsverständnis und defizitären Aufsichtsstrukturen in den so genannten "Billiglohnländern" angelastet werden.
Die Krise der globalen Arbeit besteht daher nicht allein in einer historisch einmalig hohen Arbeitslosigkeit (von 190 Millionen offiziell registrierten Arbeitslosen), sondern mehr noch darin, dass die Hälfte der Arbeiterschaft in der Welt (1,4 Mrd.) trotz z.T. härtester Arbeit nicht genügend verdient, um es über die Armutsgrenze von 2 Euro pro Tag und Person zu bringen.
Aus
"Arbeit und Globalisierung" von Dr. Birgit Mahnkopf   

 

 Globale Arbeitslosigkeit
Grund für die globale Arbeitslosigkeit bleibt völlig unberücksichtigt  in fast allen Debatten und Diskussionen.
          
Der Wohlstand wächst nicht länger mit der Produktivität
Das Industriezeitalter hat ausgedient. Die klassische Erwerbsarbeit, als Säule der Existenzsicherung, wird zunehmend ein Privileg für eine kleine elitäre, hochqualifizierte Arbeitnehmerschicht. Nur diese wird es zukünftig noch schaffen, von ihrem erwirschafteten Lohn/Gehalt tatsächlich ein selbstbestimmtes würdevolles Leben führen zu können. Automatisation, neue intelligente Software und Technologien werden in Bereichen eindringen, die auch die Facharbeiter und selbst so manche spezialisierten Arbeitnehmer zunehmend überflüssig machen.
          
Doch wie soll die Masse, der große Rest zukünftig ihr Brot verdienen?
Was ergeben sich daraus für Konsequenzen? Zumindest diese: Mit den bisherigen Konzepten und denen, die von der erzkonservativen Wirtschafts- und Volkswissenschaft unisono vorgeschlagen wird, kommen wir nicht weiter. Sie tragen nur dazu bei, die alte Ordnung mit ihrer Machtverteilung zu sichern. Genau da findet man auch die wirklichen Besitzstandswahrer, deren Berharrungswillen jeden Gewerkschafter um Längen übertreffen. Denn seit zwanzig Jahren wird eine Wirtschafts- und Finanzpolitik betrieben, die zuvorderst die Interessen der Wirtschaft bedient, aber nichts zur Verbesserung der Situation beigetragen hat. Im Gegenteil, das Ungleichgewicht zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist mittlerweile so groß geworden, dass Arbeitnehmer sich nur noch erpreßt sehen und zähneknirschend immer mehr bereit sind zu akzeptieren. Selbst wenn die Vorteile oftmals in keinem Verhältnis mehr dazu stehen. Von den 440 Milliarden Euro, um die Deutschland in den letzten 10 Jahren reicher geworden ist, ist bei ihnen jedenfalls kaum etwas angekommen.
Wenn der Schlüssel zur Schaffung neuer Arbeitsplätze nämlich nur in der Umsetzung der ständig geforderten Reformen liegen würde, müßten beispielsweise in Amerika paardiesische Zustände herrschen und eine traumhafte Beschäftigungsrate. Dort wurde und wird alles radikal umgesetzt, was der Marktfundamentalismus hergibt. Dank Bush gibt es da ja nun kaum noch Schranken. Doch die simple Wahrheit ist, auch amerikanische Arbeitnehmer - und eben auch Arbeitnehmer fast aller nationaler Ökonomien der Welt - machen harte Zeiten durch.
             
Weltweit gehen Millionen von Arbeitsplätze verloren
Denn Fakt ist, weltweit gehen Millionen von Arbeitsplätze verloren. Und selbst in Ländern wie China, gehen Millionen Jobs in Fabriken verloren. Diese werden nicht annähernd durch neugeschaffene Jobs in den chinesischen Zentren kompensiert. Ergebnis: Über 360 Millionen chinesische Wanderarbeiter buhlen um jeden Job, selbst wenn sie mit erbärmlichsten Bedingungen verknüpft sind. Es ist schon sehr bezeichnend, wenn mancher deutscher Manager von den traumhaften chinesischen Bedingungen schwärmt.
            
 Fazit: Das ganze Weltwirtschaftssystem muß kritisch hinterfragt werden.
Es ist ein Armutszeugnis par excellence, wenn alles nur noch auf die asoziale Formel >Hauptsache Arbeit< reduziert wird, aber man nicht darauf schaut, welche Qualität diese hat. Wenn wir weiterhin der fatalistischen Maxime der Wettbewerbsideologie folgen und uns nicht von der fatalen Spirale immerwährenden Wirtschaftswachstums ( was ja längst Teil des Problems ist )befreien und auch die Zinswirtschaft angehen, geraten wir in eine Sackgasse und das ganze System wird zwangsläufig Kollabieren - mit verheerenden Folgen.
Die Weltwirtschaft befindet sich mitten in einer radikalen Veränderung der Natur der Arbeit selbst - mit tiefgreifenden Konsequenzen für die Zukunft der Gesellschaft. Die billigsten Arbeiter der Welt werden nicht so günstig sein wie die Technologie, die herankommt, um sie zu ersetzen.
Derzeit erleben wir, wie ein totalitäres System ein anderes ersetzt und sich anschickt, den ganzen Globus in seinen Griff zu bekommen. Und es ist längst keine pessimistische Chimäre mehr: Die totale Ökonomisierung wird für die meisten Menschen - und unserer Gesellschaft! - zu einer immer größeren Bedrohung. Mit der stets geforderten Anpassung an neoliberale Konzepte, wird diese nicht gelöst, sondern nimmt sie stetig zu.          
  Beitrag von "sysop" -  Aus einem Spiegel-Forum

Globalisierung. Daten und Fakten
 

 

Auslagerung der Produktion ins Ausland
Die Globalisierung ist der Jobkiller Nummer 1 und Hauptursache der Massenarbeitslosigkeit glauben viele.
Die
FAZ berichtete am 14. Juni 2005 in einem Artikel über Globalisierungsauswirkungen auf die Textilindustrie: "Die Billigkonkurrenz aus Osteuropa und Asien hatte einen dramatischen Aderlaß in der Textil- und Bekleidungsindustrie zur Folge. „In den zehn Jahren bis 2003 gingen in Europa eine Million Stellen verloren. Im Jahr 2004 waren es nochmals 165000 Stellen",  so derTextilverband Euratex. Die einstmals so stolze Branche - ein Schatten ihrer selbst - beschäftigt in ganz Europa noch 2,5 Millionen Menschen und setzt rund 215 Milliarden Euro um. Hiesige Textil- und Bekleidungsindustrie  - in 35 Jahren ist die Mitarbeiterzahl um vier Fünftel geschrumpft. Von 385.000 Beschäftigten im Jahr 1970 sind heute noch 42.500 übrig geblieben - mit weiter sinkender Tendenz. „Die Bekleidungsindustrie produziert heute zu 95 Prozent im Ausland”.
Was allerdings nicht im Bericht erwähnt ist: Diese Arbeitsplatzverluste beinhalten erhebliche Automatisierungs- und Rationalisierungseffekte der Textilindustrie, die bereits im heimischen Markt wirksam wurden.
Zum Beispiel Textilbetrieb F. A. Kümpers, Rheine,1984:
>>Mehr als 120 moderne Webmaschinen sind im Einsatz, 15 weitere Maschinen neuester Bauart, Marke "Sulzer", werden gerade aufgestellt. Sie weben bis zu 60 000 Meter Stoff am Stück auf gewaltige Tuchrollen, sechs Tage in der Woche, insgesamt 144 Stunden lang. Kaum noch 100 Beschäftigte kümmern sich in vier Sechs-Stunden-Schichten um die Produktion. Rund 20 Millionen Mark hat Kümpers in den letzten Jahren in neue Maschinen, Automaten, Roboter und Computer gesteckt. Die Belegschaft der Spinnerei und Weberei wurde, bei gleichbleibender Produktion, seit 1970 von 1700 auf 800 gedrückt. Auch künftig will Kümpers Personal durch Rationalisierung einsparen, zur "weiteren Steigerung unserer Produktivität".<<  Zur
Quelle  

Zu welchen Arbeits- und Lebensbedingungen die Billiglohn-Produktion realisiert wird, berichtet die
FAZ im Mai 05 am Beispiel der jungen Chinesin Frau Li: Sie ist fleißig, schläft in einem Schlafsaal neben der Fabrik und fährt nur in der "Golden Week" für ein paar Tage in ihr Heimatdorf. Sechs Tage in der Woche arbeitet sie für einen guten Euro pro Stunde unter Neonlicht, vor ihr und hinter ihr die Reihen der anderen Näherinnen...  
Und es geht um den Marktkampf zwischen China und dem Westen...

        WEITERE BEISPIELE ERGÄNZEN

 

Kap 4.4  Technischer Fortschritt - Steigende Produktivität

Wachstum ohne Beschäftigung
Die technische Entwicklung ermöglicht nie gekannte Produktivitätssteigerungen. Die fortschreitenden Automatisierung betrifft alle Bereiche, Industrie, Dienstleistung und Landwirtschaft. Hochintegrierte Mikroelektronik ermöglicht Entwicklung neuer Produkte mit dramatisch abnehmendem Fertigungsinhalt. Fortschreitende Automatisierungen der arbeitsintensiven Fertigungsprozesse führen zusätzlich zu Arbeitsplatzreduzierungen und Konzentrationen auf immer weniger Standorte. EDV-Programme ersetzen zunehmend geistige Routinearbeiten und damit Beschäftigte in Industrie, Verwaltung, Versicherungs- und Finanzwirtschaft, Dienstleistungsgewerbe bis in Handwerker-Büros. Die Zunahme hochautomatisierter Produktionsanlagen, großer Datenbanken, überhaupt kapitalintensiver Einrichtungen, erhöht den Anteil an Schichtarbeitsplätzen.
Der Fortschritt der Informationstechnologie hat diesen Prozess wesentlich verstärkt, so dass der Dienstleistungssektor nicht wie vor kurzem noch propagiert "freigesetzte" Arbeitnehmer  aufnehmen kann. Es fallen nicht nur einfache Arbeitsplätze mit Routinetätigkeiten in Fabrikation und Büros weg, auch komplette Verwaltungsebenen, komplette Fabriken und auch komplette Firmen durch den aufgrund von Überkapazitäten verschärften Wettbewerb. Steigende Umsätze bedeuten nicht automatisch zunehmende Beschäftigungszahlen. Das ist der wesentliche Unterschied zu früheren Zeiten: Technische Erfindungen und Verbesserungen sind  von Anfang an mit der menschlichen Entwicklung verknüpft, wenn auch in diesen Ausmaßen erst im 18. und 19. Jahrhundert mit der ersten industriellen Revolution. Bisher konnten diese Produktivitätsfortschritte durch mehr Umsatz oder Ausweichen in andere Tätigkeitsfelder ausgeglichen werden. Heute würde Vollbeschäftigung durch Produktivitätssteigerung Wachstumsraten erfordern, die ein hohes Produkt-Überangebot zur Folge hätte.
Die Zeiten, in denen die Zahl der bei einem Konjunkturaufschwung neugeschaffenen Arbeitsplätze größer war als die Zahl der zuvor durch Rationalisierungen vernichteten Arbeitsplätze (oder zumindest gleich groß), sind seit Mitte der 1970er Jahre vorbei. Unter dem Strich sinkt die Zahl der Arbeitsplätze: Das Arbeitsvolumen ist kontinuierlich gefallen  trotz parallel deutlich steigender Wertschöpfung.

Steigende Produktivität der Arbeit führt immer weniger dazu, dass neue, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze entstehen. Ganz im Gegenteil, tagtäglich ist in den Zeitungen zu lesen, dass namhafte deutsche Unternehmen, die Milliardengewinne einfahren, Stellenstreichungen ankündigen, die oftmals weit mehr als 10 Prozent der Belegschaften betreffen. Wenn indes neue Stellen geschaffen werden, weisen diese in aller Regel ein oder gleich mehrere Merkmale der Prekarität auf; vor allem aber liegen die Verdienste bei den neuen Jobs meist unter den Einkommen, die auf den "guten", nunmehr wegrationalisierten Arbeitsplätzen erzielt wurden.
 

Häufig wird die Entwicklung des technischen Fortschritts dargestellt anhand der Arbeitsplätze. Das ist bezüglich des Arbeitsvolumens nicht eindeutig aussagekräftig,
weil nicht bekannt ist, wie vielen Arbeitstunden der gezählte Arbeitsplatz entspricht

 

Einige Daten und Angaben zum technischen Fortschritt und Verlust von Arbeitsplätzen
Die Erwerbsarbeit wird weniger. Von den etablierten Parteien und der Wirtschaft wird das marginalisiert oder totgeschwiegen. Allenfalls wird die stärkere Abnahme "niedrigqualifizierter Arbeit" mit Hinweis auf "Zunahme höher qualifizierter Arbeit" vernebelt. Bei den Recherchen über quantitative Aussagen und Statistiken zu Produktivitätsentwicklung und technischem Fortschritt war auffällig, dass fast keine aktuellen Daten öffentlich zugänglich sind. Eine Bibliotheksrecherche hierzu bei der Friedrich Ebert Stiftung verlief ergebnislos. Dokumentationen des Mainstreams, professoralen Gutachten und Wirtschaftsstudien ist oft ein Phänomen gemeinsam: Nach dem obligatorischen Dementi zum dominierenden Einfluss der Produktivität auf die Massenarbeitslosigkeit, folgt eine ausgiebige Auseinandersetzung mit möglicher künftiger Ersatzbeschäftigung für sozialversicherte Erwerbstätigkeit.


Zweifellos ist der Arbeitsmarkt vielen Einflüssen mehr oder weniger ausgesetzt:

Dominierenden Einfluss auf die Massenarbeitslosigkeit hat die technische Entwicklung mit stetig zunehmender Produktivität:   Wachstum ohne Beschäftigung.

Es kann immer mehr produziert werden mit immer weniger Menschen.
Das Arbeitsvolumen nimmt ab trotz steigender Wertschöpfung.
 


Kontinuierliche Abnahme der gesellschaftlich notwendigen Arbeit (im Sinne der Erwerbsarbeit) in unserer hochentwickelten Gesellschaft in Folge einer enormen Produktivitätssteigerung:
In der Zeit von 1970 bis 1995 ist in Deutschland das Sozialprodukt pro Kopf der Bevölkerung um 60% gestiegen, gleichzeitig ist die dafür notwendige Arbeitszeit um über 20% gesunken
(Kommission fürZukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen, Teil 2 1997)

Erwerbsarbeitsvolumen
1966 in Deutschland 54 Mrd. Stunden, 1976:   47 Mrd. Stunden oder  -13%.
Bis 1986 sank es weiter auf 45 Mrd. Stunden, ein weiterer Rückgang um 4%.
Insgesamt ist das Arbeitsvolumen in Westdeutschland von 1966 bis 1996 um 20% zurückgegangen.  
Von 1966 bis 1991 verdoppelt sich das Bruttosozialprodukt von 1.300 Mrd. DM real auf 2.600 Mrd. DM.
In demselben Zeitraum verringert sich das Arbeitsvolumen, das zur Erstellung des BSP aufgewandt worden ist, um 20%.  zur
Quelle  

In den 20 größten Volkswirtschaften der Welt wurden zwischen 1995 und 2002 in der Produktion 31 Mio Stellen gestrichen. Im gleichen Zeitraum verlor China über 15 Millionen Fabrikarbeitsplätze.
Quelle: "Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft" Buch von Jeremy Rifkin, 2005*.
Jeremy Rifkin ist ein US-amerikanischer Soziologe, Ökonom, Publizist . Er unterrichtet unter anderem an der Wharton School der Universität von Pennsylvania und ist Berater diverser Regierungen und auch der EU-Kommission.
 

Lothar Späth und der frühere McKinsey-Manager Herbert A. Henzler haben im Jahr 1993 eine Berechnung angestellt: Was würde passieren, schöpfte man das technisch machbare Automationspotenzial in der Bundesrepublik voll aus? Die Antwort: Eine Arbeitslosigkeit von 38 Prozent wäre normal.
Eindrucksvoll bestätigte eine weitere Studie der Universtität Würzburg im Jahr 1998 die Annahme der Autoren: Allein im Bankensektor liegt das Automationspotenzial bei mehr als 60 Prozent, im Handel immer noch bei mehr als der Hälfte des gegenwärtigen Beschäftigungsstands. In diesen und vielen anderen Sektoren ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Potenziale ausgenutzt werden.  
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Maschinen statt Menschen - eine Automatisierungswelle rollt durch die deutschen Unternehmen. Computer, Roboter, Automaten - die Chip-Revolution hat Deutschlands Industrie mittlerweile voll erfaßt. Es wird rationalisiert wie wohl noch nie, die Intelligenz-Maschinen nehmen den Menschen die Arbeit ab. Spiegel, 1984    zur
Quelle
 
Nach dem industriellen Kahlschlag im Osten fallen nun auch im Westen Hunderttausende von Arbeitsplätzen weg. 1993 sind es mehr als 35 000 in der chemischen Industrie, bis zu 80 000 in der Elektrobranche und mindestens ebenso viele in den Autofirmen. Stahlkonzerne, der Bergbau und die Textilindustrie schrumpfen weiter. Selbst gut verdienende Dienstleistungszweige wie Banken und Versicherungen machen in dem bedrückenden Wettlauf mit; straffere Organisation und Einsatz von Computern kippen in den nächsten Jahren Zehntausende von Jobs.  Spiegel, 1993   zur
Quelle  

Als die Digitale Revolution und die Globalisierung in den 1990er Jahren ihren Siegeszug antraten, sagten Zukunftsforscher den Weg in eine 20:80 Gesellschaft voraus. Nur 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung würden im 21. Jahrhundert ausreichen, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten. 80 Prozent der Bevölkerung wären demnach arbeitslos und müssten mit "Tittytainment" bei Laune gehalten werden. Da die Ursachen für diese Entwicklung weniger im globalen Handel, als vielmehr im technischen Fortschritt liegen, wird die ...
Quelle: Von der Finanzkrise in die 20:80 Gesellschaft - telepolis - Jens Berger 09.12.2008

 

 

Kap 4.5  Erwerbsbeteiligung von Ausländern - Zuwanderung     

Zuwanderung ist aus Sicht vieler Deutscher gleichbedeutend mit steigender Arbeitslosigkeit und verbunden mit einer verbreiteten Angst vor "Überfremdung". Durch diese Assoziation ist  "Einwanderung" zu einem sensiblen Thema in der Öffentlichkeit geworden, das häufig, insbesondere in Wahlkämpfen, nicht nur von rechtsextremen Politikern missbraucht wurde. Ganz sicher aber hat der weitere Zuzug von Arbeitskräften auch negative Auswirkungen auf unseren Arbeitsmarkt, seit wir hohe Arbeitslosigkeit haben.   mehr

EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit
Bei der Dienstleistungsfreiheit und Arbeitnehmerfreizügigkeit gibt es allerdings für die meisten Beitrittsländer* (Mitgliedschaft seit 2004 bzw. 2007) noch Beschränkungen, die für die Dauer einer Übergangsfirst bis 2011 aufrechterhalten werden. Diese Grundfreiheit ermöglicht es EU-angehörigen Arbeitnehmern, sich frei – das heißt konkret ohne Visum und ohne Aufenthaltserlaubnis – auf dem Gebiet der gesamten EU nach Arbeitsplätzen umschauen zu dürfen. Für Angehörige der Beitrittsländer (mit Ausnahme von Zypern und Malta) gilt jedoch bis 2011 die Übergangsregelung. In Deutschland müssen diese Arbeitnehmer bei der Arbeitsagentur eine Arbeitserlaubnis-EU beantragen, die befristet und beschränkt erteilt wird, wenn keine bevorrechtigten geeigneten Arbeitnehmer auf dem heimischen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.  Quelle
Handelskammer Hamburg   
*
Tschechische Republik, Polen, Lettland, Slowakei, Estland, Litauen, Slowenien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien; keine Beschränkung für Malta und Zypern.

Dienstleistungsrichtlinie oder Bolkestein - Richtlinie
Darunter fallen weite Bereiche der Daseinsvorsorge wie Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft, Gesundheit, Bildung und Sozialdienstleistungen.
Der Verzicht auf das Herkunftslandprinzip – Augenwischerei?
Anfangs sollten Dienste nach dem Recht ihres Herkunftslandes angeboten werden dürfen. Dagegen opponierten Gewerkschaften, Globalisierungskritiker und Berufsgenossenschaften, die Lohndumping und Außerkraftsetzung deutscher arbeitsrechtlicher Standards befürchteten. Gemäß eines Rechtsgutachtens wurde das Herkunftslandprinzip jedoch nur eingeschränkt, aber keineswegs abgeschafft. Laut ver.di bestehe zwar ein Vorrang des Entsendegesetzes gegenüber dem Herkunftslandprinzip, in Deutschland gelte dies aber lediglich für wenige Branchen. Darüber hinausgehende Tarifverträge seien für ausländische Dienstleister generell verpflichtend, dies treffe aber bloß für ca. 2 % aller deutschen Tarifverträge zu. Des Weiteren fallen nach dem Votum des Binnenmarktauschusses Zeitarbeitsfirmen in den Anwendungsbereich der DL-RL und nicht unter die Leiharbeiterrichtlinie, nach welcher für Leiharbeiter die gleichen Arbeitsbedingungen gelten wie für Festangestellte.
DL-RL fördert Unterbietungswettlauf
Mit der DL-RL werden nationale Vorschriften und bürokratische Sicherungen weitgehend abgebaut, die unter Unternehmern in der EU als Hindernisse für die wirtschaftliche Entwicklung gelten und deshalb verschwinden müssen. Dabei wurde außer Acht gelassen, dass auch und gerade eine funktionierende Marktwirtschaft eines verlässlichen rechtlichen Rahmens bedarf, damit soziale, ökologische und rechtliche Standards eingehalten werden.
DL-RL greift tief in nationale Rechtsprechung ein

Der DGB sieht die Ausnahme bestimmter strafrechtlicher Verfolgung als nicht vereinbar mit dem deutschen Grundgesetz. In Deutschland betreffe das beispielsweise Strafbestimmungen gegen unerlaubten Arbeitnehmerverleih, diverse Bestimmungen zur Schwarzarbeit und Teile des Arbeitnehmerentsendegesetzes. Damit wäre nach Ansicht der Gewerkschaft ein im Inland ansässiger Täter bei einem Inlandsverstoß verfolgbar, ein vom Ausland her operierender Täter, der die Tat hier begeht, dagegen nicht mehr. IG-Bau und DGB sehen darin einen klaren Verstoß gegen das Territorialitätsprinzip im Strafrecht und die allgemeine Gleichheit vor dem Gesetz. Deshalb bestehe, nach Ansicht der Gewerkschaften, die Gefahr, dass die Bestimmungen der DL-RL über Kontrollen und Strafrecht zu einem Dammbruch führen, der den Schutz der Bürger in zentralen Bereichen gefährde und gesetzestreue Inländer diskriminiere. Nach den Erfahrungen der IG-Bau tendieren die meisten Anbieter aus mittel- und osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten dazu, nicht nach den legalen Regeln zu operieren, sondern hiesige Mindeststandards systematisch zu missachten und zu umgehen. Deshalb sei in der Kombination dieser Vorgänge ein ruinöser Preiswettbewerb zu erwarten, der selbst durch die Mindestlöhne am Bau und in der Gebäudereinigung nicht effektiv verhindert werden könne.
Zweifelsohne ist die DL-RL ein radikaler Angriff auf unsere sozialen, ökologischen und arbeitsrechtlichen Errungenschaften, denn Gehälter und Löhne geraten in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale.

Quelle Nachdenkseiten

 

Einwanderungsgesellschaft Deutschland - Wege zu einer sozialen und gerechtenZukunft   
  
Dokumentation der Friedrich-Ebert-Stiftung

 

Kap 4.6  Erwerbsbeteiligung von Frauen

Der Eindruck der starken beruflichen Integration von Frauen relativiert sich, wenn man die Arbeitszeit und das Arbeitsvolumen als Kriterium hinzuzieht. Frauen stehen nämlich häufiger als Männer in Teilzeitbeschäftigungen und geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen, wenn diese das jeweils einzige Beschäftigungsverhältnis sind.
Frauen erwerben immer häufiger einen hochwertigen Bildungs- und Ausbildungsabschluß, der sie zur Aufnahme einer Berufstätigkeit motiviert. Auch spielt das Ziel ökonomischer Unabhängigkeit bei gewachsenem gesellschaftlichen Selbstbewußtsein von Frauen ("emanzipatorischer Trend"), gestiegener Zahl weiblicher Single-Haushalte und angesichts materieller Risiken im Zuge hoher Scheidungsraten eine wesentliche Rolle. Je gefährdeter der Arbeitsplatz des Mannes erscheint, je fraglicher Einkommenssteigerungen werden, um so mehr wächst das Bedürfnis zusätzlicher  finanzieller Absicherung durch Erwerbsbeteiligung von Frauen.
Für die Mehrheit der Frauen ist ökonomische Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung im Beruf unverzichtbar, aber für einen Teil und auch zeitlich begrenzt keine Erwerbstätigkeit wg Kindererziehung und Selbstverwirklichung in Haustätigkeit und sozialen Nichterwerbs-Betätigungen, wenn zusätzliche finanzielle Absicherung nicht notwendig ist.   
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Die zugenommene Erwerbsbeteiligung von Frauen hat andererseits auch Rückwirkung auf die Kaufkraft und steigende Umsätze zur Folge. Und nicht zu knapp. Wenn wir an unsere Frauen denken, die morgens vor vollen Kleiderschränken mit "nichts zum anziehen" stehen, abends den nächsten Konsumschub auslösen. Mit dem Hintergrund der eigenen Erwerbstätigkeit sind die Frauen die Antreibenden und die männliche Verweigerung: "Neue Küche? Brauchen wir nicht!" bleibt heutzutage meist chancenlos. Ob eigenes Auto oder Erneuerung der Wohnungseinrichtung, viel öfter können Frauen aufgrund ihrer Erwerbsbeteiligung Kaufentscheidungen veranlassen. Das kompensiert einiges auf dem Arbeitsmarkt. Was bleibt ist die Auswirkung des technischen Fortschritts, der Produktivitätssteigerung: Umsatzsteigerung ohne Beschäftigungseffekt.

  

Kap 4.7 Schwarzarbeit  

Wie häufig in der Diskussion um den Arbeitsmarkt in Deutschland, haben wir es auch beim Thema Schwarzarbeit mehr mit Mythen, als mit Fakten zu tun. Das Besondere ist in diesem Fall, dass alle gesellschaftspolitischen Akteure – auch die Gewerkschaften – nicht sonderlich an einer realistischen Sichtweise interessiert scheinen. Schließlich ist Schwarzarbeit häufig mit illegaler Beschäftigung zu Dumpinglöhnen verbunden. Gerade an deren Bekämpfung sind natürlich auch die Gewerkschaften interessiert. Wenn es auf deutschen Baustellen, neben den 2,3 Millionen offiziell Beschäftigten, 6 Millionen Vollzeit-Schwarzarbeiter gäbe, müsste es doch sehr einfach sein, wenigstens 5 Millionen davon zu finden und sie bzw. ihre Auftraggeber zu bestrafen. Dass dies nicht gelingt, zeigt wie unrealistisch diese Zahlen sind, macht aber das Vorgehen gegen Schwarzarbeit nicht unnötig. Wenn der Staat gegen die Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben vorgeht, ist dies zu begrüßen...
  
nds - Schwarzarbeit in Deutschland oder die langen Schatten des Prof.Schneider             

 

Kap 4.8 Steuer- und Finanzpolitik

Keine Frage, die gewaltige Staatsverschuldung muss eingedämmt werden. Sie dient als Begründung für die Demontage des Sozialstaates und sie beschränkt die Handlungsfähigkeit unseres Staates. Unser Staat braucht hinreichende Finanzmittel, um seine Aufgaben erfüllen zu können.
Die Finanzkrise der öffentlichen Haushalte ist - ganz im Gegensatz zur herrschenden Meinung - nicht durch gestiegene Ausgaben, sondern durch zu geringe Einnahmen verursacht.
Die zunehmende Verschuldung ist wesentlich auf die seit Jahrzehnten unzureichende Besteuerung der Einkommen aus Unternehmertätigkeit & Vermögen zurückzuführen. So sanken zum Beispiel der Spitzensteuersatz von 53 auf 42 Prozent, die Körperschaftssteuer von 42 auf 25 Prozent. Die öffentlichen Haushalte stützen sich in wachsendem Maße auf Einnahmen aus der Lohnsteuer und der in 2007 von 16 auf 19% erhöhten Mehrwertsteuer. Die stagnierenden oder gar sinkenden Reallöhne, die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und die fortschreitende Vernichtung regulärer Arbeitsplätze zu Gunsten von unterbezahlten Arbeitsgelegenheiten ohne Sozialbeiträge  führen ebenfalls zu sinkenden Staatseinnahmen. Eine direkte Folge der Regierungspolitik, da sie insbesondere durch die Hartz-Reformen, aber auch durch andere Maßnahmen wie Privatisierungen, Lockerung des Kündigungsschutzes, Anhebung der Wochenarbeitszeit im Öffentlichen Dienst etc. diese Entwicklung gefördert hat. Resultat dieser Umverteilung ist, dass die Unternehmen Rekordgewinne melden und die Zahl der Millionäre in der Bundesrepublik so hoch wie nie zuvor ist, während gleichzeitig nicht nur die öffentlichen Kassen verschuldet, sondern die arbeitende Bevölkerung sowie die Rentner und Arbeitslosen insgesamt mit einem kontinuierlich sinkenden Lebensstandard konfrontiert sind.
Effektive volkswirtschaftliche Gegensteuerung von Massenarbeitslosigkeit, Schwächung unserer Sozialsysteme und des Binnenmarktes erfordern aber einen finanzstarken Staat. Die dazu nötige Finanzkraft ist vorhanden, siehe auch Kapitel 2 "Der Reichtum der Bundesrepublik".
Dem Staat gehen jährlich Milliarden durch Steuerhinterziehung, Subventionsbetrug, Schattenwirtschaft und Vollzugsdefizite verloren. Dazu kommt eine Politik, die seit vielen Jahren einseitig Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen steuerlich begünstigt. "Deutschland ist eine Steueroase für Großunternehmen", urteilt der Wiesbadener Steuerexperte Lorenz Jarass.   
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Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland wächst. Meldung vom 15. Juni 2010.
Die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die sich auf den Zeitraum 2000 bis 2009 bezieht, stelle eine deutliche Polarisierung der Einkommen fest: „Auf der einen Seite steigt die Zahl der Menschen, die im Luxus leben, und auf der anderen Seite die Zahl derjenigen, die mit niedrigem Einkommen auskommen müssen oder sogar arm sind“, schreiben die DIW-Forscher laut „SZ“ . Der besorgniserregende Trend werde vom Sparpaket der Bundesregierung verschärft, das hohe Einkommen verschone und niedrige Einkommen belaste, kritisieren die Ökonomen.  
Zur Quelle    

Diese Meldung steht in einer langen Tradition.
So hieß es bereits 1998 in einer empirischen Untersuchung zur Steuerlast-Verteilung in Deutschland der Friedrich-Ebert-Stiftung für den Zeitraum 1983 bis 1993:
Umverteilung der Abgabenlast zugunsten von Unternehmen und Selbständigen.
Die Belastung der oberen Einkommen ist seit 1983 rückläufig. Legale Steuervermeidung begünstigt hohe Einkommen. Die Entlastung bei Unternehmen, Selbständigen und Vermögenden hat schon vor Jahren eingesetzt und inzwischen ein Ausmaß erreicht, das schon lange Behauptungen über eine "wirtschaftsschädliche" Besteuerung in Deutschland gegenstandslos macht - und Klagen über hohe (Spitzen-)Steuersätze bei gleichzeitigem Verschweigen der schrumpfenden  Steuerbemessungs - Grundlagen als immer offenkundigere Strategie zur Durchsetzung von noch mehr Entlastung offenbart.
Da die behaupteten Vorteile solcher so lange bestehender Steuerentlastungs - Politik ausgeblieben sind: Verstärkte Realinvestitionen im Inland und zusätzlich vermehrte Arbeitsplätze,
gibt es für diese Entlastungspolitik oder gar für ihre Fortsetzung auch keine ökonomische Rechtfertigung.
Bis heute läßt sich international die Behauptung nicht belegen, daß sich niedrigere Steuerlasten in mehr Wachstum und Wohlstand auf gesamtwirtschaftlicher Ebene ummünzen. Die legale Steuerentlastung darunter hat übrigens auch nicht zur Eindämmung von Steuerhinterziehung oder auch von Steuerflucht geführt; im Gegenteil haben sich illegale Gestaltungspraktiken verstärkt.   
Zur Quelle      

Bundeskanzlerin Angela Merkel am 5.6.2010:
Man könne nicht immer nur die Einnahmenseite erhöhen.
(
Sie setzt weniger auf Steuererhöhung und will vor allem bei Sozialausgaben sparen).
Die Wirklichkeit sieht anders aus:
Koalitionen kamen und gingen in Berlin. Stets war oberste Priorität, die Steuern für Gutverdiener und Unternehmen zu senken. Die Verluste für den Staat durch die Steuerreformen seit 1998 summieren sich nach Berechnungen des gewerkschaftsnahen Instituts IMK auf 50 Milliarden Euro pro Jahr. Ohne diese permanenten Steuerentlastungen bräuchte der Finanzminister heute kein Sparpaket. Hätte die Politik nicht immer wieder die mittleren und oberen Einkommen begünstigt, müsste sie heute nicht bei Arbeitslosen und Familien kürzen. Durch diese politischen Entscheidungen über mehr als ein Jahrzehnt sind nicht nur Bund, Länder und Gemeinden verarmt. Auch die Fähigkeit des Staates, für einen Ausgleich zu sorgen, schrumpfte. Diese Politik lässt den Staat verarmen.   
Zur Quelle   

Wie unser Abgabensystem privaten Reichtum fördert und das Gemeinwesen verarmen lässt
 http://www.monde-diplomatique.de/pm/.dossier/finanzen.id,200910090031

Video      Sparen zulasten der Armen?   
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/1065102

Video     Reiche: Verschont vom großen Sparen, 8.Juni 2010  http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/1065022

Video     Professor Jarass: "Ein absoluter Skandal"
 
 
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1064054/Professor-Jarass-Absoluter-Skandal?flash=off
http://www.youtube.com/watch?v=6cKTAVQfeEY
 

Milliarden-Subventionen für Reeder und Schiffsfonds ohne Gegenleistung  Mai 2011
1999 gab die rot-grüne Bundesregierung den Lobbyforderungen der Reeder nach, indem sie die Tonnagesteuer einführte. Bei der Tonnagesteuer entfällt die Besteuerung auf die tatsächlichen Gewinne aus dem Reedereigeschäft und wird durch eine – lächerlich geringe –
Pauschalsteuer ersetzt. Anbieter von Schiffsfonds sprechen in diesem Zusammenhang von Ausschüttungen, die „so gut wie steuerfrei“ sind. Da die Flotte der deutschen Reeder zum Großteil nicht den Reedern, sondern vermögenden Investoren gehört, die sich über geschlossene Fonds an Schiffen beteiligen (ab 50.000 €), stellt die Tonnagesteuer de facto eine teilweise Steuerbefreiung für sehr reiche Bürger dar. Da diese Einnahmen eigentlich zum regulären Einkommenssteuersatz oder zumindest in Höhe der Kapitalertragssteuer versteuert werden müssten, entgehen dem Staat durch diese Subvention, je nach konjunktureller Lage, jährlich bis zu eine Milliarde Euro.
Es ist nicht hinnehmbar, dass ein paar Dutzend millionenschwere Reeder und einige Tausend reiche „Investoren“ durch eine mehr als großzügige Ausnahmeregelung für ihre Einkünfte beinahe keine Steuern zahlen müssen. Ohne Not und ohne echten Grund hat sich Bundeskanzlerin Merkel am 29. Mai 2011  
bereiterklärt, die milliardenschwere Subventionierung über die Tonnagesteuer auch künftig unangetastet zu lassen...   Zur Quelle    Siehe auch Wer sind hier eigentlich die Piraten? Telepolis, 27.01.2011   

 

Steueroase Deutschland.  August 2009
Während deutsche Angestellte dem Fiskus wehrlos ausgeliefert sind, rechnen sich Millionäre und Unternehmen mit Hilfe aggressiver Steuermodelle künstlich arm - und das alles ganz legal. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) errechnete, dass zwischen den nachgewiesenen Profiten der Kapital- und Personengesellschaften und den steuerlich erfassten Gewinnen eine Lücke von 100 Milliarden Euro klafft. "Dies deutet auf Steuervergünstigungen und Gestaltungsmöglichkeiten hin, mit denen die Unternehmen ihre steuerpflichtigen Gewinne herunterrechnen oder ins Ausland verlagern".  
Mehr  


Steuerhinterziehung – ein Spiegelbild gesellschaftlicher Verhältnisse   
Ohne sich in die Details des Steuerrechts oder der Steuerfahndung vertiefen zu müssen, ist offensichtlich, dass das geradezu zu einem Grundrecht hochstilisierte Steuer- und Bankgeheimnis der Schutzschild für Steuerhinterziehung und für die Verlagerung von Geld und Vermögen in Steueroasen ist Dabei wird unter dem Pathos des Schutzes der „Privatsphäre“ vertuscht, dass das Steuergeheimnis nur eine Einkommensform privilegiert, nämlich die aus Geld- und Kapitaleinkommen. Jeder normale Gehalts- und Lohnempfänger ist in seinen Einkommensverhältnissen bereits heute vor den autorisierten Steuerbehörden „gläsern“. In Schweden, wo es überhaupt kein Steuergeheimnis gibt und wo die Steuererklärungen prinzipiell öffentlich sind. Im „Taxeringskalender“ kann dort von jedermann nachgelesen werden,
wer tatsächlich wieviel Steuern zahlt.

 

Steuerhinterziehung - eine Beichte      
Seit die CD mit Steuerdaten auf dem Markt ist, packt viele Steuerhinterzieher das schlechte Gewissen. Mehr als 400 Bürger haben sich bisher selbst angezeigt. Sie müssen zwar Steuern nachzahlen, gehen aber straffrei aus. Die Beichte eines Schwarzgeldhinterziehers.


 Kein Subventionsabbau 08.06.2010
Das Sparpaket der Bundesregierung klammert den Subentionsabbau weitgehend aus. Dabei ließe sich hier viel Geld einsparen. Im Jahr 2009 summierten sich die Subventionen auf 112,5 Milliarden Euro. Weitere 52,3 Milliarden entfielen auf Steuererleichterungen, so dass insgesamt 164,8 Milliarden Euro an Steuermitteln eingesetzt worden sind. Der Bundeshaushalt hatte im gleichen Jahr ein Budget von 288 Milliarden Euro. Steinbrück und Koch schlugen 2003 vor, die Subventionen in den vor ihnen liegenden drei Jahren pauschal um jeweils vier Prozent zu kürzen. Die Sparvorschläge über jeweils 16 Milliarden Euro wanderten in den Papierkorb*. Auch bei der Sparrunde im Frühjahr 2010 von Schwarz-Gelb hat die Regierung die meisten Subventionen unangetastet gelassen. Das hat lautstarke Kritik von Opposition und Gewerkschaften hervorgerufen, die ihrerseits eine sehr viel stärkere Belastung der Einkommmensstarken fordern.  
Zur Quelle                
*
Wir erinnern uns, unter dem Schlagwort "Subventionsabbau" kam nach Angela Merkels Regierungsantritt zuallererst für alle Arbeitnehmer die Kürzung von Km-Pauschale, Sparerfreibetrag, Streichung der Absetzbarkeit des Arbeitszimmers und der Bergmannsprämie. 

Unternehmensteuerreform 2008
Die Unternehmensteuerreform 2008 kostet nicht – wie behauptet – 5 Mrd. €, sondern deutlich über 10 Mrd.€ pro Jahr. Sie hat schädliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze und ökonomische Stabilität: Die steuerliche Privilegierung von Krediten gegenüber Eigenkapital wird verstärkt, Arbeitsplatzexport und "Heuschrecken" werden weiter steuerlich begünstigt.   
Zur Quelle  

Verschuldung der Kommunen
12. März 2010. Mit der Finanzkrise und dem Steuersenkungsprogramm der Bundesregierung hat sich die Haushaltslage der Kommunen drastisch verschärft. Besonders hart sind zahlreiche Kommunen in Ostdeutschland und im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen betroffen. Die Verschuldung der Kommunen, für die nun die Bevölkerung zur Kasse gebeten wird, ist kein Naturereignis und auch nicht erst durch die Finanzkrise 2008 entstanden. Als Ausweg aus der Zwickmühle zwischen zunehmenden Ausgabenverpflichtungen wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und Armut und sinkenden Einnahmen haben die kommunalen Kämmerer öffentliche Betriebe und wertvolle Grundstücke privatisiert bzw. verkauft und schließlich selbst am finanziellen Roulette an den Börsen teilgenommen, natürlich ohne dabei die Taschen der eigenen lokalen Klientel zu vergessen. Dubiose Cross-Boarder-Leasing-Geschäfte (CBL), bei denen Klärwerke, Kanalsysteme, Trinkwassersysteme, U-Bahnen und andere wichtige Einrichtungen an US-"Investoren" verkauft und dann vom neuen Eigentümer geleast wurden, führen heute zu neuen Kostenbelastungen. Andere Kommunen haben große Summen öffentlicher Gelder an der Börse durch zweifelhafte Anlagen verloren. Wie der Deutsche Städtetag berichtet, sind die kommunalen Einnahmen im Jahr 2009 insgesamt um etwa 3,6 Milliarden Euro zurückgegangen.
Zur Quelle  
 

4.9      Finanzkrisen


  “Vom organisierten Geld regiert zu werden,
            ist genauso schlimm wie vom organisierten Verbrechen regiert zu werden”

  
Sahra Wagenknecht am 26. Januar 2012 im Deutschen Bundestag. Was dann folgte, ist  hier zu lesen.
                                               
Video Deutscher Bundestag
 

 4.9.1  Internationale Finanzmarktkrise  -  Ursachen und Konsequenzen  
Woher kommt die enorme Anhäufung des Finanzvermögens von weltweit 150,8 Billionen (150 800 Milliarden) Euro? Die Weltwirtschaftsleistung ist seit 1980 um das über 4fache auf gigantische 42 300 000 000 000 Euro gewachsen. Aber noch viel gewaltiger wuchs in diesem Zeitraum das weltweite Finanzvermögen - sogar um das über 15fache - auf gigantische 150.800 000 000 000 Euro. Und das in einer Zeit weltweit wachsender Massenarbeitslosigkeit. In der uns wg. „schlechter Wirtschaftslage aufgrund der Globalisierung" Sozialleistungen und Löhne gekürzt,  Arbeitszeiten verlängert, viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze durch 1Euro Jobs und weiterer geringfügig bezahlter Beschäftigung zunehmend ersetzt und Arbeitsplätze durch Produktivitätssteigerungen wegrationalisiert oder in Billiglohnländer verlagert wurden. Deutschlands Wirtschaft aber war und ist mit enormen Gewinnen einer der großen Sieger der Globalisierung.
Renditegier und Spekulationen in weltweit deregulierten Finanzmärkten werden zu Recht  kritisiert. Viele Finanzexperten und Wissenschaftler sind sich über die tiefer greifenden Ursachen der Finanzmarktkrise einig:
Die ungerechte Einkommensverteilung, verstärkt durch legale und illegale Steuerminimierung hat eine Geldschwemme verursacht ergänzt durch zusätzliche Geldschöpfung. Einerseits der Institutionen der Finanzmärkte, die mit immer höheren Anteilen von Fremd - zu Eigenkapital gearbeitet haben, sowie andererseits der Überschussländer China, Deutschland und Japan, die mit ihrer so geschaffenen gewaltigen Kreditblase die Verschuldung der USA und einiger anderer Defizitländer erlaubt haben. Die Subprimekrise der USA ist Auslöser, aber nicht die Ursache der Finanzmarktkrise.  
Die Banken sind in einen "Anlagenotstand" geraten, weil sie mehr Ersparnisse erhalten als sie sicher und ertragreich veranlagen können. Da sie in scharfer Konkurrenz zueinander stehen, werden die Geldanlageangebote immer aggressiver und waghalsiger: Hedge Fonds fleddern zunehmend Firmen und Konzerne aus. Finanzmärkte mutieren zu Kasinos: Reine Spekulation mit Währungskursen, Rohstoffen, Lebensmittel und Energie verdrängen mittel- und langfristige, seriöse Anlagestrategien. Daraus resultiert die Aufblähung der Finanzmärkte und die jetzige Krise.
Von uns, einschließlich der Ärmsten der Armen, wurden die  riesigen weltweiten Finanzvermögen zwangsfinanziert und nun sollen wir Steuerzahler, in der Mehrzahl also wieder wir abhängig Beschäftigten, auch noch die riesigen weltweiten Spekulationsverluste zahlen. Geld, das dem Haushalt über viele Jahre entzogen wird, die Staatsverschuldung weiter erhöht und als Begründung dient für weitere Kürzungen in Arbeitslosen- Renten- und Krankenversicherung. Was wir tun  können...
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4.9.2   EU-Schuldenkrise
Rettungsschirm mit gigantischer Bürgschaft, doch wer wird gerettet?
Schulden, immer mehr Schulden. Von der Schuldenvermeidung zu kurzfristiger einmaliger Kredit-Hilfe, weiteren Kredit-Hilfen, Rettungs-Kreditschirm für drei Jahre und nun geplant der dauerhafte Rettungs- Kreditschirm ESM: Die automatische Verschuldungs-Dauerhilfe ab Juli 2013, eventuell ab 2012.
Die EU-Schuldenkrise rückte 2010 mit den Verschuldungs-Problemen Griechenlands in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die EU-Schuldenkrise ist durch die katastrophale Verschuldung der Länder der  Eurozone: Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien (PIIGS) verursacht.
Hoch verschuldet sind mittlerweile 20 Staaten des Euro-Währungsraumes, sie alle verstoßen im erheblichen Umfang gegen die EU-Stabilitätskriterien.
Hauptzahler Deutschland haftet inzwischen (Dez. 2011) mit 379 Milliarden Euro. Zur Haftung für den EU-Rettungsschirm besteht aber noch die Haftungssumme über 470 Milliarden Euro für die Bankenrettung im Jahr 2008. Allein die EU-Schuldenhaftung von 379 Milliarden Euro ist höher als der Bundeshaushalt 2012 mit 306 Milliarden Euro. Insgesamt haften die Steuerzahler der übrigen Eurozonen-Staaten mit 1496 Milliarden Euro, abzüglich des minimalen Bankenanteils. Doch wer wird gerettet?
Und wer,mahnt der Bundespräsident, rettet die Retter?
Es geht weder um die Rettung Griechenlands noch um die Rettung des Euro. Der Wissenschaftler und Finanzexperte Max Otte: "Es profitieren weder Europa noch die griechischen Bürger oder die Bevölkerung der Geberländer wie Deutschland. Hauptnutznießer dieser Hilfen sind vor allem Investmentbanken und Superreiche als größte Geldgeber Griechenlands.”
Und nun soll auch noch ein dauerhafter “Europäischer Finanzstabilisierungs Mechanismus ESM”, mit weitreichenden Befugnissen und ohne Kontrolle durch die Länderparlamente vorzeitig eingeführt werden, um Verschuldung mit weiterer Verschuldung zu “bekämpfen” . Der ESM steht unter heftiger Kritik.
Warum die ESM-Einführung unbedingt zu verhindern ist, sowie weitere
Hintergrund-Informationen und Fakten
zu den Themen:
Wege aus der Schuldenkrise - Was bisher geschah und wie alles anfing - EFSM, EFSF, ESM und Deutschlands Milliardenhaftung - Kritik an den "Rettungs"-Maßnahmen -  Warum der ESM nicht eingeführt werden darf und die Chronik: Von der Währungs- zur Schuldenunion  siehe
EU-Schuldenkrise  

 

*Aktion:  Nein zur Haftungsunion! - Keine Zustimmung im Bundestag zum ESM
 
Bund der Steuerzahler Deutschland e.V. Die Politik bezeichnet ihre neuen Kriseninstrumente,
ob EFSM, EFSF, ESM als alternativlos. In Wahrheit sind sie wirkungslos.    
Zur BdSt--Aktion.
 
* Falls die geöffnete Seite schwarz bleibt, zum Sichtbar machen die schwarze Seite scrollen bzw. zur Seite 2 blättern.                                                  .
 

Stoppt die EU-Schuldenunion (ESM-Vertrag)!    Aktion von Abgeordneten Check!  

 

Kap 5   Folgewirkungen der Massenarbeitslosigkeit

"Schon heute haben sich Lebensbedingungen bis in die Mitte der Gesellschaft hinein verändert, so dass fast alle Personen in relativ kurzer Zeit in Lebenssituationen kommen können, in denen sie an den Rand der Gesellschaft geraten, ihr Einkommen und ihren Status verlieren und sich praktisch ohne Halt wiederfinden können."
Ein weiterer Aspekt sind die gesamtwirtschaftlichen Kosten der Arbeitslosigkeit. Denn nicht nur auf der Ausgabenseite des Staates schlägt sich eine hohe Arbeitslosigkeit durch Kosten unter anderem für „Arbeit und Soziales“ (in Deutschland z. B. über 45 % des Bundeshaushaltes 2006 von rund 262 Mrd. €) nieder. Auch die Opportunitätskosten des entgangenen Nutzens. Mögliche individuelle Folgen der Arbeitslosigkeit, insbesondere der Langzeitarbeitslosigkeit, sind psychische und gesundheitliche Probleme, Entqualifizierung. Das Robert-Koch-Institut stellte fest, dass arbeitslose Menschen einen schlechteren Gesundheitszustand haben als Berufstätige.

(Kinder-)Armut und Sozialstaatsentwicklung   von C. Butterwegge, Dez. 2008  
Erklärungsbedürftig ist, warum es Armut, materielle Not und Mangelerscheinungen im Zeichen der Globalisierung bzw. der neoliberalen Modernisierung trotz eines ständig steigenden gesellschaftlichen Reichtums immer noch, ja selbst in einem hoch entwickelten Land wie der Bundesrepublik Deutschland vermehrt gibt und weshalb Familien, Mütter, Kinder und Jugendliche heutzutage die Hauptbetroffenen sind. Schließlich ist Kinderarmut in einem so wohlhabenden, wenn nicht reichen Land „strukturelle Gewalt“ und ein politisches Armutszeugnis für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.   
Zur Quelle   

Aufruf des 101. Deutschen Ärztetages zu Maßnahmen gegen die chronische Massenarbeitslosigkeit
In Sorge, daß der Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheitsgefährdung weitere gesundheitliche und soziale Probleme hervorbringt, daß der Solidarcharakter der Krankenversicherung gefährdet ist und eine Gefährdung des Sozialstaatsprinzips droht, rufen wir als Ärztinnen und Ärzte alle Verantwortlichen dazu auf, Maßnahmen gegen die Massenarbeitslosigkeit zu ergreifen und die Erhaltung des Solidarprinzips in der Krankenversicherung zu gewährleisten.
Begründung:
Mit weit mehr als 4 Millionen Arbeitslosen hat Deutschland im Frühjahr 1998 eine Erwerbslosenquote, die inzwischen höher liegt, als die nicht weniger europäischer Nachbarländer, zum Beispiel Großbritanniens, der Niederlande und Österreichs. Chronische Arbeitslosigkeit hat Folgen, die uns als Ärztinnen und Ärzte bekannt sind, die wir beklagen und die wir verhüten müssen. Auch die ärztliche Arbeitslosigkeit nimmt besorgniserregende Ausmaße an.
Bei den von Arbeitslosigkeit Betroffenen finden sich bestimmte psychosoziale Befindlichkeitsstörungen und eine deutlich höhere Gefährdung durch Suchterkrankungen. Auch bestimmte somatische Erkrankungen finden sich bei den von Dauerarbeitslosigkeit und sozialer Not Betroffenen häufiger.
Die Sozialkassen werden durch die Arbeitslosigkeit ruiniert. Das Kostenproblem in der Krankenversicherung ist nicht allein ein Ausgaben-, sondern vor allem ein Einnahmenproblem. Immer weniger Beschäftigte mit zunehmend geringer wachsendem Einkommen können auf die Dauer nicht die notwendigen Kosten im Gesundheitswesen aufbringen. Immer mehr Zuzahlungen gefährden das Solidarprinzip. Milliardenausfälle in den Sozialkassen werden auf die Dauer die Stabilität der sozialen Krankenversicherung untergraben. Schließlich wären auch die ärztlichen Arbeits- und Existenzbedingungen, die eng mit der sozialen Krankenversicherung verknüpft sind, gefährdet.
Anmerkung K. Albrecht: Leider hat sich die sozialpolitische Einstellung des Ärztetages in den Folgejahren stark gewandelt. Im Vordergrund stehen nun Begriffe wie demografische Belastung statt Massenarbeitslosigkeit, Eigenverantwortung statt solidarische Krankenversicherung oder die Einkommenssituation der Ärzte statt der aller Erwerbstätigen im Gesundheitswesen oder gar der Beitrag zahlenden Krankenversicherten ...
 

In Bearbeitung, Stichpunkte: Armut, Kinderarmut, Altersarmut, Sozialleistungssabbau, Leistungsdruck, gesellschaftliche Ausgrenzung, schwindende Sicherheit bei Existenz- und Familienplanung, Jugendarbeitslosigkeit, psychische und psychosomatische Erkrankungen, ...

 





Kap 6    Ausblick - Wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen

Weiter so wie bisher?  
Zunehmend betrifft die Arbeitslosigkeit auch qualifizierte Arbeitnehmer, ebenso wie Spezialisten und Hochqualifizierte weltweit.  Die nächste Zukunft bedroht längst nicht nur "Geringqualifizierte" sondern durch die effektiver werdenden automatisierten Prozessabläufe und intelligenteren Programme Tätigkeiten aller Hierarchie-Ebenen und Qualifikationen. Fachleute gehen davon aus, dass von denjenigen, die heute in Deutschland einen beruflichen Abschluss machen (durch Lehre oder Studium) nicht einmal mehr die Hälfte eine normale Erwerbskarriere (tariflich bezahlte Vollbeschäftigung vom Abschluss der Ausbildung bis zur Erreichung der Altersgrenze) vor sich haben.      
Bei einer weiteren Abnahme der Erwerbstätigkeit führt die heutige soziale Sicherung durch erhebliche Sozialbeitrags- und Steuerausfälle ohne entsprechende nachhaltige Anpassungen zu steigenden Belastungen und oder zu Abbau und Minimierung der sozialen Sicherung mit zunehmender Verarmung. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Zunahme des durchschnittlichen Lebensalters mit längerem Alters-Ruhestand.

Auswirkung weiter zunehmender Produktivität auf Gesellschafts- und Wirtschaftssystem
Firmenkonzentrationen nehmen zu. Werksschließungen wegen Überkapazitäten gibt es seit vielen Jahren. Wettbewerber verschwinden. Der Verdrängungs-Wettbewerb verschärft sich ebenfalls durch immer weiter sinkende Kaufkraft. Mit ständig steigender Produktivität und abnehmender Erwerbstätigkeit geht die Schließung von Fabriken, Geschäften und ganzer Unternehmen einher.
Wird der Schritt zur Umstellung von marktwirtschaftlicher zur staatlichen Versorgung von Nahrung und Konsumgüter immer nahe liegender, wahrscheinlicher?

 

Mögliche Entwicklung skizziert im "Manifest gegen die Arbeit"
Mit stetig wachsender Massenarbeitslosigkeit vertrocknen die Staatseinnahmen aus der Besteuerung von Arbeitseinkommen. Die sozialen Netze reißen, sobald eine kritische Masse von “Überflüssigen” erreicht wird, die nur noch durch Umverteilung von anderen Geldeinkommen kapitalistisch ernährt werden können. Mit dem rapiden Konzentrationsprozess des Kapitals in der Krise, der über die nationalökonomischen Grenzen hinausgreift, brechen auch die Staatseinnahmen aus der Besteuerung von Unternehmensgewinnen weg. Die transnationalen Konzerne zwingen die um Investitionen konkurrierenden Staaten zum Steuerdumping, Sozialdumping und Ökodumping. Die Infrastrukturen werden zurückgefahren auf die Bedürfnisse des transnationalen Kapitals. Wie ehemals in den kolonialen Gebieten beschränkt sich die gesellschaftliche Logistik zunehmend auf wenige ökonomische Zentren, während der Rest verödet. Was sich privatisieren lässt, wird privatisiert, auch wenn damit immer mehr Menschen von den elementarsten Versorgungsleistungen ausgeschlossen bleiben. Wo die Kapitalverwertung sich auf immer weniger Weltmarktinseln konzentriert, kommt es auf eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung nicht mehr an.
Die geistige, künstlerische und theoretische Kultur wird auf das Kriterium der Marktgängigkeit verwiesen und stirbt ab. Das Gesundheitswesen wird unfinanzierbar und zerfällt in ein Klassensystem. Zuerst schleichend und klammheimlich, dann in aller Offenheit gilt das Gesetz der sozialen Euthanasie: Weil du arm und “überflüssig” bist, musst du früher sterben. Während alle Kenntnisse, Fähigkeiten und Mittel der Medizin, der Bildung, der Kultur, der allgemeinen Infrastruktur überreichlich zur Verfügung stehen, werden sie nach dem zum “Finanzierungsvorbehalt” objektivierten irrationalen Gesetz der Arbeitsgesellschaft unter Verschluss gehalten, demobilisiert und verschrottet – genau wie die industriellen und agrarischen Produktionsmittel, die nicht mehr “rentabel” darstellbar sind... In einem weiter fortgeschrittenen Stadium zerfällt die Staatsverwaltung überhaupt. Die Staatsapparate verwildern zu einer korrupten Kleptokratie, das Militär zu Mafia-Kriegsbanden, die Polizei zu Wegelagerern…  zur
Quelle   

  

Der technische Fortschritt ermöglicht, dass wir alle weniger arbeiten müssen. Nutzen wir die Chance.
Das ist letztlich Sinn der Technik:Menschliche Arbeit durch Maschinen und automatisierte Prozesse zu ersetzen. Selbstbestimmt leben und arbeiten und nicht arbeiten um zu leben! Es wird notwendig den Begriff Arbeit zu differenzieren, zu unterscheiden zwischen Erwerbstätigkeit zur Existenzsicherung und andererseits Arbeit als freiwillige Tätigkeit, Beschäftigung aus Eigeninteresse.
In den Anfängen des Menschseins und der menschlichen Sprache gab es den Begriff Arbeit nicht. Arbeit war identisch mit Leben. Die alten Philosophen Griechenlands, die bis in unser heutiges modernes Leben hineinwirken, schätzten Arbeit als geringe, meist unfreie körperliche Arbeit ein. "Die der Selbsterhaltung diente, zum Banausos machte, leiblicher und seelischer Menschenwürde schadete. Die den Freien untüchtig macht zum würdigen Genuss des Daseins". Gesellschaftliche Aufwertung erfuhr die Arbeit als "moralische Verpflichtung" im Mittelalter durch das christliche Kloster. Die wahre Lösung jedoch war für die Mönche im 11. Jahrhundert die Erfindung und Anwendung arbeitssparender Maschinen. Eine Fülle technischer Erfindungen ging einher mit der Aufwertung des technisch gebildeten Handwerkers, zum "ehrbaren Handwerksstand". Heute sehen wir im Wesen der Arbeit und damit des Menschen nicht allein die Existenzsicherung durch Schaffung des Lebensunterhalts, sondern die  gestaltende, freie, schöpferische Tätigkeit.
Technik, verantwortungsbewusst nach ethischen Bedingungen eingesetzt, ermöglicht dem Mensch die Freiheit, die er zu seiner Selbstverwirklichung benötigt. Dazu ist unabdingbar, dass wir alle an den Gewinnen des technischen Fortschritts beteiligt werden. Nötig ist eine gerechte Beteiligung an den Unternehmensgewinnen, die Absicherung auch einer künftigen Teilhabe an den Erfolgen eines umweltverträglichen technischen Fortschrittes, der den Menschen zum Mittelpunkt hat. Ein Produktivitätsvorteil, der immer mehr "liebe MitarbeiterInnen" in die Arbeitslosigkeit führt und die übrigen rund um die Uhr antreten lässt, ist absurd.


Fortschritt für alle
Gelingt es sozialverträgliche und zukunftsweisende Lösungsansätze, wie zum Beispiel in Kapitel 3 dargestellt, zu realisieren gibt es immer mehr frei verfügbarer Zeit für alle.
Diese Zeit, bei gesicherter Existenz, sinnvoll zu nutzen ist für viele Menschen kein Problem. Aber viele Menschen müssen auch gefördert werden um einen menschlichen Gewinn aus der zunehmenden freien Zeit ziehen zu können. Interessen sind zu wecken, Neigungen und Talente zu fördern. Ergänzung bzw. Erweiterung des Bildungssystems mit dem Ziel kreative Selbstentfaltung zu fördern. Einrichtungen sind zu schaffen um die gewonnene Freizeit kreativ zu nutzen und in neuen Lebensinhalten Selbstbestätigung und Erfüllung zu finden. Das muss als große neue gesellschaftliche Aufgabe entwickelt werden: Förderung selbstbestimmten Lebens mit immer weniger fremdbestimmter Tätigkeit.
Dazu gehört sicher die Förderung freiwilliger, ehrenamtliche Arbeit, Einrichtung erforderlicher staatlicher Organisationsstrukturen. Uns braucht absolut nicht bange sein vor ein Leben mit weniger fremdbestimmter Arbeit.
Wir tun heute schon viel auf freiwilliger Basis. Und längst nicht nur für unsere persönlichen Interessen wie kunsthandwerkliche oder technische Hobbies, Naturbeobachtung oder Gartenarbeit, Wandern und Reisen, Beschäftigen mit Sinnfragen und vielem mehr. Viele engagieren sich bereits heute freiwillig und ehrenamtlich im Breitensport, in sozialen Hilfsdiensten, in der Kirche, bei Feuerwehr und technischem Hilfswerk, im freiwilligen sozialen Jahr, in der Entwicklungshilfe, für die Gemeinschaft in Vereinen und Bürgerinitiativen, in Natur- und Umweltschutz. Hier werden bereits Leistungen erbracht, die den Staat auch erheblich entlasten. 

  

 

 

 
Kap 7    Umsetzung - Ideen gibt es viele, aber wie realisieren

Die Chance für bessere Lebensbedingungen aller Menschen ist durch die technische Entwicklung gegeben. Wie sie gestaltet werden, ob zur (fast sorgenfreien) Selbstverwirklichung aller Menschen, ob zur verstärkten Privilegierung einiger weniger, können und müssen die Betroffenen selbst beeinflussen. Letztlich ist es eine Verteilungsfrage, eine Machtfrage zwischen den Betroffenen. Dass die Verteilung einigermaßen gerecht zugeht erfordert eine starke Gegenkraft, um notwendige Regelungseingriffe des Staates zu erreichen. Es reicht sicher nicht auf eine bessere Regierung oder auf die Einsicht der Unternehmer oder der Mächtigen dieser Welt zu hoffen. Eines ist sicher: Von selbst ändert sich hierzu so gut wie nichts.

Lösungsansätze gibt es viele. Aber wie umsetzen? Darauf gibt es eine schlichte Antwort!

Wir müssen selbst aktiv werden. Jede/r von uns. Wir alle.

Am wirkungsvollsten und auch am einfachsten ist, die ungerechte und unsoziale Politik abwählen und
für die erforderlichen Änderungen öffentlich und privat eintreten.
Darüber hinaus können wir als Mitglied von Kirche, Gewerkschaft, in allen sozialen Organisationen für Änderungen eintreten und Einfluß nehmen.  
Arbeitgeber / Unternehmer können selber Änderungen veranlassen, eine Vorreiterrolle übernehmen, in den Wirtschaftsverbänden für Änderungen eintreten oder unterstützen.
Eliten können Änderungen veranlassen, als Prominente wirkungsvoll öffentlich agieren. Politiker können Änderungen beschliessen, für eine Änderung der Politik eintreten und Verbündete auch international gewinnen. Ehepartner, Kinder, Eltern können auf einflussreiche Familienangehörige einwirken.

 

 

 

 

 



Zusammenfassung der Dokumentation “Zukunft der Arbeit”     www.zukunft--der--arbeit.de
Diese Zusammenfassung ermöglicht einen schnellen Überblick. Nur die Original-Dokumentation bietet zu den Themenpunkten ausführliche Erläuterungen, weitere Hintergrundinformationen und Fakten mit Quellenangaben.
Knut Albrecht, 21.10.2010

Wie lange es bis zum globalen "Ende der Arbeit" dauern kann, sei dahingestellt. Wir leben in der Zeit des Umbruches, der ständigen Abnahme der Erwerbstätigkeit. Die Zukunft hat bereits begonnen. Für diese Übergangs-Phase brauchen wir zuallererst wirksame und nachhaltige Lösungen. Sie bereiten den sozialverträglichen Weg in eine Zukunft, in der Erwerbstätigkeit als Lebensgrundlage ihre heutige Bedeutung verloren hat.

 

Kapitel 1   Das soziale Hauptproblem in Deutschland ist die Massenarbeitslosigkeit.
Erwerbstätigkeit ist Lebens- und Existenzgrundlage fast aller. Ihr Verlust lässt Menschen und Familien zerbrechen und treibt seit über 30 Jahren Millionen Menschen in Armut. Kinderarmut wie Altersarmut hat in unserem Land, einem der reichsten der Welt, stark zugenommen. Massenarbeitslosigkeit untergräbt die finanziellen Grundlagen des Sozialstaats. Der zunehmende Abbau von existenzsichernden Vollzeitarbeitsplätzen wird ebenso politisch gefördert wie die Demontage des Sozialstaats durch als "Reformen" kaschierte Leistungskürzungen.
Demographisches Renten-Problem?
In Wirklichkeit sind die Renten nicht sicher, weil in den letzten 30 Jahren Millionen Arbeitsplätze abgebaut wurden, deshalb zu wenig Rentenbeiträge gezahlt werden (und weil die gesetzliche Rentenversicherung, anders als die
berufsständischen Rentenversicherungen , mit milliardenhohen versicherungsfremden Leistungen belastet wird). Erwerbsfähig ist jeder Mensch zwischen 18 und 65, erwerbstätig oder gar sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist er damit noch lange nicht. Durch Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung sind die Beitragseinnahmen auch der Rentenversicherung stark eingebrochen. Die Alterung der Gesellschaft kann bewältigt werden durch den Abbau der Arbeitslosigkeit, normaler Entlohnung und angemessener Teilhabe an den Produktivitätsgewinnen.
Offizielle Arbeitslosigkeitszahlen und tatsächliche Erwerbskrise
Die Massenarbeitslosigkeit hat weit größere Ausmaße als von Politik, Wirtschaft und Medien öffentlich dargestellt. Arbeitslose werden permanent in politischen Kampagnen diskriminiert. Das Misstrauen gegen (Langzeit-) Arbeitslose wird von Scharfmachern ständig geschürt, mit der Konsequenz, dass viele Menschen glauben, Hartz IV Empfänger sind überwiegend faul und wollen nicht arbeiten. Offizielle Arbeitslosenzahlen und tatsächliche Erwerbskrise klaffen jedoch weit auseinander: Haben wir doch real einen Bedarf von 8 Millionen sozialversicherten Vollerwerbsstellen, dem gerade einmal 267 000 gemeldete offene Stellen, einschließlich Leiharbeit und unterbezahlte Arbeit, gegenüberstehen. Nicht nur Menschen ohne Erwerbstätigkeit, auch geringfügig Beschäftigte bis zu Vollzeit-Erwerbstätige im Niedriglohnbereich suchen eine sozialversicherte anständig bezahlte Erwerbstätigkeit, die staatliche Unterstützung nicht notwendig macht. Wachsender Leistungsdruck und überzogene Qualifikationsanforderungen führen verstärkt dazu, dass für "Geringqualifizierte" immer weniger Arbeit verfügbar ist. Diese Arbeitsstellen, sowie Lehrstellen, werden mit eigentlich Überqualifizierten besetzt. Nach wie vor sind Ältere ab 50 und früher bei Entlassungen primär betroffen, bei Neueinstellungen sind sie in der Regel chancenlos.

Kapitel 2   Es ist genug für alle da – es geht um die Verteilung
Warum wird die dominierende Auswirkung der technischen Entwicklung auf die Beschäftigung hartnäckig bestritten oder totgeschwiegen? Hier lässt sich ausgiebig spekulieren. Unbestreitbar ist jedoch: Durch den Produktivitätsfortschritt steigen Umsätze und Unternehmensgewinne mit immer weniger Beschäftigten. Der Fortschritt wurde jedoch von Beschäftigten und Unternehmern gemeinsam erzielt. Der gemeinsam erwirtschaftete Reichtum muss allen zugute kommen.

Es geht nicht um Verteilung zwischen Arm und Reich, Stark und Schwach, Besserverdiener und ALG2-Bezieher. Es geht um die Verteilung der gemeinsam erwirtschafteten Produktivitätsgewinne in Form angemessener Entlohnung und Verkürzung der Arbeitszeit. Sowie um einen Ausgleich für die mit den wegrationalisierten Beschäftigten weggefallenen Sozialbeiträge.

Existenzsichernde Erwerbstätigkeit und Finanzierung der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung basieren auf Vollbeschäftigung mit sozialversicherungspflichtigen Normallöhnen. Ist das nicht mehr gegeben, sind nachhaltige Korrekturen, wie Stabilisierung des Lohn-Niveaus, Arbeitszeitverkürzung, staatliche Förderung existenzsichender Erwerbstätigkeit, Ausbau staatlicher Arbeitsangebote, eine Wertschöpfungssteuer als Ergänzung zu den Beiträgen zur Sozialversicherung erforderlich.

Der Erhalt existenzsichender Löhne und ein ausreichendes Angebot solcher Arbeitsplätze bei stetig abnehmender Erwerbsarbeit erfordern staatliche Regulierungen bis zu der Zeit, in der Erwerbstätigkeit nicht mehr allgemeine Basis der Existenzsicherung ist.


Kapitel 3 Maßnahmen zur Überwindung der Erwerbskrise
Sozialverträgliche und zukunftsweisende Lösungsansätze mit den Zielen Lebensstandard sichernde Arbeitseinkommen sowie Existenzsicherung bei abnehmender Erwerbstätigkeit und zunehmender Ruhestandzeit.
Handlungsfähigkeit des Staates wieder herstellen
Ein finanzkräftiger Staat ist Voraussetzung um volkswirtschaftlich notwendige Regelungseingriffe durchführen zu können. Im scheinbar krassen Gegensatz dazu steht die bekannt hohe Staatsverschuldung.
Deutschland ist jedoch im weltweiten Vergleich ein sehr reiches Land. Das gesamte Privatvermögen (Brutto) in Deutschland 2007 betrug rund 8.000 Mrd. Euro, die Staatsverschuldung 1.502 Mrd. Euro. Die Vermögensverteilung in Deutschland ist sehr ungleich: Die reichsten 10 % besaßen 61 %, die oberen 30 % besaßen 91 %, die unteren 70 % nur 6 % des gesamten Vermögens.

Schuldenabbau wie Finanzkraftstärkung ist - politischer Wille vorausgesetzt - durchaus machbar.

Unübersehbar ist die Tatsache, dass Unternehmen und Vermögende in den letzten 30 Jahren gigantische Gewinnzuwächse erzielten. Verstärkt durch Unternehmens-Steuersenkungen und vielfach geduldete illegale Steuerhinterziehung. Ausführlich behandelt im Kap.2.2, 3.1, 4.8

Die Finanzkrise der öffentlichen Haushalte ist – im Gegensatz zur herrschenden Meinung - nicht allein durch gestiegene Ausgaben, sondern wesentlich durch zu geringe Einnahmen verursacht.

Mehrere Hundert Milliarden Euro entgehen unserem Staat jährlich durch Steuerhinterziehung, Steuerschlupflöcher, Wirtschaftskriminalität und Vollzugdefizite. Dazu kommt eine Politik, die seit vielen Jahren einseitig Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen steuerlich begünstigt. Eine umfassende Steuerreform, seit Jahren überfällig, muss endlich wieder Steuergerechtigkeit herstellen und ausreichende Staatseinnahmen sicherstellen. Einige wesentliche Forderungen: Besteuerung der Unternehmens- und Vermögenseinkommen anheben, Steuer-Vollzugsdefizite beseitigen, Wirtschafts-Subventionen abbauen, Steuerhinterziehung bekämpfen, Einführung einer Wertschöpfungssteuer, Finanzmärkte regulieren - weitere Staatsverschuldung vermeiden.

Notwendige staatliche Regelungseingriffe
Volkswirtschaftlich notwendige Weichenstellungen erfordern einen verstärkten Eingriff unseres Staates auf allen Handlungsebenen. "Selbstregulierungskräfte des Marktes" sind hier überfordert. Staatliche Regelungseingriffe, um existenzsichernde Vollbeschäftigung sicherzustellen durch:
Arbeitszeitverkürzung - weniger Arbeit für Alle, bedarfsgerechte Begrenzung von Überstunden, Lebensarbeitszeit begrenzen, flächendeckende Mindestlöhne, Arbeitsplätze schaffen durch öffentliche Aufträge, Personalbedarf anpassen im öffentlichen Dienst, Staat als Arbeitgeber für Vermittlung und Beschäftigung zur Vermeidung unterbezahlter Arbeit und Leiharbeit. Staat als Miteigentümer und Vorreiter, soziale Sicherung zukunftssicher gestalten, Regularien zum Schutz der Arbeitsplätze auf nationaler wie internationaler Ebene. Öffentlicher Dienst statt Privatisierung - Mehr statt weniger Staat: Die Privatisierung öffentlicher Einrichtungen ist inzwischen zu einem Desaster geworden und muss gestoppt und rückgängig gemacht werden.

Es geht um Entschärfung der Existenzbedrohung und um die sozialverträgliche Anpassung an ein Leben mit immer weniger Erwerbsarbeit. Eine offene, ehrliche öffentliche Diskussion ist unabdingbare Voraussetzung für effektive, nachhaltige Regelungseingriffe, die einen sanften Übergangsprozess realisieren.

Kapitel 4   Ursachen der Massenarbeitslosigkeit
Die Erwerbsarbeit wird weniger. Von den etablierten Parteien und der Wirtschaft wird das marginalisiert oder totgeschwiegen. Allenfalls wird die stärkere Abnahme "niedrigqualifizierter Arbeit" mit Hinweis auf "Zunahme höher qualifizierter Arbeit" vernebelt. Dokumentationen des Mainstreams, professoralen Gutachten und Wirtschaftsstudien ist oft ein Phänomen gemeinsam: Nach dem obligatorischen Dementi zum dominierenden Einfluss der Produktivität auf die Massenarbeitslosigkeit, folgt eine ausgiebige Auseinandersetzung mit möglicher künftiger Ersatzbeschäftigung für sozialversicherte Erwerbstätigkeit. Zweifellos ist der Arbeitsmarkt vielen Einflüssen mehr oder weniger ausgesetzt: Konjunkturschwankungen, Wirtschaftskrisen, Strukturveränderung, technischer Fortschritt, Globalisierung/Arbeitskosten, Frauen-Erwerbstätigkeit, Arbeitsmarktöffnung für Ausländer, Schwarzarbeit, Finanz/Steuerpolitik...
Es entsteht heute leicht der Eindruck, "die Chinesen" seien an der deutschen Arbeitslosigkeit schuld. Tatsächlich gehen aber mehr Arbeitsplätze dadurch verloren, das z.B. große Automobilfirmen jährliche Produktivitätszuwächse von 5% verzeichnen.

Dominierenden Einfluss auf die Massenarbeitslosigkeit hat die technische Entwicklung mit stetig zunehmender Produktivität: Wachstum ohne Beschäftigung.
Es kann immer mehr produziert werden mit immer weniger Menschen.
Das Arbeitsvolumen nimmt ab trotz steigender Wertschöpfung.

Die technische Entwicklung ermöglicht nie gekannte Produktivitätssteigerung. Die fortschreitende Automatisierung betrifft alle Bereiche, ob Industrie, Dienstleistung oder Landwirtschaft. EDV-Programme ersetzen Routinearbeiten aber auch zunehmend anspruchsvolle Tätigkeiten von Fach- und Sachbearbeitern. Der Fortschritt der Informationstechnologie hat diesen Prozess wesentlich verstärkt, so dass der Dienstleistungssektor nicht, wie vor kurzem noch propagiert, den Arbeitsplatzbedarf "freigesetzter" Arbeitnehmer kompensieren kann. Fakt ist, weltweit gehen Millionen von Arbeitsplätzen verloren. Die billigsten Arbeiter der Welt werden nicht so günstig sein wie die Technologie, die herankommt, um sie zu ersetzen.

Kapitel 5 - 7    Wo führt die heutige Entwicklung hin?
Fachleute gehen davon aus, dass von denjenigen, die heute in Deutschland einen beruflichen Abschluss machen nicht einmal mehr die Hälfte eine normale Erwerbskarriere vor sich haben. Eine weitere Abnahme der Erwerbstätigkeit führt zu Abbau und Minimierung der sozialen Sicherung mit zunehmender Verarmung. Der Verdrängungs-Wettbewerb verschärft sich ebenfalls durch weiter sinkende Kaufkraft.
Mit ständig steigender Produktivität und abnehmender Erwerbstätigkeit geht die Schließung von Fabriken, Geschäften und ganzer Unternehmen einher. Marktwirtschaft findet immer weniger statt.

Wird der Schritt zur Umstellung von marktwirtschaftlicher zu ausschließlich staatlicher Daseinsvorsorge/Grundversorgung und Versorgung von Nahrung und Konsumgütern immer nahe liegender, wahrscheinlicher?
Verstaatlichung *(zumindest ethische Kontrolle und soziale Einflussnahme durch staatliche Unternehmensbeteiligung/Aktienmehrheit) von marktbeherrschenden, multinationalen Konzernen ist unabdingbar für eine sozialverträgliche Gestaltung der Zukunft mit immer weniger Erwerbstätigkeit.
*unter den Bedingungen einer absolut transparenten demokratischen Kontrolle  

 

Technik, verantwortungsbewusst nach ethischen Bedingungen eingesetzt, ermöglicht dem Mensch die Freiheit, die er zu seiner Selbstverwirklichung benötigt. Dazu ist unabdingbar, dass wir alle an den Gewinnen des technischen Fortschritts beteiligt werden.
Nötig ist eine gerechte Beteiligung an den Unternehmensgewinnen, die Absicherung auch einer künftigen Teilhabe an den Erfolgen eines umweltverträglichen technischen Fortschritts, der den Menschen zum Mittelpunkt hat.

 

Es reicht sicher nicht, auf eine bessere Regierung oder auf die Einsicht der Unternehmer oder der Mächtigen dieser Welt zu hoffen. Eines ist sicher: Von selbst ändert sich hierzu so gut wie nichts.

Wir müssen selbst aktiv werden.
Am wirkungsvollsten und auch am einfachsten ist, die ungerechte und unsoziale Politik abwählen und für die erforderlichen Änderungen öffentlich und privat eintreten.

 


-------- Ende der Zusammenfassung --------
 

  Zum Inhaltsverzeichnis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

OECD: Zuwanderung gegen deutschen Arbeitskräftemangel     Nov.2010
Meinung von FAZ-Leser Rüdiger Noll:
Stimmt, es gibt den Fachkräftemangel, den man uns weismachen will ....
.. aber nur, wenn man z.B. Dipl.Ing´s sucht, mit 15 Jahren Berufserfahrung, die sich mit einem Bruttogehalt von max. 2.100 EUR zufrieden geben und nicht älter als 33 sind! Dies ist in anderen Branchen ähnlich. Wie einige Leser bereits richtig bemerkt haben, ist es tatsächlich so, dass der Fachkräftemangel nur ausgerufen wird, um die Löhne ebendieser Kräfte mittels "Arbeitsmigration" weiter zu drücken , verbunden mit der Ausgrenzung von Kräften die älter als 40 sind. Alleine in meinem Bekanntenkreis gibt es 5 wirklich hochqualifizierte Arbeitssuchende, sie haben allerdings einen grundsätzlichen Makel: Ihr Alter liegt zwischen 45 und 55 Jahren!! In den letzten Wochen hatte ein hessischer Energieversorger die Stelle des Personalleiters ausgeschrieben - eine hochqualifizierte Position also - und es haben sich 150 (in Worten: Einhundertfünfzig!) hochqualifizierte Bewerber gemeldet. So sieht heutzutage Fachkräftemangel aus! ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Recht auf Faulheit?
Seit Beginn der Massenarbeitslosigkeit, Mitte der 1970er, wurden Arbeitslose in politischen Kampagnen pauschalisierend abgewertet, diskriminiert: Die erste „Faulheitsdebatte“ wurde von Bundesarbeitsminister Walter Arendt eröffnet. Bundeskanzler Helmut Kohl agitierte mit Begriffen wie „kollektiven Freizeitpark Deutschland" oder "sozialer Hängematte". Bundeskanzler Gerhard Schröder: „es gibt kein Recht auf Faulheit“. Arbeitsminister Wolfgang Clement verantwortete die Schrift: „Vorrang für die Anständigen. Gegen Missbrauch, Abzocke und Selbstbedienung im Sozialstaat“. Im Frühjahr 2010 wird die "spätrömische Dekadenz-Hartz IV-Kampagne", vom FDP-Vorsitzenden Westerwelle durch eine Expertise für den Paritätischen Wohlfahrtsverband widerlegt. Arbeitslose müssen als Sündenböcke für eine verfehlte oder zu zögerliche Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik herhalten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jobwunder und Fachkräftemangel - Gespensterdebatten
SchwarzGelb und die Hofberichterstattung schwärmen vom Jobwunder. Das Volk wundert sich: Halten die uns wirklich für so blöd? Die Arbeitslosenzahl ist im Dezember 2010 über die Drei-Millionen-Marke gestiegen. 3.016.000 Menschen waren ohne Job - 85.000 mehr als im November, aber 260.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte. 2010 waren im Durchschnitt 3,244 Millionen Menschen offiziell arbeitslos gemeldet. Auch tagesschau.de beschäftigt sich damit, was die offizielle Statistik verbirgt.  
Zur Quelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leserbrief
Westerwelle muß zurücktreten

Ich halte es für eine Schande, dass in unserem Lande ein solcher "Politiker" Vizekanzler und Minister ist.  Er wurde durch die
Expertise als Demagoge überführt. Weil Westerwelle bewusst mit falschen Zahlen gegen Menschen, die keine Arbeit haben und auch keine finden, eine Hetzkampagne betreibt. Ich betone bewusst mit falschen Zahlen. Oder glaubt jemand allen Ernstes die FDP und Westerwelles Berater und wissenschaftlichen Mitarbeiter, der ganze Parteiapparat besteht aus lauter Deppen, die bei einem so wichtigen und sensiblen Thema nicht in der Lage sind die relevanten Sozialleistungen korrekt darzustellen?
Das Problem sind ganz sicher nicht die  
0,05 % erwerbsfähigen H IV-Bezieher, die eine "zumutbare Arbeit verweigerten". Das Problem ist, dass Menschen die Arbeit suchen keine finden weil nicht genügend Arbeitsplätze vorhanden sind. Das Problem ist, dass immer mehr Menschen aufgrund der millionenfachen Arbeitslosigkeit ausgebeutet werden und trotz Vollzeitarbeit oft nicht genug Lohn erhalten um ihre Familie zu ernähren. Das Problem ist Westerwelle, der diese Menschen diffamiert und beleidigt. Die Staatsanwaltschaft sollte prüfen, ob nicht der strafrechtliche Tatbestand der Volksverhetzung vorliegt.
Knut Albrecht, 6.3.2010

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Hurra, wir dürfen zahlen, der Selbstbetrug der Mittelschicht“
Warum befürworten Normalverdiener Steuergesetze, die die Oberschicht bzw. Eliten einseitig privilegieren? Sieht sich die Mittelschicht - in Abgrenzung vom sogenannten Präkariat –  irrtümlich selbst als Teil der Elite und stimmt deshalb auch Vorhaben zu, die weniger ihr, sondern vor allem den Eliten nützen? Auch die Massenarbeitslosigkeit (inzwischen sei jeder „drinnen“, der als Arbeitsloser nicht „draußen“ sei) verleite die Beschäftigten der Mittelschicht dazu, sich mit der Elite zu identifizieren. 47 % der Bevölkerung glauben dass Langzeitarbeitslose „arbeitsscheu“ seien, was durch „Doku - Soaps“ des „Unterschichtenfernsehens“ täglich verbreitet werde. Der Glaube, dass die Steuern vor allem an die Unterschicht umverteilt würden, hätte auch viele in der Mittelschicht verleitet, jede Steuersenkung gut zu heißen. Typisch für alle Reformen: Die Eliten profitieren, die Mittelschicht zahlt.
Buch von Ulrike Herrmann, im März 2010 erschienen.   
Zur Rezension

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

      

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erneuerbare Energien schaffen Arbeitsplätze
In der deutschen Atomindustrie arbeiten nur noch etwa 30.000 Menschen. Zusätzliche Arbeitsplätze werden dort nicht geschaffen.
Die hochdynamische Erneuerbare-Energien-Branche hingegen hat in nur einem Jahr (2008) rund 30.000 Arbeitsplätze neu geschaffen. Nach Angaben der Bundesministerien für Umwelt und Wirtschaft arbeiten somit schon 280.000 Menschen in der Branche. Perspektivisch können durch den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland über eine Million Arbeitsplätze entstehen. Das ist die richtige Antwort auf die Wirtschaftskrise.
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Hilfe erfordert fundamentale Veränderung
Wir müssen Entwicklungshilfe stärker an Bedingungen knüpfen. Wir dürfen kriminellen Regimen gegenüber nicht tolerant sein, nicht so fatal neutral. Falsche Entwicklungshilfe unterstützt am Ende die kriminellen Regierungen. Viele Länder sind so korrupt, dass Geld und Hilfsgüter nicht bei den Hilfsbedürftigen ankommen. wir brauchen ein Mindestmaß an demokratischen Strukturen, an Respekt und an ökonomischer Transparenz. Humanitäre Hilfe kann nur wenig erreichen, wenn die Politik keine fundamentalen Veränderungen einleitet. Brennende Wut auf all jene, die sich in teuersten Anzügen als Humanisten vor den Mikrofonen gerieren, aber wo es darauf ankommt, elegant zur Seite schauen, um ja keine nationalen Vorteile wirtschaftlicher oder militärischer Natur zu gefährden. J. Orbinski, ehem. Präsident von "Ärzte ohne Grenzen".  
Siehe auch  
Mitleid – eine boomende Industrie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neueste Meldung:
Wirtschaft beklagt hohe Löhne

"Wir produzieren teurer, schon weil die Löhne für gleiche Leistung gestiegen sind; wir produzieren weniger, weil die tägliche Arbeitszeit verkürzt worden ist, die Streiks enorme Zeitverschwendung bedingten und weil der höhere Lohn vielfach nur zu Bummelei verlockte...; wir produzieren schlechter weil unser Arbeiterstand in seiner technischen Schulung und moralischen Disziplin zurückgegangen ist."   
"Schlesische Zeitung“   April 1875

 

 

 

Lehrstück über neoliberales                                Unternehmer-Denken.
Ein mittelständischer Unternehmer hat Joachim Jahnke im Dez. 2007 angeschrieben: "... Sicher, ich bin ein neoliberaler Unternehmer (Pfui!), aber eigentlich müsste doch die Sicht auf die Wirklichkeit, solange sie sachorientiert und nüchtern erfolgt, zu vergleichbaren Ergebnissen führen. Aktuell fallen mir Ihre ausführlichen Bemerkungen zum Mindestlohn auf."
Es wurde dann über 14 Runden diskutiert. Am Ende abgebrochen, weil es nirgendwohin führte. Es ist fast unglaublich, was dieser wahrscheinlich nicht untypische Mittelständler in seiner letzten Einlassung alles losließ. Hier ist das alles krönende Zitat:
„Aus Unternehmersicht gibt es ja immer häufiger Überlegungen, dass man mit weniger und mit besser qualifizierten Mitarbeitern auskommen sollte, weil die weniger fähigen im Ende mehr Geld vernichten als sie erwirtschaften. Auf der Kundenseite sollte man versuchen, sich auf genau diesen Teil der Gesellschaft zu konzentrieren. Schätzungsweise sind das ca 30-40% der Bevölkerung. Der Rest des Marktes wird immer unattraktiver, weil sich hier immer weniger Erträge erwirtschaften lassen. In diese Richtung denken immer mehr Unternehmer und Manager. Welcome to the real world."
Dr. Joachim Jahnke: 14 Diskussionsrunden mit einem mittelständischen Unternehmer

 

 

 

 

 

 

Globale Billiglohn-Olympiade
Die Arbeitgeber machen sich vom Acker des Sozialstaats, doch sie werden dafür einen hohen Preis zahlen müssen. Das westdeutsche Wirtschaftswunder war nicht das Ergebnis einer Billiglohn- Konkurrenz. Der Wettbewerb war ein Qualitätswettbewerb, in dem Innovation, Service und Solidität eine große Rolle spielten. Wenn wir uns auf die globale Billiglohn-Olympiade einlassen, werden wir auch die Kinderarbeit wieder einführen müssen, denn die ist am billigsten. Im Übrigen ist der Hinweis auf Globalisierung in manchen Fällen auch nur eine billige Ausrede für Niedriglöhne. Wenn in Dortmund Haare für 1,50 Euro Stundenlohn geschnitten werden, dann nicht aus globalen Wettbewerbszwängen. Kein Dortmunder fliegt nach Prag, Mogadischu oder Mumbai, weil dort das Haareschneiden billiger ist. Und Fenster werden zwecks Reinigung auch nicht nach China geflogen.
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Schweigegelübde zu Produktivitätsfolgen
Seither herrscht eine Allparteien- Einigkeit, über die Wirklichkeit hartnäckig hinwegzureden. „Ein Schweigegelübde unseres Establishments“, hat das der ehemalige SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz genannt. Er gehörte in den achtziger Jahren zu den ersten Vertretern dieses Establishments, der dieses Schweigen brach. Seine These von der Zwei- Drittel- Gesellschaft besagte, dass immer weniger Menschen gebraucht würden, um die sagenhaften Produktivitäts- Gewinne der modernen Ökonomie zu erwirtschaften. „Der Rest kann das Spiel nicht mitspielen oder will es nicht ...      
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Gespensterdebatte: Fachkräftemangel
Fachkräftemangel bei 8 Millionen Arbeitssuchenden? Ehrlicher wäre wohl "Wunsch nach noch billigeren Fachkräften". FDP- und CDU-Politiker wollen trotz millionenfacher Arbeitslosigkeit und Unterbezahlung auch von vielen heimischen Fachkräften die Zuwanderung von ausländischen "Fachkräften" fördern. Insbesondere Senkung der Einkommensgrenzen, Ausnahmen von der Vorrang-Einstellung für inländischen Bewerber, leichteren Nachzug der Familien... Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU)   will die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften bestimmter Berufe erleichtern. Dabei zielt sie auf Ausnahmen von der bisher geltenden Vorrangprüfung, nach der Arbeitgeber prinzipiell nur dann eine ausländische Fachkraft einstellen dürfen, wenn die Arbeitsagentur nachweislich keinen inländischen Bewerber findet. Die konkrete Umsetzung könne im ersten Quartal 2011 beginnen.   Bildungsministerin Schavan, CDU   hatte erklärt, dass die Attraktivität Deutschlands für Fachkräfte aus aller Welt erhöht werden müsse. Sie könne sich langfristig vorstellen, dass die Einkommensgrenze für den Zuzug von Ausländern ganz falle. nZudem hatte sie auch für erleichterte VisaVerfahren für ausländische Spezialisten und einen leichteren Nachzug der Familien von ausländischen Experten plädiert, die nach Deutschland kommen.  Wirtschaftsminister Brüderle, FDP  will "wegen des Fachkräftemangels" den Arbeitsmarktzugang für ausländische Fachkräfte erleichtern und Zuwanderungshürden senken, Unternehmen könnten ihrerseits eine "Lockprämie" zahlen.  "wie Deutschland für ausländische Facharbeiter endlich attraktiv wird, steht ganz oben auf meiner Agenda", sagte der FDP-Politiker. Als ein mögliches Mittel bei der Anwerbung von Hochqualifizierten nannte Brüderle "die Reduzierung der Einkommensschwellen" für ausländische Fachkräfte.

In Deutschland gebe es genügend Potenzial an Fachkräften bis hoch zum Ingenieur, heißt es bei der IG Metall. Ver.di hatte von einer Gespensterdebatte gesprochen.

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Weise: "das vorhandene Potenzial im Land sollte erst einmal genutzt werden. Wir können nicht zulassen, dass Menschen in Arbeitslosigkeit sind, nur weil ihre Talente nicht genutzt werden". Laut Weise sei der bessere Ansatz, Arbeitsangebote attraktiver zu machen. "Wer qualifizierte Kräfte haben und halten will, muss etwas bieten – das können die Unternehmen selbst gestalten, da braucht man nicht nach dem Gesetz zu rufen." Ein wichtiger Aspekt sei die Vereinbarung von Familie und Arbeit: "Das Kinderbetreuungsangebot reicht nicht aus, und die Kommunen haben in der Krise keinen Spielraum. Es ist auch Sache von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, das so zu organisieren, dass Familie und Beruf vereinbar sind." Weise empfahl Arbeitgebern, in Bewerbungen nicht nur auf zertifizierte Abschlüsse, sondern auch auf praktische Erfahrung zu schauen. Ferner sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht so positiv, wie Arbeitsminister Brüderle und Seehofer sie darstellten. Von Vollbeschäftigung könne noch nicht die Rede sein. "Die Lage ist besser als befürchtet, aber noch unsicher. Der Aussage, die Krise sei vorbei, würde ich eindeutig widersprechen", sagte er. 
Und wo er Recht hat, hat er Recht, dieser Weise ...